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Vertrauen ist so wichtig wie Konsens

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K.Rüdiger Durth

Kommentar

Vertrauen ist so wichtig wie Konsens

Auf der Suche nach einem Endlager für den Atommüll muss das Wissenschaftsmanagement für interdisziplinäre Zusammenarbeit und Vertrauen in die Wissenschaft sorgen

Die Suche nach einem Endlager für den sich seit Jahrzehnten angesammelten radioaktiven Abfall, die nach dem interfraktionellen Willen des Deutschen Bundestages 2031 abgeschlossen sein soll, wird auch zu einer Bewährungsprobe für das Wissenschaftsmanagement: Wird es den Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen gelingen, Politik und Gesellschaft von einem Standort zu überzeugen, der den strahlenden Müll für hunderte, ja tausende von Jahren sicher aufbewahrt?

Nachdem sich das Lager Asse für leicht strahlenden Müll als höchst unsicher erwiesen hat und wahrscheinlich für einige Milliarden Euro in den nächsten Jahren wieder geräumt werden muss, ist die Lager-Problematik in das breite öffentliche Bewusstsein gedrungen. Bislang war dies in erster Linie eine Sache des Salzstocks Gorleben als Zwischenlager, den die Politik in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bestimmt hatte. Er lag damals im Zonenrandgebiet, wo er zugleich für Arbeitsplätze sorgen sollte. Doch die Bevölkerung lehnte das Zwischenlager ab, wehrte sich mit heftigen Demonstrationen gegen jede neue Einlagerung und der Staat reagierte mit Polizeieinsätzen, die jeweils viele Millionen Euro kosteten. Von Wissenschaftsmanagement war nicht viel die Rede. Und so wurden Gorleben und der in Castor-Behälter eingeschweißte atomare Müll zu einem Synonym für ein Problem, das so gut wie nicht zu lösen war. Seit der deutschen Einheit liegt Gorleben aber mitten in Deutschland und der von der Bundesregierung betriebene Ausstieg aus der Atomenergie setzte das Thema Müllbeseitigung auf die Tagesordnung. Weithin wurde kaum zur Kenntnis genommen, dass es nicht nur das Zwischenlager Gorleben gibt, sondern auch das von Greifswald, Jülich und Ahaus. In letzterem lagern allein 329 Castor-Behälter (in Gorleben 113 plus 13 Behälter anderen Typs). Dazu kommt bei jedem der rund zwanzig Kernkraftwerke zwischengelagerter Atommüll von 51 Castor-Behältern (Biblis) bis sechs Castor-Behältern (Brunsbüttel).Weitere Castor-Behälter zu den bislang insgesamt in Deutschland lagernden 653 werden in den nächsten Jahren noch hinzu kommen. Es wird also höchste Zeit, dass Bund und Länder das Thema Endlagerung endlich ernsthaft in Angriff nehmen. Immerhin haben sich Bund und Länder geeinigt, dass der deutsche Atommüll nicht ins Ausland gebracht wird und dass man die Endlagerung nicht den künftigen Generationen überlassen wird. Diese werden ohnehin mit der Sicherung des Endlagers genug zu tun haben. Wenn der Parteienkonsens (mit Ausnahme der Linken) Anfang Juli auch den Bundesrat passiert, dann kann eine aus Politik und Wissenschaft zusammengesetzte Enquete-Kommission ihre Arbeit aufnehmen, die 2015 die Kriterien für die Endlagersuche festlegen soll. Dann wird mit der Suche begonnen, für die es keine Vorentscheidungen gibt (auch nicht für Gorleben, das vorerst auch keine weiteren Castor-Behälter aufnehmen soll). Die Energiekonzerne, die Atomkraftwerke betreiben, sollen nach dem Willen der Politik die Kosten für die Suche eines Endlagers tragen. Schätzungsweise rund zwei Milliarden Euro. Dagegen wehren sich freilich die Energiekonzerne. Und wenn dann 2031 ein Endlager feststeht und mit dem Bau begonnen werden soll, wird es mit großer Sicherheit zu heftigen Protesten seitens der Bevölkerung kommen. Denn niemand will ein solches Endlager vor seiner Haustüre haben, wenngleich kaum jemand seit Jahrzehnten etwas gegen den (letztlich alles andere als billigen) Atomstrom hatte. In dem nun bald in Gang kommenden Prozess zur Findung eines Endlagers – von der Enquete-Kommission bis zur konkreten Überprüfung möglicher Standorte und endgültigen Festlegung einer Lagerstätte – wird es vor allem auf eines ankommen, nämlich auf Vertrauen. Weniger auf Vertrauen in die beteiligten Politiker, die ihre jeweiligen Interessen im Auge haben, sondern auf Vertrauen in die Wissenschaftler. Wird es ihnen gelingen, ihre konkreten Vorschläge mit vertrauensbildenden Maßnahmen zu verknüpfen? Und werden sie es schaffen, die Bevölkerung für ihren Vorschlag zu gewinnen? Damit dies gelingt, wird es auf ein exzellentes Wissenschaftsmanagement ankommen, das die beteiligten Disziplinen – von der Physik bis zur Chemie, von der Geologie bis zur Materialwissenschaft, von der Sicherheitstechnik bis zur Soziologie – an einem Strang ziehen lässt. Anders ausgedrückt: Funktioniert das Wissenschaftsmanagement, dann wird es leichter sein, auch in der Bevölkerung für den gefundenen Standort einen Konsens herzustellen. Versagt aber das Wissenschaftsmanagement, dann wird die Endlagersuche einen schweren Rückschlag erleiden. Und beliebig viel Zeit wird es für die Lösung dieses Problems nicht geben. Deshalb muss von Anfang an auch gegenüber der breiten Öffentlichkeit Klartext geredet werden. Denn nur so entsteht Vertrauen, ohne das in der Demokratie kein Endlager durchgesetzt werden kann. Gelingt dies, wird das deutsche atomare Wissenschaftsmanagement zugleich zu einem Vorbild für das Ausland, das ja vor den gleichen Problemen steht. Foto: Andreas Kinski/pixelio