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"Medizinische Forschung: Mehr Wert, weniger Verschwendung – Was können wir tun?" und "Wichtiger Erfolg in der Stammzellforschung"

news

Ralf Bohlsen

Neues aus der Forschung

"Medizinische Forschung: Mehr Wert, weniger Verschwendung – Was können wir tun?" und "Wichtiger Erfolg in der Stammzellforschung"

25.09.2015 - 26.09.2015

In dieser Rubrik fassen wir in loser Folge interessante Pressemeldungen aus der Forschung und Wissenschaftseinrichtungen zusammen. Ebenso berücksichtigen wir ausgewählte Veranstaltungshinweise. Wir verlinken für Sie die jeweilige Meldung. Ihre Redaktion.

Bild: Gerd Altmann/pixelio www.pixelio.de

Medizinische Forschung: Mehr Wert, weniger Verschwendung – Was können wir tun?
Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. (TMF)

Anlässlich ihres gemeinsamen Symposiums, das am 24.09.2015 in Berlin stattgefunden hat, haben Cochrane Deutschland und die TMF Thesen und Handlungsempfehlungen zum Abbau von Ineffizienz in der medizinischen Forschung formuliert. Beide Organisationen werden die bevorstehende REWARD-Kampagne unterstützen, die im Januar 2014 durch einen Sonderband der Zeitschrift Lancet initiiert wurde. Sie rufen den deutschen Wissenschaftsbetrieb auf, sich dieser Entwicklung aktiv anzuschließen.
Handlungsempfehlungen und Aufruf zur Selbstverpflichtung im Wortlaut:

MEDIZINISCHE FORSCHUNG: MEHR WERT, WENIGER VERSCHWENDUNG – WAS IST ZU TUN?
Gemeinsames Symposium von Cochrane Deutschland und TMF am 24.09.2015 – Thesen und Handlungsempfehlungen zum Abbau von Ineffizienz

Die Verwendung öffentlicher Gelder für die Förderung medizinischer Forschungsprojekte gebietet einen effizienten und nachhaltigen Mitteleinsatz. Oftmals führt jedoch die Vernachlässigung von Nachhaltigkeitsaspekten, verbunden mit der Intransparenz des jeweils aktuellen Wissensstands und der Nichtreproduzierbarkeit von Forschungsergebnissen, zum Verlust wertvoller Fördermittel. Die Bürger in unserem Land betrifft dieser Missstand in mehrfacher Hinsicht - als Steuerzahler, die für Ineffizienzen in der öffentlich geförderten Forschung aufkommen, als Patienten, denen innovative Therapien vorenthalten werden, und als Gesunde, die auf optimale Vorsorge verzichten müssen.

Im Rahmen eines gemeinsamen Symposiums haben Cochrane Deutschland und die TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung – mit Forschern, Patienten, Ethikern und Vertretern von Fachverlagen und Infrastruktureinrichtungen diskutiert, wie der Mehrwert von Forschungsmitteln in der Medizin gesteigert und Verschwendung durch Ineffizienz vermieden werden können. TMF und Cochrane Deutschland haben in diesem Zusammenhang folgende Handlungsempfehlungen formuliert.

1. Effizienterer Fördermitteleinsatz bedarf eines besseren Überblicks.
- Register für Forschungsprojekte müssen neu aufgebaut bzw. existierende derartige Register finanziell abgesichert werden.
- Die Registrierung neuer Forschungsprojekte, insbesondere klinischer Studien, muss in Förderausschreibungen verpflichtend vorgeschrieben werden.
- Projektanträge müssen durch aktuelle systematische Reviews (z.B. der Cochrane Collaboration) ihre Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit nachweisen.

2. Ethische, rechtliche und methodische Aspekte verlangen eine stärkere Berücksichtigung in der biomedizinischen Forschung.
- Das Vorhandensein ethischer, juristischer und methodischer Expertise (z.B. hinsichtlich Datenschutz und Biometrie) muss zu einer Fördervoraussetzung werden, die entweder von den Projektpartnern selbst nachzuweisen oder durch Mitgliedschaft in einer geeigneten Querschnittseinrichtung (wie z.B. der TMF) sicherzustellen ist.

