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Zwischen Europameisterschaft und Bundestagswahl

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Markus Lemmens

Kommentar zum Innovations-Thema

Zwischen Europameisterschaft und Bundestagswahl

Auszug aus dem Newsletter Wissenschaftsmanagement Juli 2021

Die Zeiten zwischen großen Ereignissen bergen Potenzial für Kreativität. Die Fußball-Europameisterschaft der Herrenteams und die Bundestagswahl im September markieren zwei solcher Eckpunkte. In der Corona-Pandemie freuen sich alle auf Normalität. Ein Sommerereignis mit öffentlichen Übertragungen wie die EM war ein solches Highlight. Auch wissenschaftlich ist die damit verbundene und mögliche Begleitforschung reizvoll – Ergebnisse folgen, Analysen zu Inzidenzen und Ideen für den Herbst eingeschlossen. Die Bundestagswahl lässt ihrerseits Bewegung beim Thema Forschung und Innovation erkennen.

Foto: Jörn Wolter/Wolterfoto

Agenturen haben derzeit Rückenwind. Mit den Kürzeln D-Innova (Deutsche Innovationsagentur) und Sprin-D (Agentur für Sprunginnovationen) werden in einigen Monaten immer mehr Leser:innen von Blogs, Zeitungen und News-Plattformen etwas anfangen können. Denn Bündnis 90/Die Grünen sowie die Unionsparteien CDU/CSU nehmen zentral in ihren Parteiprogrammen die Themen-Trias „Forschung-Transfer-Innovation“ auf. Hierbei spielt auch die Frage eine Rolle, wie der Innovationsprozess künftig zu organisieren ist.

Die FDP wird sicher noch einmal nachlegen, steht sie grundsätzlich für technische Optimierungen und weniger für staatliche Reglementierungen, wenn es beispielsweise um die Reduktion von Klimaschadstoffen geht. Bisher ist sie zu dem Thema Forschung und Innovation vergleichsweise zurückhaltend, wobei sie die Deutsche Transfergemeinschaft – ein gedanklicher Vorläufer der nun intensiv im Wahlkampf diskutierten D-Innova – initial unterstützt hatte und weiterhin befürwortet.

Bei der Suche nach neuen Lösungen für Technik und Gesellschaft vertrauen jedenfalls – so mein Eindruck – zunehmend mehr Entscheidungsträger:innen der externen Agenturlösung als Organisationsform. Dahinter verbirgt sich die Hoffnung, mit neuen Einheiten, die außerhalb von etablierten Einrichtungen wie beispielsweise Hochschulen und Forschungseinrichtungen finanziell und rechtlich flexibler arbeiten können, mehr Innovationen hervorbringen zu können als dies bisher für Deutschland möglich war.

Nun besteht kaum Zweifel daran, dass der 20. Bundestag ab Herbst entschiedener mit den Aufgaben einer schnellstmöglichen digitalen Verbesserung der Arbeit der Verwaltungen, des Gesundheitswesens und natürlich auch der Schulen und Hochschulen umgehen muss. Künstliche Intelligenz, Investitionen eines Zukunftsfonds für Deep Technology-Lösungen (der Deeptech Future Fonds) in Deutschland verlangen sicher auch ein Nachdenken über die organisatorischen Wege zum Ziel.

Ob sich die Bundesministerin für Bildung und Forschung (BMBF), Anja Karliczek (CDU), ihren Wunsch auf eine weitere Amtsführung erfüllen kann, wird schon deshalb zu bezweifeln sein, weil der NRW-Überhang politischer Größen allzu deutlich ist. Armin Laschet, Friedrich Merz und Ralph Brinkhaus haben, aus NRW kommend,  Ministerambitionen. Fachlich wäre es reizvoll, einer neuen Trainerin oder einem neuen Trainer die Verantwortung für das so wichtige BMBF-Ressort zu geben. Aber die Leistungsbilanz der aktuellen Ministerin soll hier nicht analysiert werden. Das lassen in ausreichendem Maß BMBF-Referenten:innen sowie Staatssekretäre:innen erkennen, die von ihrer Amtsleiterin nicht (mehr) überzeugt sind.

Dennoch hat die Ministerin visionär entworfen, wie sie sich „the next big thing“ nach Biontech-Pfizer vorstellt. Im Handelsblatt Gastkommentar (9. April 2021, Seite 64) stößt sie die Tür zu einer weiteren neu zu konzipierenden Translations-/Transferorganisation in Deutschland weit auf. Die Agentur für die Entwicklung neuer Impfstoffe soll die Phasen (1) Grundlagenforschung, (2) Markttrends und (3) Problemlösung eng verknüpfen. Dieser Vorschlag kritisiert indirekt die bisherige Transferpraxis innerhalb der vier großen Forschungsorganisationen in Deutschland – von der Max-Planck-Gesellschaft bis zur Helmholtz-Gemeinschaft, für die das BMBF grundsätzlich ein sehr großer, wenn nicht der größte Basisfinanzier ist.

Ich glaube, dass zwei Punkte wichtig sind:

  • Erstens ist die Sprin-D ein lohnenswerter Versuch bei der Suche nach echten Durchbruch-Innovationen, dem man aber auch Zeit, Vertrauen und Flexibilität im Handeln geben muss. Eine noch im Planungsstatus befindliche D-Innova kann dazu eine sehr gute Ergänzung für eher kurz- und mittelfristige Innovationen sein. Somit geht eine behutsam verfolgte Agentur-Option in Ordnung.
  • Zweitens dürfen wir aber die organisatorische Weiterentwicklung des Wissens- und Technologietransfers in den etablierten Hochschul- und Forschungseinrichtungen nicht vergessen. Allein aus den "Top 10" der deutschen Fachhochschulen und Universitäten – das zeigt der Gründungsradar (2020) – kommen jährlich mehr Firmenausgründungen als es die Helmholtz-Gemeinschaft in ihrer gesamten Existenz geschafft hat. Die absolute Zahl besticht: Im aktuellen Gründungsradar des Stifterverbandes heißt es: „Für das Jahr 2019 wurden von den teilnehmenden Hochschulen insgesamt 2.176 Gründungen zurückgemeldet. Das bedeutet etwa 10,5 Gründungen je 10.000 Studierende an Hochschulen mit Gründungsförderung.“

Somit ist mir wichtig: Aus Sicht des Wissenschaftsmanagements muss eine Neuordnung des Wissens- und Technologietransfers, auch durch neue und inspirierende Agenturen befördert, eng verknüpft sein mit kontinuierlichen Verbesserungen der Systeme innerhalb der bisherigen Organisationen.