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International Studierende in Deutschland

news

Rocio Ramirez und Arne Böker

Studienvorbereitung und Studienerfolg

International Studierende in Deutschland

Stand der Forschung und aktuelle Entwicklungen

Die Anzahl internationaler Studierender an deutschen Hochschulen hat im Laufe der Jahre stetig zugenommen, aber rund 40 Prozent verlässt die Hochschule ohne Abschluss. Ein wichtiger Grund sind mangelnde Sprachkenntnisse, obwohl sie formal für die Einschreibung durch Sprachkurse und -zertifikate nachgewiesen werden müssen. Dies wirft die Frage auf, welche Rolle die Studienvorbereitung und die unterschiedlichen Zugangswege von internationalen Studierenden ins Studium spielen. Die bisherige Datenlage und Entwicklungen im Bereich der Studienvorbereitung liefern dazu keine eindeutige Antwort, aber Tendenzen, an denen sich Forschung, Politik und Praxis orientieren können.

Rocio Ramirez (Foto: privat) und Dr. Arne Böker (Foto: Isa Lange)

Im Wintersemester 2021/2022 waren rund 440.500 internationale Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Ihr Anteil an der Studierendenschaft betrug 18 Prozent (Destatis 2022). Laut Schätzungen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) bricht rund die Hälfte der internationalen Bachelorstudierenden, die ihre Hochschulzugangsberechtigung (HZB) im Ausland erworben hat, das Studium ab. Die Studienabbruchquote dieser Gruppe ist höher als die der internationalen Masterstudierenden (34 Prozent) und die der deutschen Bachelorstudierenden (31 Prozent) (Heublein/Hutzsch/Schmelzer 2022). Die Studienabbruchquoten des DZHW beruhen auf Schätzungen, da sich Studiengangsund Hochschulwechsel nicht präzise bestimmen lassen. Es wird angenommen, dass die Studienabbruchquoten tendenziell eher überschätzt werden. Nichtsdestotrotz dienen sie als wichtige Orientierungshilfe für Forschung, Politik und Praxis.

Allgemeine und spezifische Faktoren des Studienerfolgs und Studienabbruchs

Aktuelle Untersuchungen zu Studienerfolg und Studienabbruch identifizieren individuelle und institutionelle Einflussfaktoren, die sowohl deutsche als auch internationale Studierende betreffen . Gute bis überdurchschnittliche Schul- sowie Studienleistungen, eine starke intrinsische Motivation für das gewählte Studienfach, der Bildungsweg über das Gymnasium und eine hohe sozioökonomische Ausstattung der Herkunftsfamilie erweisen sich als starke Einflussfaktoren für den Studienerfolg. Unterdurchschnittliche Abiturnoten, schlechte Studienleistungen, ein niedriger Bildungshintergrund oder niedrige -aspirationen der Herkunftsfamilie, soziodemografische Merkmale wie der Migrationshintergrund, Finanzierungsprobleme und studienfremde Erwerbstätigkeit erhöhen das Studienabbruchrisiko (Isleib/Woisch/Heublein 2019; Neugebauer/Heublein/Daniel 2019).

Bei internationalen Studierenden kommen zu den oben genannten Faktoren spezifische Faktoren hinzu, die diese Gruppe häufiger oder ausschließlich betreffen. Vor allem mangelnde Sprachkenntnisse sowie die Diskrepanz zwischen Erwartungen und Wirklichkeit in Bezug auf das Studium erhöhen die Studienabbruchintention (Falk/Kercher/Zimmermann 2022). Auf der institutionellen Ebene werden Diskriminierungserfahrungen, Isolation sowie mangelnde beziehungsweise nicht passende Beratungsangebote genannt (ebenda). Dabei ist generell zu berücksichtigen, dass zwar einige Faktoren je nach Schwerpunkt der jeweiligen Studie eine starke Erklärungskraft aufzeigen, aber der Studienabbruch immer Folge mehrerer aufeinandertreffender Faktoren und der individuellen Lage der Studierenden ist (Falk/Helmkamp/Thies 2022; Falk/Kercher/Zimmermann 2022).

