Quo Vadis Hochschulgovernance? +++ Wenn KI nicht zählen kann – und was Forschende der Hochschule Hof dagegen tun +++ Mannheim Business School bündelt Forschungskompetenz auf neuer Plattform „Mannheim Insights“
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Quo Vadis Hochschulgovernance? +++ Wenn KI nicht zählen kann – und was Forschende der Hochschule Hof dagegen tun +++ Mannheim Business School bündelt Forschungskompetenz auf neuer Plattform „Mannheim Insights“

30.04.2026
Quo Vadis Hochschulgovernance?
Die Leadership and Governance Academy der Universität Zürich behandelt in der Lecture von Professor Dr. Bernd Kleimann das Thema Hochschulgovernance im Wandel. Über Jahrzehnte prägte das New Public Management (NPM) die Hochschulreform durch Instrumente wie Effizienz, Wettbewerb und Rechenschaftspflicht. Diese Leitideen haben jedoch ihren Zenit überschritten und verlieren an Erklärungskraft. Kleimann plädiert stattdessen für ein neues Governance-Regime: eine wertezentrierte Hochschulgovernance, die als soziales Phänomen und analytischer Zugang verstanden wird.
Werte statt rein operativer Steuerung rücken in den Mittelpunkt. Zu den relevanten Werten gehören Wissenschaftsfreiheit, Exzellenz, Diversität, Nachhaltigkeit, Chancengleichheit, Demokratie und Internationalisierung. Die Hochschulsteuerung wandelt sich grundlegend: Bestehende NPM-Elemente bleiben teilweise erhalten, werden aber transformiert und durch neue Werte ergänzt, wodurch sich ein veränderter „Wertemix“ ergibt.
Die Third Mission der Hochschulen, also ihr Beitrag zu gesellschaftlichen Herausforderungen (Nachhaltigkeit, soziale Innovation, Wissenstransfer), treibt diese Entwicklung voran und erhöht die Erwartung, dass Hochschulen als gesellschaftliche Akteur:innen agieren. Pluralisierung und Verdichtung von Wertediskursen in Lehre, Forschung, Finanzierung und Governance; Werte formen Leitbilder, Governance-Mechanismen, Organisationsstrukturen und Bewertungsmaßstäbe.
Neue Konfliktlagen entstehen, da Werte interpretationsoffen sind und kein klarer Ausgleichsalgorithmus existiert. Spannungen treten zum Beispiel zwischen Exzellenz und Inklusion, Leistungs- und Verteilungsgerechtigkeit oder unterschiedlichen Erfolgsindikatoren wissenschaftlicher Leistung auf. Gesellschaftliche Faktoren wie Wissenschaftsskepsis, Polarisierung und nationale Interessen erhöhen den Druck auf wissenschaftliche Werte.
Professor Kleimann fasst zusammen: Es bedarf eines stärkeren Bewusstseins für die Rolle von Werten in der Hochschulgovernance. Politik und Hochschulleitungen sollten strategisch in heterogenen Diskursarenen positionieren, und die Hochschulforschung kann Governance als Zusammenspiel von Diskursen, Werten, Akteuren und Strukturen analysieren.
04.05.26
Wenn KI nicht zählen kann – und was Forschende der Hochschule Hof dagegen tun
Forscher der Hochschule Hof haben ein Problem smarter KI-Modelle beim Zählen identifiziert: Vision-Language-Modelle erkennen oft, was auf einem Bild zu sehen ist, zählen aber nicht zuverlässig die Objekte, besonders bei mehr als vier oder fünf derselben Art. Der Grund liegt darin, dass menschliches Zählen aktiv erlernt wird, während KI-Modelle oft raten oder auf gelernte Erwartungen zurückgreifen, unterstützt von ungeeigneten Trainingsdaten. Als Lösung entwickelten sie den künstlichen Datensatz SITUATE, der synthetische 3D-Szenen mit klar definierten Eigenschaften erzeugt.
In diesen Szenen befinden sich geometrische Objekte wie Würfel, Kugeln oder Zylinder in eindeutig festgelegten Positionen, wodurch gezielte Fragen zu Farbe, Anzahl oder Ort gestellt werden können. So entsteht ein kontrolliertes Trainingsumfeld, das nicht zufällig ist. Ein besonderer Ansatz ist der Chain-of-Thought-Ansatz: Die KI soll auch ausführlich Schritt für Schritt erklären, was sie sieht und wie sie zählt, wodurch größere Zahlen besser verarbeitet werden. Dennoch neigt die Methode bei kleinen Zahlen dazu, zusätzliche Objekte zu „hinzuzuzählen“, um der eigenen Logik treu zu bleiben. Die Experimente zeigen, dass Modelle, die mit SITUATE trainiert wurden, besser generalisieren, insbesondere in Kombination mit weiteren Datensätzen. Die Trainingsart beeinflusst stark, wie die KI denkt; erstaunlich ist, dass manche Muster menschenähnliche Zählstrategien zeigen, wobei kleine Mengen rasch erfasst werden, größere Mengen strukturierte Strategien erfordern. Gleichzeitig wird deutlich, dass KI oft keine echte Zahlvorstellung entwickelt, sondern visuelle Muster lernt.
Die Forschung betont, dass Fortschritte in KI nicht allein von immer größeren Modellen abhängen, sondern vor allem von besseren Daten und durchdachten Trainingsmethoden. SITUATE demonstriert, dass synthetische Daten wertvoll sein können, um gezielt an den Schwächen der Modelle zu arbeiten. Nach dem erfolgreichen ersten Test entsteht aktuell ein zweiter, deutlich diverserer Datensatz, der differenziertere Zählstrategien ermöglichen soll. Insgesamt liefert die Arbeit einen wichtigen Beitrag zu verlässlicherer KI, die nicht nur Objekte erkennt, sondern auch präzise zählt und interpretiert.
05.05.2026
Mannheim Business School bündelt Forschungskompetenz auf neuer Plattform „Mannheim Insights“
Ziel ist es, wissenschaftliche Exzellenz und internationale Sichtbarkeit sichtbar zu machen, indem zentrale Ergebnisse aus der Betriebswirtschaftslehre kompakt, praxisnah und verständlich aufbereitet werden – stets mit Verweis auf die zugrundeliegende wissenschaftliche Publikation. Damit soll Forschung nicht nur in Fachzeitschriften wirken, sondern auch in gesellschaftliche Debatten, Politik und Wirtschaft hineinragen.
Die Plattform richtet sich an Entscheidungsträger:innen, Medienvertreter:innen und die breite Öffentlichkeit und bietet kurze Analysen, pointierte Expertenbeiträge und Videoinhalte zu Themen wie Künstliche Intelligenz, Datenökonomie, nachhaltiges Wirtschaften, soziale Teilhabe, Regulierung und finanzielle Bildung. Professorin Dr. Alexandra Niessen-Ruenzi betont, dass Forschung nicht Selbstzweck, sondern Beitrag zur Lösung konkreter gesellschaftlicher Herausforderungen sei. Mannheim Insights soll Entscheidungsprozesse beschleunigen, Orientierung bieten und Evidenz in Debatten sowie politische und wirtschaftliche Entscheidungen einbringen.
Quelle: https://www.bwl.uni-mannheim.de/mannheim-insights/



