3. Die dauerhafte Nutzbarkeit von Forschungsinfrastrukturen wie Daten- und Probenbanken muss abgesichert werden.
- Querschnittseinrichtungen, die aus einer Projektförderung hervorgehen sollen, werden derzeit dazu verpflichtet, bei Antragstellung Konzepte für ihre eigene Nachnutzung und Nachhaltigkeit vorzulegen. Die Bereitstellung der hierfür notwendigen finanziellen Mittel muss jedoch konstitutioneller Bestandteil öffentlicher Forschungsförderung werden.
- Eine Zusammenarbeit mit solchen Querschnittseinrichtungen sowie die Einbindung vorhandener Expertise zu Nachnutzung und Nachhaltigkeit müssen Fördervoraussetzungen werden.

4. Projekt- und disziplinübergreifende Standards müssen von der Wissenschafts-Community selbst definiert werden.
- Das Verfolgen von Top-Down-Ansätzen bei der Definition methodischer und struktureller Standards gefährdet deren Akzeptanz. Daher muss die Mitwirkung an der Selbstorganisation der Forschung (z.B. in der TMF) und der Entwicklung generischer Problemlösungen von Forschungsförderern eingefordert und finanziell unterstützt werden.

5. Studienergebnisse müssen transparent und validierbar sein.
- Alle Ergebnisse öffentlich geförderter Forschung – einschließlich Forschungsprotokollen, Analyseplänen und Rohdaten – müssen vollständig veröffentlicht werden.

6. Die Priorisierung medizinischer Forschung muss die Bedürfnisse von Patienten berücksichtigen.
- Patientenvertreter sind an maßgeblichen strategischen und operationalen Entscheidungen über Fördermaßnahmen zu beteiligen.
- Für den Austausch zwischen Patienten und Wissenschaft müssen geeignete Foren gefunden bzw. geschaffen, finanziell abgesichert und institutionalisiert werden.
- Die Politik muss durch das Bereitstellen öffentlicher Mittel darauf hinwirken, dass der Patientendialog nicht allein einer Förderung aus der industriellen Forschung überlassen bleibt.

7. Alle Interessengruppen müssen am Diskurs zur Forschungseffizienz partizipieren.
- Faktoren, die in Deutschland Ineffizienz in der medizinischen Forschung begünstigen, sowie das eigentliche Ausmaß dieser Ineffizienz müssen durch systematische empirische Forschung (Research on Research) aufgedeckt und untersucht werden. Besonderes Augenmerk ist dabei auf Fehlanreize im Wissenschaftssystem zu legen.
- Verbesserungsansätze müssen von allen Interessengruppen (d.h. Forschern, Förderern, Ethikern, Klinikern, Ärzten, Patienten, Juristen, Politikern, Fachverlagen und Industrie) gemeinsam diskutiert und entwickelt werden. Die Politik sollte diesen Prozess anstoßen und vorantreiben.

Aufruf zur Selbstverpflichtung
TMF und Cochrane Deutschland unterstützen die bevorstehende REWARD-Kampagne, die im Januar 2014 durch einen Sonderband der Zeitschrift Lancet (http://www.thelancet.com/series/research) initiiert wurde, und rufen den deutschen Wissenschaftsbetrieb auf, sich dieser Entwicklung aktiv anzuschließen.

