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Planet über Profit

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Antonia Spieler

Meinung

Planet über Profit

Klimakrise verträgt keine leeren Versprechungen mehr

In der Arktis sind in diesem Sommer 30 Grad gemessen worden. Trotzdem wird weiterhin über Benzinpreise gestritten. Die Klimakrise ist jetzt und die Politik schläft noch immer. Sie handelt in keinem richtigen Ausmaß und stellt die Wirtschaft weiterhin in den Vordergrund. Mit dem Ziel der Klimaneutralität erst zum Jahr 2045 beweist die Politik erneut, dass sie gegenüber der wichtigsten Krise unserer Zeit und der Zukunft der jungen Generation noch immer nichts als Ignoranz zeigen.

Foto: privat

Um den Klimawandel zu stoppen, muss Deutschland laut wissenschaftlicher Erkenntnis bis 2035 klimaneutral werden. Ein Anfang dafür ist der Ausstieg aus der Stein- und Braunkohleindustrie. Denn die Energiewirtschaft ist der größte Verursacher für den CO2-Ausstoß. Die Energiewende zu vollziehen und auf Wind und Sonne zu setzen, wird aber nicht ausreichen, um Deutschland klimaneutral umzugestalten.

Die Politik muss endlich Geld in die Hand nehmen und in einen Neustart investieren, statt noch immer Subventionen in alte Systeme zu stecken. Ein Beispiel für die Inkonsequenz: Es werden Milliarden als Kompensation für den Kohleausstieg 2038 gezahlt. Und dass obwohl wir für die Einhaltung des 1,5 Grad Ziels bereits 2030 aussteigen müssten. Nach mehreren Berechnungen konnten die meisten deutschen Kohlekraftwerke ihre eigenen Kosten bereits in den letzten Jahren nicht mehr decken. Somit hätte Deutschland ohne die Milliarden bereits viel früher aus der Kohle aussteigen können und müssen. (Quelle z.B.: https://carbontracker.org/) Durch die Entschädigungen können Kraftwerke weiter betrieben werden. Parallel zu dem Beschluss des Kohleausstiegsgesetz im Sommer 2020, ging das Kraftwerk Datteln 4 an das Netz. In Deutschland wird keine Steinkohle mehr abgebaut, die Kohle muss also aus Ländern wie China, Australien oder Russland importiert werden. Das bedeutet: zusätzliche Emissionen, die nicht mitberechnet werden.

Konsequente Forderung: ein Hilfspaket für das Klima
Auf der einen Seite gibt es unzählige neue Innovationen und Technologien, wie zum Beispiel: Maschinen, die das Treibhausgas CO2 aus der Luft saugen, Unternehmen, die CO2 zu einem Rohstoff umwandeln oder die Nutzung von Wellen im Meer zur Energieerzeugung. Das allein wird aber nicht helfen, um den Klimawandel zu stoppen. Denn auf der anderen Seite muss zusätzliches Geld auch in die Aufrüstung der bestehenden CO2-sparenden Technologien fließen, wie in die Effizienzsteigerung von Windrädern, Solaranlagen oder Wasserstoff. Es gibt zur Optimierung von Windrädern beispielsweise schwimmende Windkraft auf dem Meer.

Ohne Entnahme und Speicherung von CO2 und die damit verbundenen Investition in neue Technologien werden die Klimaziele nicht erreicht. Trotzdem darf diese Maßnahme nicht als Ausrede gelten, denn der wichtigste Beitrag bleibt das Erreichen des 1,5 Grad Ziels durch Einsparung von CO2. 

Es muss weiter an neuen langfristigen Lösungen geforscht werden: Statt gar nicht mehr zu fliegen, könnte auf Flugzeuge mit Wasserstoff gesetzt werden. Statt nie wieder Auto zu fahren, könnte weiteres Geld und Prämien in den Verkauf von Solarautos gesteckt werden. Und zusätzlich ein frühzeitiges Verbot für die Produktion von Verbrennern ausgesprochen werden.