Studienzulassung, Studienvorbereitung und Studienerfolg

Für internationale Bachelorbewerber: innen gelten unterschiedliche Regelungen für die Zulassung zum Bachelorstudium, die davon abhängen, in welchem Land die HZB erworben wurde. Hat man eine HZB eines Landes des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) oder Studienerfahrungen an einer anerkannten Hochschule im Ausland erworben, so wird man mit dem Nachweis entsprechender Sprachkenntnisse in der Regel direkt zum Studium zugelassen. Studieninteressierte mit einer HZB aus einem Land außerhalb des EWR und ohne Studienerfahrungen müssen in der Regel an einem staatlichen Studienkolleg oder an einer anderen Studienvorbereitungsmaßnahme teilnehmen. Die Notwendigkeit der Studienvorbereitung für diese Gruppe wird darin gesehen, dass die Schulsysteme aus den Herkunftsländern sich hinsichtlich der Unterrichtsinhalte oder der Dauer des Schulbesuchs vom deutschen Schulsystem unterscheiden. Bei Studieninteressierten mit einer HZB aus dem EWR oder mit Studienerfahrungen an einer anerkannten Hochschule im Ausland wird angenommen, dass die Studierfähigkeit entweder durch die Vergleichbarkeit der Schulsysteme oder durch frühere Studienerfahrungen vorhanden ist.

Aus den berechneten Studienabbruchquoten internationaler Bachelorstudierender (Heublein/Hutzsch/Schmelzer 2022; Heublein/Schmelzer 2018), den Befragungsdaten der 21. Sozialerhebung (Apolinarski et al. 2019) und des International Student Surveys (Falk/Helmkamp/Thies 2022) lässt sich folgern, dass den unterschiedlichen Hochschulzugangswegen und der Studienvorbereitung mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. Bachelorstudierende aus Drittstaaten, die meistens entweder durch Studienerfahrungen oder durch die Teilnahme am Studienkolleg zugelassen werden, brechen das Studium im Durchschnitt seltener ab als Studierende aus Westeuropa, die häufiger direkt zum Bachelorstudium zugelassen werden. Dabei gibt es allerdings auch Schwankungen zwischen den Gruppen und über den Zeitverlauf. So ist zum Beispiel die geschätzte Studienabbruchquote von Studierenden aus Westeuropa und Afrika in den letzten zehn Jahren um 11 beziehungsweise 22 Prozentpunkte gesunken. Dagegen ist die Studienabbruchquote ostasiatischer Studierender um 20 Prozentpunkte gestiegen.

Um den Einfluss unterschiedlicher Studienvorbereitungsmaßnahmen und Zugangswege zum Studium auf den Studienverlauf zu untersuchen, ist eine Längsschnittstudie notwendig, die dezidiert nach diesen Merkmalen differenziert und andere bereits genannte Einflussfaktoren aus bisherigen Untersuchungen miterhebt. Dies wäre vor dem Hintergrund der Veränderungen der Studienvorbereitung, die in den folgenden Abschnitten erläutert werden, besonders relevant.

 

Entwicklung der Studienvorbereitungsangebote

Die Studienvorbereitung internationaler Bachelorbewerber:innen ohne anerkannte HZB findet in Deutschland traditionell an staatlichen Studienkollegs statt. Die ersten staatlichen Studienkollegs wurden in den 1950er-Jahren in Aachen, Frankfurt am Main und Hamburg gegründet (Reichhardt 1985, 46). In den folgenden Jahrzehnten entstanden in allen alten und seit den 1990er-Jahren auch in allen neuen Bundesländern staatliche Studienkollegs. Staatliche Studienkollegs bereiten Studieninteressierte in der Regel ein Jahr lang fachlich und sprachlich auf die Aufnahme des Studiums vor. Für die Aufnahme ins Studienkolleg müssen in den meisten Fällen Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1 bis B2 nachgewiesen und eine Aufnahmeprüfung abgelegt werden. Das Studienkolleg endet mit einer Feststellungsprüfung (FSP) in Deutsch und in den relevanten Fächern der ausgewählten Studienrichtung. Die FSP wird als Äquivalent zur deutschen HZB anerkannt. Wird die Prüfung zweimal nicht bestanden, kann eine Zulassung zum Studiengang nicht mehr erfolgen.

