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"Altersbedingte Risikobereitschaft", "Produktiver sein ohne Handy" und "Innovationssystem des Silicon Valley"

news

Ralf Bohlsen

Neues aus der Forschung

"Altersbedingte Risikobereitschaft", "Produktiver sein ohne Handy" und "Innovationssystem des Silicon Valley"

28.01.2016 - 29.01.2016

In dieser Rubrik fassen wir in loser Folge interessante Pressemeldungen aus der Forschung und Wissenschaftseinrichtungen zusammen. Ebenso berücksichtigen wir ausgewählte Veranstaltungshinweise. Wir verlinken für Sie die jeweilige Meldung. Ihre Redaktion.

Bild: Petra Bork www.pixelio.de

 

Altersbedingte Risikobereitschaft
Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung

Langzeitstudie untersucht individuelle und altersbedingte Veränderungen in unterschiedlichen Lebensbereichen. Erstmals gibt eine Untersuchung des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Zusammenarbeit mit der Universität Basel, der Yale University und der Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) am DIW Berlin Auskunft darüber, wie und in welchen Bereichen sich unsere Risikobereitschaft mit dem Alter verändert. Die individuelle Risikobereitschaft kann demnach als Teil der Persönlichkeit gesehen werden, der veränderbar ist. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift „Journal of Personality and Social Psychology“ veröffentlicht und sind als SOEPpaper Nr. 816 online verfügbar.

Auch wenn unser Hang zum Risiko im Laufe des Lebens im Durchschnitt abnimmt, so ist dieser besonders im jungen Erwachsenenalter bis etwa 30 Jahre sowie im höheren Alter ab etwa 65 Jahre veränderbar, lautet eines der Ergebnisse einer Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Zusammenarbeit mit der Universität Basel, der Yale University und der Langzeitstudie SOEP, auf deren Daten die Untersuchung beruht. Die Studie zeigt Veränderungen in der individuellen Risikobereitschaft über die Zeitspanne von bis zu zehn Jahren in verschiedenen Lebensbereichen auf. Die beteiligten Wissenschaftler vermuten, dass insbesondere diese frühen und späten Lebensphasen von individuellen kognitiven und biologischen Veränderungen sowie einflussreichen Lebensereignissen – wie beispielsweise Heirat oder Renteneintritt – geprägt sind. Das könnte Einfluss auf die individuelle Stabilität der Risikoneigung haben.

Vor allem in den Lebensbereichen Arbeit und Freizeit sind die Veränderungen im Durchschnitt am deutlichsten. Dort sinkt die Bereitschaft, Risiken einzugehen, im Laufe des Lebens am stärksten. Auffällig ist, dass sich die Risikopräferenzen im sozialen Bereich mit dem Alter kaum verändern. Dies bestätigt auch ein studienbegleitendes Verhaltensexperiment. Es zeigt, dass sich die Bereitschaft, fremden Menschen zu vertrauen, mit dem Alter kaum verändert. „Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass im Vergleich zu den Bereichen Arbeit und Freizeit die Wichtigkeit des sozialen Lebensbereiches über die gesamte Lebensspanne gleich bleibt oder sogar mit dem Alter durch das Ausdünnen sozialer Netzwerke zunimmt“, sagt Erstautorin der Studie Anika Josef vom Forschungsbereich „Adaptive Rationalität“ des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Insgesamt betrachtet, sind Frauen in allen Bereichen und über die Lebensspanne hinweg weniger risikofreudig als Männer.

Auf individueller Ebene analysierten die Wissenschaftler außerdem den Zusammenhang der Risikoneigung mit Persönlichkeitsmerkmalen wie Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus und Extraversion. Dabei zeigt sich, dass die individuelle Risikoneigung in Zusammenhang mit den Persönlichkeitsmerkmalen Extraversion und Offenheit für Erfahrungen steht. „Das heißt, wird eine Person im Laufe ihres Lebens offener beziehungsweise extravertierter, so nimmt auch deren Bereitschaft, Risiken einzugehen, zu – und umgekehrt“, erklärt Co-Autor David Richter (SOEP).

„Die Risikobereitschaft kann als Persönlichkeitsmerkmal gesehen werden, das im Laufe unseres Lebens Veränderungen unterliegt. Diese Veränderungen können von Lebensbereich zu Lebensbereich aber ganz unterschiedlich verlaufen“, ergänzt Co-Autor Rui Mata, Assistenzprofessor und Leiter des Zentrums für „Cognitive and Decision Sciences“ an der Universität Basel. „Interessant ist zudem, dass individuelle Veränderungen über die Zeit mit Veränderungen bekannter Persönlichkeitsmerkmale zusammenhängen“, sagt Rui Mata.
In die Studie gingen Längsschnittsdaten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ein. Für den Zeitraum von 2004 bis 2014 wurden die Angaben von 44.076 Personen zwischen 18 und 85 Jahren, davon 52 Prozent Frauen, analysiert. Die Befragten beantworteten bis zu neunmal Fragen zu ihrer generellen Risikobereitschaft. Zusätzlich gaben 11.903 Personen bis zu dreimal Auskunft bezüglich ihrer Einstellung zu Risiken in Bezug auf verschiedene Lebensbereiche wie Finanzen, Freizeit, Arbeit, Gesundheit, Soziales und Autofahren. Neben den Selbsteinschätzungen der Risikobereitschaft wurden mit Probanden einer weiteren SOEP-Teilstichprobe Verhaltensexperimente durchgeführt, um Risikoverhalten und Vertrauen zu erfassen.

https://www.mpib-berlin.mpg.de/de/presse/2016/01/risikobereitschaft-vera...

