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Die Hochschulen der Zukunft mitgestalten

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Andrea Gerlach-Newman

Interview

Die Hochschulen der Zukunft mitgestalten

Über die veränderte Rolle von Kanzler:innen

Beständige Veränderungen und ein volatiles Umfeld verlangen nach Flexibilität und neuen Arbeitsweisen, gleichzeitig dürfen gerade Hochschulen ihre Wurzeln und ihren Auftrag, aber auch ihre Werte nicht vergessen. In diesem Spannungsfeld zwischen Zukunft und Herkunft bewegen sich auch Kanzler: innen. Nicht selten bedeutet das eine völlig neue Sicht auf die eigene Rolle. Andrea Gerlach-Newman ist seit 2017 Kanzlerin der Technischen Hochschule Nürnberg und empfindet diesen „Spagat“ nicht nur als Herausforderung, sondern vor allem als Möglichkeit, die Zukunft der Hochschulen aktiv mitzugestalten.

Foto: Melanie Scheller

Die Rahmenbedingungen für Hochschulen ändern sich. Das liegt auch, aber nicht nur an der Digitalisierung, die vieles verändert. Verschiedene Initiativen des Bundes oder der Länder spielen dabei ebenso eine Rolle wie neue Gesetze. Gesellschaftlich relevante Themen wie Klimawandel, Energiewende, Mobilitätswende, demografischer Wandel oder Nachhaltigkeit betreffen selbstredend auch Hochschulen – und das in mehrfacher Hinsicht.

Andrea Gerlach-Newman, Kanzlerin der TH Nürnberg, erlebt täglich den Spannungsbogen zwischen Vergangenheit und Zukunft. Im Gespräch berichtet sie, wie sich ihre Rolle in den letzten Jahren verändert hat und welche besonderen Herausforderungen sie für die Zukunft sieht. Ihre These:

  • Waren Kanzler:innen früher vornehmlich verwaltend tätig, sind heute völlig andere Kompetenzen gefragt. Wir gestalten die Strategie unserer Hochschule aktiv mit und strukturieren die Verwaltung neu – nicht zum Selbstzweck, sondern um die Zukunftsfähigkeit der Organisation zu sichern. Kanzler:innen werden vom Chef-Verwalter zum Change-Gestalter.

Frau Gerlach-Newman, warum ist die Rolle einer Kanzlerin heute anders als noch vor 10 Jahren?

Andrea Gerlach-Newman: Die Welt hat sich rasant geändert, und damit auch unsere Arbeit. Heute verwalten wir unsere Hochschulen nicht mehr, wir gestalten sie. Natürlich haben wir dies bereits früher getan, doch heutzutage sind schnelle Antworten gefragt, eine nie gekannte Flexibilität bei gleichzeitig volatilen Gegebenheiten. Die Megatrends, die die Gesellschaft beschäftigen, haben auch Auswirkungen auf Hochschulen. Früher war die
Verwaltung der Hochschule dazu da, für die Einhaltung des rechtlichen Rahmens und für geordnete Abläufe zu sorgen, quasi als stabiler Anker für die Freiheit der Lehre. Denkt man in Verantwortlichkeiten, entspricht dies den typischen Aufgaben, die wir aus der klassischen Verwaltung kennen. Heute müssen wir die Organisation so aufstellen, dass sie sich schnell an wechselnde Anforderungen anpassen kann, also gestaltend tätig sein. Dazu gehört auch, dass wir vom Kunden ausgehend denken und handeln – und damit weg von der Fokussierung auf Abteilungen beziehungsweise abgeschlossene Einheiten hin zu übergreifenden Prozessen, bei denen die Stakeholder im Mittelpunkt stehen.

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Sie haben unter anderem davon gesprochen, Mitarbeitende zu entwickeln und sie in neue Rollen zu bringen. Haben Sie dazu Erfahrungen aus der Praxis?

Andrea Gerlach-Newman: Die Frage muss aus meiner Sicht lauten: Wie können wir Menschen gemäß ihren Fähigkeiten gut einsetzen und gemeinsam mit ihnen parallel eventuell noch fehlende Kompetenzen entwickeln? Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, Menschen in neue Einsatzfelder zu bringen oder auch Rollen zu ändern, um Personen, die seit vielen Jahren einen klar definierten Job machen, neue Erfahrungen und Perspektiven zu ermöglichen. Dies ist an größeren Hochschulen natürlich leichter, weil es mehr Möglichkeiten gibt. Aktives Change-Management heißt für mich aber auch: Jede und jeder wird individuell betrachtet und auf das individuelle Tempo und die verschiedenen Bedürfnisse Rücksicht genommen. Vielen muss man die Angst nehmen, sich wieder etwas zuzutrauen, Kompetenzen erwerben zu wollen und auf Neues zuzugehen, da diese Neugier in der klassischen Verwaltung jahrzehntelang abtrainiert wurde. Das wirft aber auch die Frage auf, was mit denjenigen passiert, die das nicht wollen. Hier muss man wertschätzend, auf Augenhöhe agieren und auch akzeptieren, wenn jemand diese Reise nicht mitgehen will.
….

Das klingt nicht so, als würden Sie den Job als Kanzler:in bedingungslos empfehlen

Andrea Gerlach-Newman: Herausfordernd ist der Job allemal, aber ich empfinde das als positiven Stress. Es gibt viele Kolleg:innen, die den Wandel an der Hochschule unterstützen, in meiner persönlichen Wahrnehmung hat sich gerade bei Führungskräften sehr viel getan. Das gibt Kraft und bestärkt mich in meinem Bemühen. Neue Fragestellungen zu beantworten, Lösungen für neue Fragen zu finden, das ist kein Selbstzweck. Über allem steht für mich das wichtigste Ziel, für das ich mich engagiere: Ich möchte mit meinem Tun die Zukunftsfähigkeit meiner Hochschule sichern, und das treibt mich – und auch meine Kolleg:innen – tagtäglich an.
 

  • Das komplette Interview ist im ► Onlineshop von Lemmens Medien erhältlich. Den Abonnenten der Zeitschrift Wissenschaftsmanagement steht der Beitrag in ihrem Account zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Andrea Gerlach-Newman Dipl.-Wirtschaftsingenieurin (FH) und Controllerin, ist Kanzlerin an der TH Nürnberg. Dort ist sie seit 1998 in verschiedenen Funktionen tätig und war von 2009 bis 2017 hauptamtliche Vizekanzlerin. In der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der Hochschulkanzlerinnen und -kanzler engagiert sie sich im erweiterten Vorstand und als Fachsprecherin „Digitale Transformation“.

Foto: Melanie Scheller