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Wandel der Arbeitswelt

news

Moritz Richter, Katharina Schäfer, Axel Zweck, Verena Nitsch, Christopher Brandl

Governance & Management

Wandel der Arbeitswelt

Der Einfluss der Corona-Pandemie auf Plattformarbeit und Start-ups

Die Corona-Pandemie hat Einfluss auf fast alle Bereiche des Lebens, so auch auf den der Arbeit. Doch in der Arbeitswelt hat sich mit dem Modell der Plattformarbeit auch schon vor der Pandemie ein Wandel, hin zu mehr digitalen Strukturen und weg von klassischen Angestelltenverhältnissen angekündigt. Wie sieht dieser Wandel aus, welche Probleme hängen damit zusammen und wie ist auch die Plattformarbeit durch die Auswirkungen der Pandemie beeinflusst? Diese Fragen werden entlang von Plattformen im Start-up-Bereich diskutiert. Die Untersuchung brachte hervor, dass der Wandel auf der einen Seite große Vorteile mit sich bringt, die Arbeitswelt aber auf der anderen Seite vor neue Herausforderungen stellt, denen mit entsprechenden Maßnahmen begegnet werden muss.

Wissenschaftsmanagement - Entscheiden.Führen.Gestalten

Der Trend der Digitalisierung ist kein Novum und erstreckt sich bereits seit einiger Zeit über diverse gesellschaftliche Sphären – seien es soziale Netzwerke (zum Beispiel Facebook, TikTok & Co.), Märkte (Amazon, Instagram, eBay et cetera) oder politische Diskurse (insbesondere bei Twitter zum Beispiel im Rahmen der US-Wahlen).

Auch die Arbeitswelt als solche bleibt von der Digitalisierung nicht unberührt. Ein Phänomen sticht in diesem Kontext ganz besonders hervor: Die Plattformarbeit. Dabei handelt es sich um einen Sammelbegriff verschiedener Arbeitsformen, die die Eigenschaft teilen, dass die Arbeit von lokalen Gegebenheiten zunehmend unabhängig wird und die zeitlichen Strukturen vom klassischen Nine-to-five Modell entkoppelt werden (vergleiche Schäfer et al. 2021, 65). Beispiele für digitale Plattformen sind neben den bereits genannten auch Unternehmen wie Airbnb, Uber und Lieferando und unzählige Start-ups. Wie viele Bereiche des Lebens war und ist auch die Plattformökonomie stark von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen.

Im Rahmen des Projektes INDIZ (Innovationen digitaler Plattformsysteme für die arbeitswissenschaftliche, ethische, rechtliche und soziale Zukunftsgestaltung, Förderkennzeichen: 16ITA206) der RWTH Aachen University, wurden die gesellschaftlichen Implikationen digitaler Plattformen für Arbeit im Allgemeinen und spezifisch für das Arbeiten im Kontext digitaler Plattformen im Start-up-Bereich erforscht. Ein Fokus war dabei die Corona- Pandemie und ihre konkreten Auswirkungen auf die plattformbasierte Arbeit. Durch die Einbeziehung von ethischen, rechtlichen, sozialen und ergonomischen Faktoren wurde sichergestellt, dass potenzielle Risiken nicht aus einer starren Perspektive, sondern stets aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden konnten. Dies soll die Entdeckung möglichst vieler unterschiedlicher potenzieller Auswirkungen ermöglichen (vergleiche Brandl et al. 2020, 669 f.).

Die Grundlage dieses Artikels bilden sechs qualitative Interviews mit insgesamt acht Befragten, die im Zeitraum August bis Oktober 2020 geführt wurden. Darunter waren zwei Nutzer:innen, die als Außenstehende über das Phänomen Plattformarbeit sprachen, zwei Expert:innen, die über eine große Expertise im Feld der Plattformarbeit verfügen und zwei Menschen, die sich in einem Plattformarbeitsverhältnis befinden und damit als dort arbeitende Personen klassifiziert werden können. Abschließend wurden zwei Plattformbetreibende befragt. Die Interviews hatten das konkrete Ziel, die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Plattformarbeitsverhältnisse im Start-up- Bereich zu identifizieren.

Ergebnisdarstellung

In diesem Kapitel werden die Ergebnisse der geführten Interviews dargestellt. Konkret werden die größten Herausforderungen der Corona-Pandemie, die die Interviewten genannt haben, erläutert. Exemplarisch befasst sich dieses Kapitel mit den drei wichtigsten Kernthemen, die sich auf Grundlage der Forschungsfragen ergeben haben: 1. der Finanzierung von Plattformen, 2. Vorbehalten gegenüber der ökonomischen Sicherheit in Plattformarbeitsverhältnissen und 3. Konsequenzen für körperliche und geistige Gesundheit.