Auch wenn Deutschland es schafft, auf erneuerbare Energien zu setzen und in Innovationen zu investieren, um Klimaneutralität zu erreichen, so ist die wichtigste Vorrausetzung das Zusammenspiel aller Bürgern und Bürgerinnen. Deutschland hat, mit fast 10 Tonnen pro Jahr, höhere Pro-Kopf CO2-Emissionen als China, obwohl dort weltweit die meisten Emissionen entstehen.

Bisherige Maßnahmen der Politik reichen nicht aus
Eine umfassende Bepreisung von CO2 ist sinnvoll, eine Maßnahme die allerdings nur funktionieren kann, wenn es gute CO2-sparende Alternativen gibt. Dieser Preis könnte als Anreiz in Form von Steuersenkungen oder Rückzahlungen zurück zu den Bürgern und Bürgerinnen fließen. Klimaschutz muss auch immer sozial gerecht erfolgen.

Zunächst müssen die Menschen anfangen, den Klimawandel und die Auswirkungen ihres Handels auf ihn zu verstehen. Dazu braucht es Aufklärung. Laut Schätzungen des Projekts ‚European Perceptions of Climate Change‘ glauben 16 Prozent der Deutschen nicht, dass der Klimawandel menschengemacht ist. In Sachsen-Anhalt hat Anfang Juni 2021 ein Viertel der Bevölkerung eine Partei gewählt, die noch immer den durch Menschen verursachten Klimawandel leugnet. Die Einwohner:innen Deutschlands können den Klimawandel beeinflussen. Sie wählen eine Regierung, die etwas für den Klimaschutz tun kann oder eben nicht.

Macht der Konsumenten:innen
Hinzu kommt: Eine Gesellschaft aus Konsument:innen stellen eine Kraft dar, die zusammen die Industrie zur Veränderung hin zu Nachhaltigkeits-Konzepten bewegen kann. Wenn 83 Millionen Bürger:innen mehrheitlich aufhören, jeden Tag 300 Gramm Fleisch für 99 Cent zu kaufen, dann ist das ein Signal an die Wirtschaft und spart im besten Fall die klimaschädlichen Treibhausgase der Landwirtschaft ein. Ohne eine Verhaltensänderung der Bürger:innen geht es also auch nicht. Hierbei kann jedoch nicht verlangt werden, dass sie ihr komplettes Leben umstellen, wenn es für sie selbst erhebliche Nachteile bringt.

Einem Einwohner aus Berlin Mitte zu erklären, dass er ab jetzt die Bahn nutzen soll statt seines Autos, da der Verkehrssektor ein großer Verursacher von Treibhausgasemissionen ist, funktioniert vielleicht, wenn Anreize geschaffen werden und der öffentlichen Personennahverkehr kostenlos oder zumindest preislich attraktiv genutzt werden kann.

Einer Einwohnerin Sachsens, die in einem kleinen Dorf wohnt, zu vermitteln, sie solle ihr Auto stehen lassen und zwei Wochen auf den nächsten Bus warten, wird sicher nicht funktionieren. Dann muss die Politik anfangen, zu handeln, nicht allein mit Verboten und CO2-Steuer aktiv werden, sondern den gleichzeitigen Ausbau der Infrastruktur betreiben. Hierbei hilft es auch nicht, Andreas Scheuer, Bundesverkehrsminister (CDU), einmal im Jahr vor einem neuen ICE zwischen Hamburg und Berlin zu fotografieren und dann von Verkehrswende zu sprechen.

Die Bürger:innen alleine können den Wandel nicht schaffen. Politische Maßnahmen müssen durchgreifende Veränderungen ermöglichen. Trotzdem können sie sich nicht darauf ausruhen, die Schuld allein der Politik zu geben. Diese muss und darf weiterhin kritisiert werden, gleichzeitig muss der eigene Konsum und das Verhalten der Bürger:innen sich endlich ändern.

Um den Klimawandel zu stoppen, muss Deutschland laut wissenschaftlicher Erkenntnis bis 2035 klimaneutral werden. Die Politik lässt sich aber noch dafür feiern, weil das Land statt 2050 nun bereits im Jahre 2045 klimaneutral werden soll. Das passt nicht zusammen.
 

Antonia Spieler ist Praktikantin in der Redaktion Wissenschaftsmanagement. Sie studiert Journalismus an der Hochschule Magdeburg.