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Wissenschaftsjournalismus unter Druck

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Manfred Ronzheimer

Kommunikation

Wissenschaftsjournalismus unter Druck

DFG-Präsident zum Verhältnis von Wissenschaft und Medien

„Die Wissenschaft kann auf einen kritischen Wissenschaftsjournalismus nicht verzichten.“ Dies erklärte der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Professor Peter Strohschneider, in einer Grundsatzrede vor der Hanns Martin Schleyer-Stiftung. Die Aufgaben des Wissenschaftsjournalismus könnten auch nicht durch ein gesteigertes Forschungsmarketing seitens der Wissenschaftsorganisationen kompensiert werden, betonte Strohschneider in seiner Rede anlässlich der Verleihung des Universitas-Preises für Wissenschaftsjournalismus in Berlin. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung, die von der Schleyer-Stiftung alle zwei Jahre vergeben wird, erhielt Dr. Tanjev Schultz. Er ist seit 2005 Redakteur der Süddeutschen Zeitung.

Bild: Prof. Strohschneider/Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG

Prof. Peter Strohschneider, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)

 

Seine Ausführungen unter dem Titel „Unter Druck – Anmerkungen zum Wissenschaftsjournalismus in Deutschland“ hatte der DFG-Präsident in drei Teile gegliedert: Thesen, „Anekdotische Phänomenologie“ sowie Schlussfolgerungen. Strohschneiders Berliner Aussagen sind im Kontext seiner wiederholten Behandlung des Spannungsverhältnisses von Wissenschaft und Gesellschaft zu sehen, wie jüngst auch in einem Beitrag für das neue Magazin der Universität Stuttgart („Forschung Leben“).

 

Trennung und Verschränkung

Im analytischen Teil stellte Strohschneider sowohl eine Trennungs- als auch eine Verschränkungs-Dynamik der Systeme Wissenschaft und Gesellschaft fest. In der Entwicklung des Wissenschaftssystems würden von den Grundlagenforschern die Grenzen des Wissens immer weiter nach außen, in die Zone des Unbekannten, Noch-Nicht-Gewussten vorangetrieben. Diese Bewegung erkläre die ständige Differenzierung der Wissenschaft in neue Disziplinen. Das Problem lautet, so Strohschneider: „Was an den Grenzen der Wissenschaft gewusst wird, ist immer weiter von dem entfernt, was noch vermittelbar ist.“ Teilweise innerhalb der Wissenschaft selbst sei es schwierig, vor allem aber über die Schulen, Museen, Medien und andere Vermittlungsinstanzen in die Gesellschaft hinein, steige die Anforderung an diese Vermittlungsaufgabe.

Zugleich gebe es aber auch die Verschränkung dergestalt, dass sowohl eine „Verwissenschaftlichung der Gesellschaft“ als auch die Einflussnahme der Gesellschaft auf die Wissenschaft zunehme. Der vor allem von den Anwendungsforschern gerne offerierte „Solutionismus“ – die Lösungsorientierung von Wissenschaft – könne auch ins Extrem umschlagen und zu einer „funktionalen Überlastung von Wissenschaft“ führen. Schon jetzt, so Stohschneider, gebe es „fast nichts mehr, was der Wissenschaft nicht zugetraut und auch zugemutet wird“. An dieser Stelle erhalte ein anspruchsvoller Wissenschaftsjournalismus „eine Ordnungsfunktion“.

Lust an der Analyse

Im deskriptiven Teil versammelte Strohschneider indes vor allem Beispiele des voranschreitenden Qualitätsverfalls der Wissenschaftsberichterstattung in Deutschland. Selbst das Segment, das sich mit der Wissenschaftspolitik beschäftige, benutze vermehrt Darstellungsformate des Boulevards, wenn etwa beim Amtsantritt der neuen Wissenschaftsministerin der Hauptakzent auf dem Schuhabsatz liege, mit dem sie im Parkettfußboden hängen bleibt. Strohschneider sah negative Folgen der „medialen Aufmerksamkeits-Ökonomie“. Die von ihm wahrgenommenen Trends des Wissenschaftsjournalismus sind: Boulevardisierung, Skandalisierung, Simplifzierung.

Eher werde in Zeitungen die Wissenschaftsseite eingestellt als die Auto- oder Reise-Seite, was an den Anzeigeneinnahmen liege, die damit verbunden sind. Der Druck, unter dem sich Wissenschaftsjournalismus vor allem bei den Druck-Medien befindet, wurde von dem ranghohen Wissenschaftsmanager treffend beschrieben.

Und die Lösung? „Die Lust an der Analyse könnte eine Gemeinsamkeit von Wissenschaft und Journalismus sein“, fand Strohschneider. Auf „solutionistische“ Ansätze wie der akademischen Ausbildung für den Wissenschaftsjournalismus, ging er zwar nicht ein, warnte aber vor der Annahme, nur mit dem Ausbau des Forschungsmarketings die entstandene Lücke gesellschaftlicher Wissenschafts-Reflexion schließen zu können. Immerhin: Ein Beitrag könne die Ehrung von Best-Practise-Beispielen sein. „Für einen solchen Wissenschaftsjournalismus“, schloss Strohschneider, „engagieren wir uns mit dem Universitas-Preis“.

Quelle: http://www.schleyer-stiftung.de/preise/u_preis/preise_universitas.html

Bild: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)