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Werthaltige Transferströme und Ressourcen

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Matthias Fuhrland und Uwe Leutholf

Transferindikatorik

Werthaltige Transferströme und Ressourcen

Zur monetären Bewertung von Erkenntnissen und geistigem Eigentum

Der monetäre Wert wissenschaftlicher und technischer Erkenntnisse verändert sich zeitabhängig. Die Frage, ob und wie gut ein individuell gegebenes Innovationssystem in der Lage ist, Erkenntnisse aus Forschung und Entwicklung zu verwerten, soll mit Hilfe des Transfer_i-Modells beantwortbar gemacht werden. Die Arbeit an diesem Transfermodell war der Anlass, eine von Schutzrechten unabhängige Methodik zur Bewertung von Erkenntnissen zu entwickeln, die hier vorgestellt werden soll. Sie basiert auf 8 Scorecards, die Technology Push und Market Pull zum Bewertungszeitpunkt quantifizieren. Damit wird die Wertentwicklung von IP entlang des gesamten Innovationszyklus messbar und prognostizierbar.

Wissenschaftsmanagement - Entscheiden.Führen.Gestalten

Der monetäre Wert wissenschaftlicher und technischer Erkenntnisse verändert sich zeitabhängig. Während der Neuheitswert mit der Zeit abnimmt, kann der monetäre Wert wie ein Aktienkurs sowohl steigen als auch fallen. Er ist zunächst einmal weitestgehend unabhängig davon, wie hoch der finanzielle Aufwand zum Erzeugen der Erkenntnisse war. Ein Patent, das einem 3 Millionen Euro teuren FuE-Projekt entspringt, kann zunächst einen Wert von nur 20.000 Euro haben. Der monetäre Wert der Erkenntnisse ist viel mehr abhängig davon, ob, wann und mit welchem Aufwand eine wirtschaftliche Verwertung möglich ist und wie hoch das wirtschaftliche Verwertungspotenzial in einem definierten Innovationssystem ist. Mit jedem Schritt in Richtung wirtschaftliche Verwertung wächst der monetäre Wert der Erkenntnisse. Die wirtschaftliche Verwertung kann sich dabei auch auf den Sensationswert/Publikationswert der Erkenntnisse beziehen oder auf mögliche wirtschaftliche Effekte sozialer Innovationen.

Erkenntnisse der Grundlagenforschung und der Geisteswissenschaften oder auch negative Forschungsergebnisse sind wegen des geringen oder sehr fernen wirtschaftlichen Impacts schwerer bewertbar. Gleiches gilt für eine eher gesellschaftliche Verwertung von Erkenntnissen, wie zum Beispiel Änderung von privaten Meinungen und Handlungsweisen. Nichtsdestotrotz setzt die öffentliche Finanzierung von Forschung unter EU-Beihilferecht in aller Regel die risikobehaftete Möglichkeit eines wirtschaftlichen Impacts voraus, oft eine Bedingung für die Förderwürdigkeit, denn jegliche Subvention ist per Definition eine politische Methode zur direkten Beeinflussung des Marktes. Die Frage, ob und wie gut das individuell gegebene Innovationssystem in der Lage ist, Erkenntnisse aus Forschung und Entwicklung zu verwerten, soll mit Hilfe des Transfer_i-Modells beantwortbar gemacht werden. Die Arbeit an diesem Transfermodell war der Anlass, eine von Schutzrechten unabhängige Methodik zur Bewertung von Erkenntnissen zu entwickeln, die hier vorgestellt werden soll.

 

Das Transfer_i-Modell

Das im Rahmen eines vom BMBF geförderten Projektes zur Transferindikatorik entwickelte Transfer_i-Modell ermöglicht die Prognose, Nachverfolgung und Steuerung beabsichtigter Transfereffekte über die Zeit mit Hilfe der Abbildung von Kausalketten. Eine Kausalkette beschreibt die durch einen Anfangsimpuls ausgelöste Reihenfolge der Transferströme zwischen den Subsystemen des Innovationssystems inklusive der damit verbundenen Umsetzung von Ressourcen innerhalb der Subsysteme3. Im Transfer_ i-Modell besteht die Notwendigkeit zur Vereinheitlichung der Angabe von Transferströmen und Ressourcen, das heißt zur Umrechnung zwischen den verschiedenen Einheiten, mit denen werthaltige Transferströme und Ressourcen messtechnisch erfasst werden.

 

In Analogie zur Bilanzierung eines Unternehmens ist im Zusammenhang mit der Bilanzierung des Innovationssystems eine Umrechnung in die staatliche Währung sinnvoll. Einerseits ist die Währung genau dazu da, Wertströmen eine gemeinsame Recheneinheit zu geben, andererseits werden bereits Transferströme, wie Kapitalimpulse, Umsätze und Steuern, sowie die Werte von Ressourcen, wie Kapital, Infrastruktur und Produkte, in staatlicher Währung direkt oder indirekt gemessen. Die Ausnahmen bilden Kompetenzen und Erkenntnisse. Während analog zur indirekten Bewertung von Produktimpulsen auch der Wert von Kompetenzträgern über ein in der Regel branchenspezifisch bekanntes mittleres Gehalt oder bei Absolventen über ein künftiges mittleres Einstiegsgehalt relativ leicht bewertet werden kann, ist dies bei Erkenntnissen nicht ganz so trivial.

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Fazit

Die weitere Validierung, Optimierung und Kalibrierung des vorgestellten Bewertungsmodells ist einerseits im Rückblick auf weitere erfolgte Transfers, aber auch vorausblickend im Zuge des pilothaften Praxiseinsatzes an der HTW Dresden geplant. Freiheitsgrade gibt es bei den Skaleneinteilungen des Pull-Faktors und beim Startwert. Mittelfristig ist auch eine Kalibrierung via Länderfaktor für internationale Transfers geplant, da der Wert von IP von Staat zu Staat sehr unterschiedlich bewertet werden kann. Allerdings ist die Datenbasis für eine Kalibrierung des Modells bislang viel zu gering. Es fehlt eine Art Kaufpreissammlung, wie sie zum Beispiel bei Grundstücken zur Ableitung einer Bodenrichtwertkarte geführt wird. Eine solche Kaufpreissammlung müsste perspektivisch nicht nur Verkäufe von Schutzrechten und Übereignung von IP enthalten, sondern auch die Bewertung von Start-ups im Zuge der Due Diligence bei Investitionsrunden. In der Hoffnung auf konstruktives Feedback aus der Fachcommunity wird der Ansatz deshalb hiermit zur Diskussion und eigenständigen Erprobung für andere FuE-Einrichtungen offengelegt. Ein Excel-Tool wird auf Anfrage gern bereitgestellt.

 

  •  Der komplette Beitrag ist im ► Onlineshop von Lemmens Medien erhältlich. Den Abonnenten der Zeitschrift Wissenschaftsmanagement steht der Beitrag in ihrem Account zum kostenlosen Download zur Verfügung.

 

Dr.-Ing. Matthias Fuhrland ist Forschungskoordinator an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden.

Uwe Leutholf leitet das Dezernat Studium und Forschung an der TU Bergakademie Freiberg.