Maßnahmen

Auf Basis der Ergebnisse der Untersuchung wurden im Anschluss exemplarische Maßnahmen entwickelt, wie mit den Problemen, die die Pandemie für Plattformarbeit verursacht hat, umgegangen werden kann. Diese wurden in einem Katalog zusammengestellt (Brandl et al. 2021) und nun exemplarisch präsentiert. Ziel war es dabei, zum einen den Ansprüchen der Betreiber:innen und denen der Beschäftigten von Plattformen gerecht zu werden. Ohne dabei die ethischen, rechtlichen und sozialen Implikationen aus den Augen zu verlieren, soll so beiden Seiten ein sicheres, gesundes und befriedigendes Arbeitsverhältnis ermöglicht werden. Zum anderen sollen damit potenzielle Maßnahmen vorgestellt werden, die auch in anderen Arbeits- und Wissensbereichen, beispielsweise im zunehmend digitalisierten Handwerk und in Universitäten zum Einsatz kommen können. Die Berücksichtigung ethischer, rechtlicher, sozialer und ergonomischer Aspekte und Implikationen im Zuge der Digitalisierung, sowie der Hemmnisse, resultierend aus der Corona- Pandemie, ist überaus wichtig.

Die Zukunft der Plattformarbeit

Abschließend stellt sich die Frage, wie sich die weitere Entwicklung von digitalen Plattformen, insbesondere von Start-ups, gestalten wird. Fest steht, dass sie sich im Markt etabliert haben und in vielen Teilen nicht mehr wegzudenken sind. Offen ist, wie die Bewegungen, die die Corona-Pandemie angestoßen hat, sich in Zukunft fortsetzen werden und ob es denkbar ist, dass Unternehmen, die ihren Betrieb durch die neuen Entwicklungen ins Digitale verlagert haben, dies nach der Pandemie wieder rücktransformieren werden. Die Untersuchungsergebnisse des Projektes ergaben zu dieser Frage, dass eine Wiederkehr zu analogen Strukturen in den meisten Bereichen als höchst unwahrscheinlich einzuschätzen ist. In Bereichen wie beispielsweise dem Einzelhandel wurde eine Entwicklung vorangetrieben, die sowohl die Art zu Arbeiten als auch die Art einzukaufen nachhaltig verändert hat (vergleiche Egeln et al. 2020, 27–29), womit weitreichende Konsequenzen verbunden sind…

Fazit

In der Entwicklung der Plattformarbeit sind, wie die Untersuchung gezeigt hat, zwei entgegenlaufende Tendenzen zu beobachten. Erstens wurde festgestellt, dass die Arbeitswelt sich immer mehr ins Digitale verlagert und dass dadurch Effizienzgewinne zu verzeichnen sind, die sowohl im Sinne der Beschäftigten als auch dem der Betreiber:innen sind. Zweitens, dass die Arbeit im Homeoffice auch Nachteile, wie Entgrenzungsphänomene, Qualitätsverlust im Austausch und ergonomische Herausforderungen mit sich bringt und dass der digitale Markt nicht frei von wirtschaftlichen Risiken ist. Die Corona-Pandemie hat die beschriebene Entwicklung entschieden vorangetrieben. Jetzt gilt es, die Maßnahmen zur Bewältigung der Herausforderungen dieses Trends umfassend umzusetzen, um schlussendlich von den Vorteilen, die sich daraus ergeben profitieren zu können.

 

  • Der komplette Artikel ist im ► Onlineshop von Lemmens Medien erhältlich. Den Abonnenten der Zeitschrift Wissenschaftsmanagement steht der gesamte Beitrag in ihren Accounts zum kostenlosen Download zur Verfügung.

 

Moritz Richter, B. A. ist wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Arbeitswissenschaft der RWTH Aachen University.

Katharina Schäfer, M. A. ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeitswissenschaft der RWTH Aachen University.

Prof. Dr. Axel Zweck ist Professor am Institut für Soziologie der RWTH Aachen University und Abteilungsleiter am VDITechnologiezentrum GmbH in Düsseldorf.

Univ. Prof. Dr.-Ing. Verena Nitsch ist Leiterin des Instituts für Arbeitswissenschaft der RWTH Aachen University und Leiterin der Abteilung Produktund Prozessergonomie, Fraunhofer Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE.

Dr.-Ing. Christopher Brandl ist Abteilungsleiter am Institut für Arbeitswissenschaft der RWTH Aachen University und Gruppenleiter am Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE.