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Dammbruch aus USA?

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K. Rüdiger Durth

Aktuelle Diskussion

Dammbruch aus USA?

Erste Zweifel an Sensation – Dennoch weltweite Ächtung menschlichen Klonens nötig

Es war nur eine Frage der Zeit, wann nach dem Klonschaf Dolly 1997 geklonte humane Zellen als Vorstufe für den ersten geklonten Mensch folgen würde. Auch wenn es bis dahin noch ein weiter Weg ist und der Schwindel des Südkoreaners Huang Woo Suh aus dem Jahr 2004 noch in guter Erinnerung ist, so handelt es sich offensichtlich bei dem ersten gelungenen Klonen menschlicher Zellen durch den russischstämmigen amerikanischen Wissenschaftler Shoukhrat Mitalipov und seinem Team um einen entscheidenden Schritt in diese Richtung.

Freilich sind bereits die ersten Bedenken gegen die Ergebnisse laut geworden, die in der Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurden. Der Münsteraner Zellbiologe Hans Schöler spricht von „Schlamperei“ und sein Bonner Kollege Oliver Brüstle findet: „So etwas darf grundsätzlich nicht passieren.“ Offensichtlich wurden Fotos vertauscht. Mitalipov, der als seriöser Wissenschaftler gilt, hat Fehler eingeräumt, doch hält er an dem grundlegenden Ergebnis fest. Nach den bisherigen Ermittlungen herrschte zwischen Abgabe und Annahme des Manuskripts ein großer Druck. Warum aber dieser Druck? Offensichtlich, weil auch in der Grundlagenforschung ein großer internationaler Wettbewerb herrscht. Jeder will der erste Wissenschaftler sein, der den Durchbruch für sich beansprucht. Denn das verheißt Anerkennung, wissenschaftliche Preise, vielleicht sogar der Nobelpreis. Aber der Forschung ist damit nicht gedient. Bleibt abzuwarten, was aus dieser neuen Sensation auf dem Gebiet des Klonens letztlich wird. Wieder wird gebetsmühlenartig darauf hingewiesen, dass der Mensch nicht alles darf, was er kann. Aber die Erfahrung zeigt, dass er sehr wohl auch alles macht, was er kann. Siehe die Atombombe. Deshalb ist es richtig, dass nicht nur die Kirchen, sondern auch zunehmend Wissenschaftler der unterschiedlichsten Disziplinen eine weltweite Ächtung des reproduktiven Klonens fordern. Denn der Mensch aus der Retorte darf nicht Wirklichkeit werden. Für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, löst die amerikanische Forschung „tiefe Besorgnis“ aus und macht auf „gefährliche und schädliche Nebenwirkungen“ aufmerksam. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, setzt sich für eine weltweite Ächtung des reproduktiven Klonens ein: „Die Würde des Menschen von Anfang an ist Maßstab und Grenze für alles menschliche Handeln – auch für die Wissenschaft und Forschung.“ Nun ging es den amerikanischen Forschern gar nicht um das Klonen eines Menschen, sondern um das Gewinnen von embryonalen Stammzellen, die vom eigenen Körper stammen und somit nicht vom Körper abgestoßen werden. In Deutschland sind nach dem Embryonenschutzgesetz solche Versuche verboten, weil Leben nach der Vereinigung von Ei- und Samenzelle beginnt. Doch bereits hier beginnt der Streit um die amerikanische „Sensation“: Eine derartige Vereinigung habe gar nicht stattgefunden, wird argumentiert, weil der Zellkern der Eizelle mit dem Zellkern einer adulten (erwachsenen) Zelle getauscht worden sei. Der so entstandene Embryo werde in Petrischalen so lange am Leben erhalten, bis etwa 150 Zellen entstanden seien, die man dann für den Aufbau „geklonter“ Gewebe zur Behandlung etwa von Parkinson, Krebs, Herz-Kreislaufkrankheiten dringend benötigt. Man denke nur an den Mangel an Spenderorganen in Deutschland. Ganz abgesehen, dass es noch ein weiter Weg bis dahin ist: Das Klonen humaner embryonaler Zellen ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einem geklonten Menschen. Und es gehört nicht viel Phantasie dazu, dass der eine oder andere Wissenschaftler im Geheimen an diesem Ziel arbeitet. Wie fragwürdig dieser Rum auch dann sein mag. Auf jeden Fall ist es wichtig, dass es den geklonten Menschen nicht geben darf. Aber auch auf dem Weg zu reproduktiven humanen Zellen gibt es Stolpersteine, die nicht einfach aus dem Weg geräumt werden dürfen. Um humane reproduktive Zellen nach Mitaligov herzustellen, bedarf es der Eizellspenden. Um diese zu erreichen, sind hormonelle Behandlungen notwendig, die erhebliche Nebenwirkungen haben können. Und können dann nicht Frauen aus armen sozialen Schichten für ein Entgelt zur einer Eizellspende gebracht werden, wie immer wieder (nur in) der Dritten Welt Menschen illegal wertvolle Spenderorgane entnommen werden? Und wird auf diesem Weg ein menschliches Ersatzteillager aufgebaut, das der Würde von der Einzigartigkeit jedes menschlichen Lebens diametral widerspricht? Fragen über Fragen wirft die Sensation aus dem amerikanischen Oregon auf, bei der es auf den ersten Blick „nur“ um das Forschungsklonen geht. Aber man weiß ja, wie brüchig ein solches nur sein kann. Zum Glück ist in Deutschland nach dem Embryonenschutzgesetz das Forschungsklonen mit menschlichen Zellen verboten. Extrakorporal erzeugte Embryonen dürfen nur zu Zwecken verwandt werden, die seiner Erhaltung dienen. Nach § 8 des Embryonenschutzgesetzes geht es dabei um die „bereits befruchtete, entwicklungsfähige menschliche Eizelle“. Doch durch die somatische Zellkern-Transformation (SCNT) – Entfernen des Zellkerns aus der Eizelle und Einsetzen eines Zellkerns aus einer adulten menschlichen Zelle – findet im klassischen Sinn keine Befruchtung statt. Hier fordert die Konrad-Adenauer-Stiftung in einer ersten ausführlichen Stellungnahme zu der Forschung aus Oregon – sofern die Ergebnisse tatsächlich stimmen – eine schnelle Klarstellung, um das Klonen menschlicher Zellen nicht gewissermaßen durch die Hintertür ermöglicht wird. Kurzum: Das Klonen menschlicher Zellen muss verboten bleiben und weltweit geächtet werden. Denn schon die notwendigen Eizellenspenden sind ethisch nicht zu akzeptieren. Und mit dem fremden Zellkern werden auch die möglichen erblichen Krankheiten übertragen. Außerdem muss alles getan werden, um keine Wege für den geklonten Menschen zu ebnen. Die Stammzellforschung bietet genügend spannende wissenschaftliche Felder, die dem Menschen und seiner Gesundheit dienen. Sie braucht auch die geklonten humanen Zellen überhaupt nicht. Foto: Gerd Altmann/pixelio.de