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„Extrem viel zu bieten“

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K. Rüdiger Durth

Kommentar

„Extrem viel zu bieten“

Nobelpreisträger Thomas Südhof über den Forschungsstandort Deutschland

Ist Professor Thomas Südhof (58), einer der drei diesjährigen Nobelpreisträger für Medizin, ein Deutscher oder ist er ein US-Amerikaner? Eine Frage, die der 1955 in Göttingen geborene Neurowissenschaftler selbst nicht so genau beantworten kann. Das hat er jedenfalls im Interview mit „Spiegel online“ eingestanden. Vor Jahren zog es den deutschen Forscher in die USA, für kurze Zeit auch zurück nach Deutschland, doch seitdem forscht er an der Stanford University.

Dort leitet er das nach ihm benannte Südhof Laboratorium an der Medical School. Würde er an einer deutschen Universität oder in einem deutschen Wissenschaftsinstitut forschen, hätten sich die deutschen Medien mit ihren Schlagzeilen über den deutschen Nobelpreisträger (viele davon hat es ja leider in den letzten Jahren auch nicht gegeben) überschlagen. Dennoch ist das „Spiegel online“-Interview in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Vor allem zeigt es, dass es um die Leistungsfähigkeit der deutschen Universitäten nicht schlecht bestellt. Denn wie könnte sonst der Nobelpreisträger Südhof sagen: „Die Forschungslandschaft in Deutschland ist ausgezeichnet. Viele meiner Mitarbeiter, sehr gute Leute, sind wieder nach Deutschland zurückgegangen – und das gern.“ Und Professor Südhof fügt hinzu: „Deutschland hat extrem viel zu bieten.“ Dieses Urteil über Deutschland sollte den Forschungspolitikern in Bund und Ländern nicht als sanftes Ruhekissen dienen – auch jetzt nicht bei den langsam in Gang kommenden Koalitionsverhandlungen auf dem Berliner Parkett, wo es selbstverständlich auch um´s Geld geht. Und es sollte auch den Hochschulplanern nicht als Argument dienen, den Ansturm junger Abiturienten achselzuckend hinzunehmen, wenn diese verzweifelt den Numerus clausus in Fächern wie Medizin per Gerichtsbeschluss auszuhebeln versuchen. Zugleich sollten sich all diejenigen in der deutschen Forschungslandschaft das „Spiegel online“-Interview genau ansehen, die sich vor allem in der Kritik an den deutschen Hochschulen gefallen. Es ist eben vieles gut in der deutschen Forschungslandschaft, wo eben die vielen Steuermilliarden nicht einfach versickern. Siehe die Überzeugung des Nobelpreisträgers Südhof. Nicht weniger spannend an diesem Interview ist, dass Südhof keinen Hehl daraus macht, dass er gern nach Deutschland zurückkommen würde. Nicht nur seiner noch jungen Kinder wegen. Aber er hat Bedenken, die zugleich den Politikern und den Hochschulen zu denken geben: Er fürchtet, dass er für einen Neuanfang in Deutschland bereits zu alt ist. Und hat wohl Sorge, dass er mit dem Erreichen des 65. Lebensjahres mittels Emeritierung seinen Forschungsmöglichkeiten beraubt wird. Muss das sein? Wenn Nobelpreisträger Südhof auch über sein 65. Lebensjahr hinaus aktiv forschen will, dann sollte man ihm dies – ebenso wie es in den USA üblich ist – nicht verwehren. Und wo kommen wir hin, wenn ein Nobelpreisträger (!) fürchtet, für einen Wechsel nach Deutschland bereits zu alt zu sein – und das gerade einmal mit 58 Jahren. Sage niemand: „Das lässt sich nicht machen.“ Im Gegenteil: Die Bundesbildungsministerin, aber auch die großen Forschungsgesellschaften, sollten schnell darüber nachdenken, wie man Professor Südhof den Weg zurück nach Deutschland ebnen kann. Denn Deutschland kann es sich nicht leisten, einen Nobelpreisträger „vor der Tür stehen zu lassen“. Auch in diesen Fragen sollte Deutschland den Forschern „extrem viel“ zu bieten haben. Foto: Lilo Kapp / Pixelio