Wird das Wissen knapp?
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Mit dem Zurückgehen der weltweiten Energieproduktion wird auch weniger Wissen produziert werden können
Wird das Wissen knapp?
Diese Entwicklung hat weitreichende Konsequenzen für unser Leben. Sie sendet schon jetzt Schockwellen durch den Finanzmarkt. Denn sie bedeutet, dass ein Wirtschaftswachstum so gut wie nicht mehr möglich ist. Dies ist eigentlich schon länger bekannt; James K. Galbraith hatte 2012 noch einmal darauf hingewiesen. Weniger bekannt allerdings ist, dass unsere Wissensgesellschaft durch diese Entwicklungen ebenfalls bedroht ist. Gemeinhin wird angenommen, dass man den Risiken von Peak Oil und anderen Knappheiten durch vermehrte Innovation begegnen kann. Dies ist meines Erachtens allerdings reines Wunschdenken. Wir sollten uns darauf einstellen, dass sich unsere Wissenskultur dramatisch verändern wird.
Energie und Gesellschaft
Energie aus fossilen Trägern hat eine beispiellose Veränderung der Gesellschaft bewirkt. War vor hundert Jahren noch jeder zweite in der Landwirtschaft tätig, so sind es heute keine zwei Prozent mehr. War der Anteil der Studenten an der Bevölkerung gerade mal ein Promille, so sind es heute 2,5 Prozent. Diese Entwicklung ist nicht einfach nur der wachsenden Investition in Bildung geschuldet; letztere wurde nämlich erst dadurch ermöglicht, dass Landmaschinen die Arbeitskraft der Menschen ersetzen konnten. Diese wurden gewissermaßen für andere Tätigkeiten freigesetzt. Ein Ergebnis dieser Freisetzung, aber natürlich nicht das einzige, ist der wachsende Bildungssektor.
Hochtechnologie
Wenden wir den Blick zunächst auf die Hochtechnologie, etwa Hochenergiephysik oder Raumfahrt. Diese sind immens teuer. Ein Beschleuniger kostet nicht nur viel Energie, sondern außer den beteiligten Forschern auch noch ganze Stäbe von Technikern und anderen, die die Maschinen betreuen. Nicht, dass das Geld nicht da ist; die Frage ist vielmehr, ob es für diese Art Forschung in Zukunft zur Verfügung gestellt werden wird. Denn dazu muss auch klar sein, welchen Nutzen die Gesellschaft – oder wenigstens die Wirtschaft – davon hat.
Hochschulen
Forschung, Bildung, Innovation – all dies geht im Grunde nicht ohne Hochschulen. Sie bilden Lehrer aus und sie sind maßgeblich dafür verantwortlich, die zukünftigen Forscher und Intellektuellen heranzuziehen. Angesichts eines großen Bedarfs an hochspezialisierten Fachkräften nicht nur in der Technik ist dies eine große Aufgabe. Dementsprechend lassen sich viele Länder ihre Hochschulen einiges kosten. Daneben gibt es auch noch Akademien und weitere Forschungseinrichtungen mit mehr oder weniger spezialisiertem Auftrag.
Wissensinfrastruktur
Mit der Einführung des Computers wurde die Geschwindigkeit der Datenverarbeitung erhöht. Diese Entwicklung hält immer noch an. Man schätzt, dass heutige Algorithmen etwa eine Million mal schneller rechnen als in den 70er-Jahren; dabei geht die Beschleunigung zu gleichen Teilen auf das Konto der Hardware (Faktor Tausend) und der Algorithmen (ebenfalls Faktor Tausend). Das Internet schließlich hat auch die Möglichkeit geschaffen, auf Information praktisch sofort zuzugreifen, egal wo auf der Erde sie gespeichert ist. Der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung sind die Suchmaschinen, die uns sogar die Arbeit abnehmen, das Wissen zu archivieren: Es genügt, es auf einen Server zu laden, den Rest erledigen die Webcrawler und Suchprogramme. Das alles hat zu einer gewissen Lässigkeit im Umgang mit Daten und Wissen geführt. Bibliotheken halten kaum noch Zeitschriften in Papierform vorrätig, sondern kaufen lieber elektronische Abonnements. Manche Zeitschriften werden ohnehin gar nicht mehr gedruckt, sondern liegen nur noch online vor. Das alles mag verständlich sein, denn es hat auch Vorteile.
Ausblick
Die drohende Energieknappheit ist, anders als die Geldknappheit, nicht durch Strukturreformen aus der Welt zu bekommen. Wir haben nicht die Wahl, ob wir sparen, sondern nur, wie wir sparen. Das gleiche gilt auch für Bildung und Wissen. Die stete Anhäufung von Wissen, die Expansion von Bildungsstätten und Forschungszentren ist unwiederbringlich vorbei. Wir sind aber nicht gezwungen, das untätig hinzunehmen. Wenn wir schon nicht mehr jeder Wissenschaft Wachstum versprechen können, so sollten wir dringend beginnen, uns zu fragen, welche von ihnen uns wirklich wichtig ist. Foto: jutta wieland/pixelio
Den gesamten Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von WISSENSCHAFTSMANAGEMENT.



