 

Produktiver sein ohne Handy
Leuphana Universität Lüneburg

Mobiltelefone bestimmen seit Jahren unseren Alltag, privat und auch beruflich. Welche Auswirkungen das auf unser Verhalten hat, ist bisher kaum erforscht. Prof. Dr. Mario Mechtel von der Leuphana Universität Lüneburg hat jetzt gemeinsam mit Dr. Adrian Chadi (Universität Trier) und Prof. Dr. Vanessa Mertins (Universität Vechta) die erste wissenschaftliche Untersuchung dazu vorgelegt, wie sich die Nutzung privater Handys auf die Produktivität am Arbeitsplatz auswirkt.

Mobiltelefone als Zeitdiebe?

Für die Mehrzahl der Personalverantwortlichen scheint ausgemacht: Private Smartphone-Nutzung am Arbeitsplatz senkt die Produktivität. Andererseits schrecken sie aber vor Verboten zurück, weil sie den Beschäftigten damit Misstrauen signalisieren und sich das ebenfalls negativ auf die Arbeitsleistung auswirken könnte. Professor Mechtel und seine Kollegen haben sich deshalb ein Experiment ausgedacht, um der Sache auf den Grund zu gehen. Um Daten für eine andere Studie zu sammeln, hatte das Institut für Arbeitsrecht und Arbeitsbeziehungen in der Europäischen Union (IAAEU) an der Universität Trier über 100 Halbtagsjobs als Telefon-Interviewer vergeben. Für die Handy-Forscher eine gute Gelegenheit, diese Mitarbeiter auch als Testpersonen für ihr Experiment zu nutzen. Sie untersagten einem per Zufallsverfahren bestimmten Teil der Interviewer durch einen Aushang im Büro die Nutzung von Mobiltelefonen während der Arbeitszeit. Ein anderer Teil der Interviewer, die Kontrollgruppe, bekam keine Vorgaben, konnte also davon ausgehen, dass die Smartphonenutzung während der Arbeit zulässig ist.

Verbot kann Produktivität steigern

Die Auswertung der ansonsten in beiden Gruppen unter gleichen Bedingungen erbrachten Arbeitsleistungen offenbarte signifikante Unterschiede: Die Produktivität der Telefon-Interviewer mit dem Handy-Verbotsschild im Büro lag durchschnittlich um mehr als 10 Prozent über der der Vergleichsgruppe. Die Wissenschaftler haben die Versuchsteilnehmer in einer Nachbefragung um weitere Informationen gebeten. „Mehr als 90 Prozent der Befragten gaben dabei an, dass die Handynutzung von der Arbeit ablenken könne“, berichtet Professor Mechtel. Ein weiteres aus seiner Sicht interessantes Ergebnis: Die Handyverbote wurden nicht als Misstrauenssignal des Arbeitgebers wahrgenommen.

http://www.leuphana.de/news/pressemitteilungen/pressemitteilungen-ansich...

 

Innovationssystem des Silicon Valley
Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung ISF

Die Digitalisierung mit ihren gravierenden Folgen für Wirtschaft und Arbeitswelt ist das zentrale Thema in den Strategieabteilungen deutscher Unternehmen. Wer die Bedeutung dieses historischen Umbruchs in seiner Radikalität und Komplexität verstehen will, muss den Blick ins Silicon Valley richten. ISF-Wissenschaftler haben in Kalifornien im Rahmen des BMBF-Projekts digit-DL das Zentrum der neuen digitalen Ökonomie unter die Lupe genommen. Sie analysieren ein soziales Biotop, das mit großer Technikgläubigkeit und viel Geld die Transformation forciert. Die Experten sind überzeugt: Die Wirtschaft hierzulande wird einen anderen Weg ins digitale Zeitalter finden müssen.

„In der Bay Area vollzieht sich gerade ein Katapultstart in die digitale Gesellschaft“, berichteten PD Dr. Andreas Boes, Vorstandsmitglied des Instituts für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF München) e.V., und Dr. Tobias Kämpf, Wissenschaftler am ISF, vor mehr als 100 Teilnehmern aus Unternehmen, Wissenschaft, Beratungsinstituten und Gewerkschaften, die heute als Gäste der IG Metall im Rahmen der zweiten digit-DL-Konferenz das Thema „Disruptiver Wandel: Gute Arbeit in der digitalen Ökonomie neu gestalten“ diskutierten.