In der Geschichte staatlicher Studienkollegs kam es immer wieder zur Schließung von Einrichtungen. In jüngster Vergangenheit kommt dem Beschluss des Kabinett Rüttgers zur Auflösung aller sieben staatlichen Studienkollegs in Nordrhein-Westfalen (NRW) im Jahr 2007 eine besondere Bedeutung zu. Dieser Entscheidung ging eine etwa einjährige Debatte über die Reformierung staatlicher Studienkollegs im nordrhein-westfälischen Landtag voraus, an der eine Vielzahl von Interessenvertreter:innen aus Politik, Hochschulen, Studienkollegs, Studierendenvertretungen und Zivilgesellschaft teilnahmen. Mit der Schließung staatlicher Studienkollegs in NRW sank die Anzahl der bundesweit verfügbaren Studienkollegsplätze von circa 9.500 in den 2000er-Jahren auf circa 5.500 in den 2010er-Jahren und damit um circa 40 Prozent. Auch Brandenburg und das Saarland zogen mit der Auflösung ihrer staatlichen Studienkollegs im Jahr 2010 beziehungsweise 2018 nach (Landtag des Saarlandes 2016; Landtag Brandenburg 2010). Zudem wurde das staatliche Studienkolleg an der Universität Greifswald im Jahr 2020 geschlossen (Landtag Mecklenburg-Vorpommern 2018). In den letzten fünfzehn Jahren wurden elf von 33 staatlichen Studienkollegs bundesweit geschlossen. Im selben Zeitraum wurde zudem in Berlin, Thüringen und Sachsen-Anhalt die Auflösung staatlicher Studienkollegs in den Landesparlamenten diskutiert, letztlich aber nicht umgesetzt.

Fazit

Die Datenlage zu internationalen Studierenden lässt erkennen, dass ihre Studienabbruchquote beziehungsweise -intention hoch ist. Es ist anzunehmen, dass dieser Befund in einem engen Zusammenhang mit der Studienvorbereitung und dem formalen Hochschulzugangsweg steht. So zeigt sich, dass Sprachprobleme als eine der häufigsten Hürden für die Bewältigung des Studiums in Befragungen angegeben und in Studien nachgewiesen wurde, obwohl der Nachweis von Sprachkenntnissen durch Prüfungen und Zertifikate ein wesentlicher Bestandteil des Hochschulzugangs ist. Die hochschulstatistischen Daten werden bisher nach Herkunftsgruppen und angestrebten Studienabschlüssen differenziert, aber nicht danach, ob zuvor ein Studienkolleg besucht, eine Eignungsprüfung abgelegt oder Studienerfahrungen als HZB anerkannt wurden. Befragungen, bei denen es möglich ist nach Art des Hochschulzugangs zu unterscheiden, zeigen unterschiedlichen Tendenzen in der Wahrnehmung von Schwierigkeiten und Vorbereitung auf die Anforderungen im Studium. Dies kann zum Teil daran liegen, dass die Befragungen nicht explizit dafür konzipiert waren, die Leistungen und Wahrnehmungen von internationalen Studierenden im Studium anhand des Hochschulzugangswegs zu untersuchen.

 

Gleichzeitig lässt sich in den letzten fünfzehn Jahren eine zunehmende Diversifizierung der Studienvorbereitung und der Hochschulzugangswege internationaler Studierender beobachten. Die staatlichen Studienkollegs als traditionelle Form der Studienvorbereitung für Studieninteressierte ohne anerkannte HZB sind in einigen Bundesländern geschlossen worden und werden zudem durch die Etablierung alternativer Modelle herausgefordert. Festzuhalten bleibt aber, dass alle Bundesländer die Förderung von internationalen Studieninteressent: innen ohne anerkannte HZB als wichtig ansehen und Formate zu deren Förderung zur Verfügung stellen. Vor dem Hintergrund der Kriege in Syrien und der Ukraine und der damit verbundenen Aufnahme von Geflüchteten in Deutschland ist nicht zu erwarten, dass sich daran in naher Zukunft etwas ändern wird. Auch wenn eine bundesweite Studie aufgrund der schwierigen Datenlage noch aussteht, weisen einzelne Befunde darauf hin, dass die Vorbereitung an staatlichen Studienkollegs einen positiven Effekt auf den Studienerfolg ihrer Absolvent:innen hat. Auch in Schließungsdebatten finden sich kaum Stimmen, die die Qualität der Studienvorbereitung an staatlichen Studienkollegs infrage stellen. Keine Erkenntnisse liegen jedoch bisher dazu vor, wie die Qualität der neu entstandenen Alternativen zu bewerten ist. Kritisch wird von vielen Akteur:innen im Feld der Studienvorbereitung die Qualität privater Studienkollegs gesehen. Allerdings lassen sich hierzu bislang keine fundierten Aussagen treffen. Feststellen lässt sich jedoch, dass die Nachfrage nach staatlichen Studienkollegsplätzen das Angebot weit übersteigt. Private Studienkollegs sind damit eine (wenn finanzielle Mittel vorhanden sind, leicht zugängliche) Möglichkeit für internationale Studieninteressierte ohne anerkannte HZB, um sich für ein Studium in Deutschland qualifizieren zu können.

 

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Rocio Ramirez (Foto: privat) und Dr. Arne Böker (Foto: Isa Lange) sind wissenschaftliche Mitarbeiter:innen am Institut für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg.