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Europas Forschung in der Zwickmühle

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K. Rüdiger Durth

Kommentar

Europas Forschung in der Zwickmühle

Europas Forschung kann sich sehen lassen. Nicht nur wegen der Entdeckung des Higgs, des Gottesteilchen.

Einige Beispiele zeigen, wo Europa Spitze ist – in der Klima- und Ernährungsforschung, im Flugzeug- und Autobau, in der Medizin und Physik. Selbst im Weltraum ist Europa unter den führenden Nationen. Das alles lässt sich auch mit nackten Zahlen belegen: Obwohl Europa nur sieben Prozent der Weltbevölkerung stellt, stellt sie 20 Prozent der Forscher. Und diese verfassen 40 Prozent aller wissenschaftlichen Publikationen. Dass sich unter den europäischen Forschungsnationen vor allem Deutschland sehen lassen kann, liegt nicht nur an seiner Wirtschaftskraft.

Angesichts dieser Feststellungen kann sich eigentlich Europa (und mit ihm Deutschland) zufrieden geben. Was es auch oft tut. Doch die USA sind nach wie vor in der Forschung führend, erhalten nach wie vor die meisten Nobelpreise. Und wer sich mit diesem – für die Zukunft Europa lebenswichtigen - Thema beschäftigt, sieht längst China, Japan und Brasilien in der Aufholjagd. Und wenn Russland seine inneren Probleme in den Griff bekommt, wird mit ihm auch auf dem Gebiet der Forschung zu rechnen sein. Medial kaum wahrgenommen, wird in diesem Herbst die Finanzierung des neuen EU-Forschungsrahmenprogramms - Horizon 2020 mit der siebenjährigen Laufzeit ab 2014 - hinterfragt. Kommen wirklich 80 Milliarden Euro für die europäische Forschung zusammen? Und wie hoch wird der Nettozuwachs im Budget ausfallen? Abseits der Finanzfragen tut sich Europa schwer mit strittigen Themen der Forschung. In Teilen herrscht spürbare Angst. Gentechnologie und Stammzellforschung stehen geradezu modellhaft für diese Angst. Die Apparatemedizin, die bereits unendlich viel Menschen gerettet, aber eben auch viel menschliches Leiden unnötig verlängert hat, gehört auch dazu. Moderne Technologie kann sehr wohl die Kernkraft für Industrienationen ersetzen, doch die Bevölkerung lehnt sich gegen Stromautobahnen ebenso auf wie gegen die unterirdische Lagerung von CO² - Rückständen. Moderne Kohlekraftwerke will man ebenso wenig. Die Euro-Krise zwingt nicht nur die armen Länder des europäischen Südens zum Sparen. Und die Regierungen sparen gern dort an liebsten, wo es die Bevölkerung nicht unmittelbar trifft wie bei Löhnen und Renten. Doch wer jetzt bei Forschung und Wissenschaft spart, gefährdet die eigene Zukunft. Leider scheint dies noch längst nicht jeder Europa-Verantwortliche kapiert zu haben. Es sind vor allem die gut ausgebildeten jungen Griechen, Spanier und Italiener, die ihre Heimat verlassen und sich keineswegs nur in Mittel- bzw. Nordeuropa niederlassen. Sie sind in den USA genauso willkommen. Aber ihre Heimatländer sind gerade auf sie angewiesen, wollen sie auch wirtschaftlich in einer angemessenen Zeit wieder auf die Beine kommen. Was wir in Europa benötigen? Eigentlich nicht viel, aber davon jede Menge: Zunächst dürfen die europäischen Staaten nicht an Forschung und Wissenschaft sparen. Im Gegenteil. Zum anderen muss in den Schulen des Kontinents verstärkt für Forschung und Wissenschaft geworben werden. „Jugend forscht“ mit seinen hervorragenden Ergebnissen ist in diesem Bemühen ein Leuchtturm, der noch mehr als bislang strahlen muss. Je mehr junge Menschen ein MINT-Fach (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) studieren, desto besser. Vor allem aber muss die europäische Gesellschaft die Forschung zu ihrer Sache machen – kritisch und aufgeschlossen zugleich und die Technikfolgenabschätzung einbeziehend. Nur so entsteht ein zukunftsoffenes gesellschaftliches Klima, das der Kontinent dringend benötigt. So wichtig die Lösung der Eurokrise ist (auch hier wäre die Politik gut beraten, wenn sie für die Lösung ab und an mehr wissenschaftlichen Sachverstand anfordern würde), so besteht Europa nicht nur aus dem Thema Euro. Vielmehr muss der „alte Kontinent“ möglichst schnell aufwachen, um nicht in Fragen von Forschung, Wissenschaft und Technik abgehängt zu werden. Das hätte erhebliche Verwerfungen für die gesamte Europäische Union zur Folge. Es wird Zeit, dass sich Europa aus der nicht ganz schuldlos mitverursachten Ursache wieder befreit: Forschung, die Arbeitsplätze schaffen soll, kostet zunächst einmal Geld, das sich eventuell erst in vielen Jahren auszahlt. Dieses Risiko darf niemand scheuen. Aber ohne dieses Risiko verspielen wir als rohstoffarmes Land erst recht unseren Wohlstand und unsere Zukunft. Foto: Engelbert Hosner/pixelio