Neben einem Ökosystem aus globalen IT-Konzernen und Start-ups, renommierten Universitäten und schnell verfügbarem Risikokapital kennzeichne das Silicon Valley vor allem eines, erklärten die beiden Soziologen: „Die Akteure dort haben die Bedeutung des Informationsraums als globaler und permanent verfügbarer gesellschaftlicher Handlungsraum und Fundament moderner Wertschöpfungsprozesse erkannt und nutzen ihn konsequent.“

Auf der Basis empirischer Erhebungen, die Boes und sein Forschungsteam „Informatisierung der Gesellschaft und Zukunft der Arbeit“ im Laufe ihres 14-tägigen Aufenthalts in Kalifornien durchgeführt haben, identifizieren die Experten vier Trends. So ist das „Internet der Dinge“ weit mehr als eine neue Technologie zur Automatisierung der Produktion. Tatsächlich produzieren die weltweit vernetzten Sensoren ein digitales Abbild der realen Welt in Echtzeit: „Alles, was wir tun und was passiert, kann gemessen, analysiert und ausgewertet werden“, sagt Tobias Kämpf. Offen sei, wer am Ende davon profitiere. Klar sei aber schon jetzt, dass auch industrielle Kernbranchen wie der deutsche Maschinenbau, die im Moment noch in der Industrie-4.0-Diskussion verharrten, sich dieser Herausforderung stellen müssten.

Ein weiteres Szenario, das sich abzeichnet, ist die „Disruption der Arbeitsmärke“ in Folge neuer Produktionsmodelle wie Cloudworking und Crowdsourcing. Unternehmen rekrutieren dort selbst für hochqualifizierte Tätigkeiten bedarfsgerecht und flexibel Arbeitskräfte, die im Netz weltweit zur Verfügung stehen und nach dem Prinzip der „Gamification“ für einen Job gegeneinander antreten. „Wenn dies zur Regel und darüber das Arbeitsrecht zur Disposition gestellt wird, verschieben sich die Kräfteverhältnisse in der Arbeitswelt grundlegend“, warnt der Soziologe.

Auch Christiane Benner, zweite Vorsitzende der IG Metall, betonte in ihrer Rede, Digitalisierung und Crowdwork dürften nicht zum Einfallstor für eine Absenkung der Arbeitsstandards werden. „Wir akzeptieren nicht, dass neben Leiharbeit und Werkverträgen durch die Plattformökonomie weitere prekäre Beschäftigungsverhältnisse entstehen. Wir wollen keine Amazonisierung der Arbeitswelt und keine rechtsfreien Räume wie im Silicon Valley“, sagte Benner. In Deutschland gebe es durch eine Kultur des sozialen Ausgleichs durch Mitbestimmung die Chance, Digitalisierung sozial und gerecht zu gestalten.

Insgesamt sei die Dynamik im Silicon Valley beeindruckend, bilanzieren Boes und Kämpf. Doch auf reife Volkswirtschaften wie Deutschland sei die dortige Philosophie nur sehr begrenzt übertragbar. „Naiver Technizismus ist zudem kein Ersatz für eine verantwortungsvolle und nachhaltige Gestaltung des Wandels durch Gesellschaft und Politik.“ Entscheidend sei, ob der Informationsraum als Vehikel für ein digitales Fließband und ein Kontrollpanoptikum der Daten genutzt werde oder als Ausgangsbasis für ein Mehr an Empowerment der Menschen.

Die Bedeutung der Forschung zur Gestaltung des digitalen Wandels erläuterte Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas, Leiter der Abteilung Schlüsseltechnologien – Forschung für Entwicklung im Bundesministerium für Bildung und Forschung, zur Eröffnung der Konferenz. Mit der Digitalisierung als Innovationstreiber von Technologien und Geschäftsmodellen befasste sich in seiner Keynote der Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH, Dr.-Ing. Stefan Hartung. Im Anschluss an das Vortragsprogramm bekamen die Teilnehmer im Rahmen eines Speed Think Tanks Gelegenheit zum Erfahrungs- und Meinungsaustausch über neue Innovationskulturen, die Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt für die Mitbestimmung, Gestaltungsanforderungen für die Qualifizierung sowie die Chancen und Risiken von Crowdsourcing und Cloudworking.

Zum Projekt

digit-DL ist ein Verbundprojekt unter Leitung des ISF München und in Zusammenarbeit mit der IG Metall. Es wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und im Rahmen der Förderinitiative „Innovation mit Dienstleistungen“ in enger Zusammenarbeit mit dem Projektträger im DLR durchgeführt (Laufzeit: Dezember 2013 bis November 2016). Praxispartner sind andrena objects ag, Continental AG, DB Systel GmbH, Fiducia & GAD IT AG, Software AG, szenaris GmbH und die Taunus Sparkasse. Neben dem Unternehmens- und Transfernetzwerk widmet sich auch der hochrangig besetzte Expertenkreis „Unternehmen der Zukunft“ zentralen Zukunftsfragen und den Herausforderungen der digitalen Wirtschaft.

http://www.isf-muenchen.de/pdf/PM_digit_final.pdf

 

 

Bild: Petra Bork www.pixelio.de