TMF und Cochrane Deutschland unterzeichnen im Rahmen der REWARD/EQUATOR-Konferenz (28.-30. September 2015, Edinburgh, http://researchwaste.net) folgendes Statement:

„We recognise that, while we strive for excellence in biomedical research, there is much that needs to be done to reduce waste and increase the value of our contributions. We maximise our research potential when we set the right research priorities; when we use robust research design, conduct and analysis; when regulation and management are proportionate to risks; when all information on research methods and findings are accessible; and when reports of research are complete and usable. We believe we have a responsibility not just to seek to advance knowledge, but also to advance the practice of research itself. This will contribute to improvement in the health of all peoples, everywhere. As funders, regulators, commercial organisations, publishers, editors, researchers, research users and others - we commit to playing our part in increasing value and reducing waste in biomedical research.“

http://www.tmf-ev.de/

 

Wichtiger Erfolg in der Stammzellforschung
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Einem internationalen Team unter Leitung der Universität Bonn ist ein schwieriger Schritt in der Stammzellforschung geglückt: Die Wissenschaftler haben Bindegewebszellen der Maus in Stammzellen der Plazenta umgewandelt. Sie wollen nun mit ihrer Methode auch menschliche Plazentazellen züchten. Sie hoffen, so Störungen der Plazenta-Bildung besser erforschen zu können. Diese sind ein wichtiger Grund für ungewollte Kinderlosigkeit. Die Arbeit wird in dem renommierten Fachjournal „Cell Stem Cell“ veröffentlicht.
Nach ihrer Befruchtung beginnt die Eizelle sich zu teilen. Dabei bilden sich schon nach wenigen Tagen zwei völlig unterschiedliche Gewebetypen: der Trophoblast, aus dem später die Plazenta hervorgeht, und der Embryoblast, das werdende Kind. Strenge Kontrollmechanismen verhindern, dass sich Trophoblasten-Zellen in Embryonal-Zellen verwandeln – oder auch umgekehrt. Denn das wäre für die Entwicklung des Kindes verheerend.

Diese strikte Trennung zu überwinden, gilt Stammzellforschern als besonders harte Nuss. Die Forscher aus Bonn, Cambridge und San Sebastian haben sie nun geknackt: Sie gaben zu Bindegewebszellen aus Mäusen einen Cocktail von vier verschiedenen Transkriptionsfaktoren. Transkriptionsfaktoren steuern die Aktivität bestimmter Gene und damit auch die Eigenschaften einer Zelle. Als Reaktion verwandelten sich die Bindegewebs-Zellen innerhalb weniger Tage in plazentale Stammzellen. Dadurch konnten die Forscher Plazenta-Gewebe im Labor züchten.

Hoffnung für Frauen mit Schwangerschaftskomplikationen?
Professor Dr. Hubert Schorle vom Institut für Pathologie der Universität Bonn hofft nun, diese Ergebnisse auch auf menschliche Zellen übertragen zu können. „Bislang ist es nicht möglich, humane Plazenta-Stammzellen in Kultur zu nehmen“, sagt er. „Das ist aber die Voraussetzung dafür, Entwicklungsstörungen der Plazenta besser zu erforschen“, ergänzt Caroline Kubaczka, die Erstautorin der Arbeit. Mit der an der Maus getesteten Methode sollte es im Prinzip möglich sein, Hautzellen des Menschen in teilungsfähige Plazenta-Stammzellen umzuwandeln. Langfristig könnte man so Ursachen für genetisch bedingte Komplikationen während der Schwangerschaft untersuchen. Das würde den Weg ebnen, um etwa neue Therapien gegen Störungen der Plazenta zu entwickeln.

Die Ergebnisse dieser Studie fließen in eine Stammzell-Datenbank am Harvard Stem Cell Institute ein. Dort werden systematisch Experimente erfasst, in denen es um die Reprogrammierung von Zellen geht. Die Datenbank bildet somit die Grundlage eines „biologischen Navigationssystems“: Mithilfe der dort gesammelten Erkenntnisse werde man in Zukunft in der Lage sein, alle Zelltypen im Organismus gezielt in einen beliebigen anderen Zelltypus umwandeln zu können, hofft Schorle. „Mit Arbeiten wie unserer werden somit die Grundlagen für Therapien der regenerativen Medizin von morgen gelegt.“

http://www3.uni-bonn.de/Pressemitteilungen/197-2015

 

 

Bild: Gerd Altmann/pixelio www.pixelio.de