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Zahlen, bitte!

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Dirk Tunger

Wissenschaftskommunikation I

Zahlen, bitte!

Das Aufkommen von Altmetriken erweitert die klassische Wissenschaftskommunikation

„Zahlen bestimmen unser Leben“ hat uns vor etlichen Jahren einmal die Werbung gesagt. Und das ist heute richtiger denn je, gerade wenn wir beispielsweise an die Corona-Zeit denken: Über die Härte politischer Maßnahmen bestimmt die Entwicklung von Zahlen, mit deren Hilfe man das Infektionsgeschehen zu beschreiben versucht. Diese Zeit hat uns allen aber auch gezeigt, wie schwierig es ist, belastbare Indikatoren zu entwickeln, die das Infektionsgeschehen realistisch abbilden. Mit Indikatorik zu arbeiten, erfordert Datenkompetenz! Das weiß auch die Bundesregierung, wenn sie diese mit einem aktuellen Programm fördert.

Foto: privat

Wenig überraschend sind diese Aussagen, wenn man sich eingehend mit quantitativen Auswertungen, beispielsweise mit Bibliometrie, befasst hat, welche zum Beispiel zur Beschreibung von Trendentwicklungen in der Wissenschaft, für Benchmarking-Prozesse in wissenschaftlichen Einrichtungen, bei der Vergabe von Drittmitteln und bei Berufungsverfahren von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eingesetzt wird. Es gibt eine Vielzahl von möglichen Indikatoren, die das Publikationsverhalten und die Rezeption von Publikationen einzelner Wissenschaftler, Institutionen, Länder, Verlage oder Zeitschriften beschreiben.

Wie bestimmt man Anhand von Publikationsdaten und deren Zitation den Impact von wissenschaftlichen Einrichtungen? Das ist nicht trivial, vor allem, da eine große Lücke zwischen den allgemein bekannten (aber wenig aussagekräftigen) Indikatoren wie h-Index, Impact Faktor & Co. sowie den von der wissenschaftlichen Community ausgewiesenen und belastbaren feldnormalisierten Indikatoren besteht (welche aber aufwändig zu erheben sind). Das Dilemma ist ein Spagat zwischen Aussagekraft und Erhebungsaufwand, bei quantitativen Erhebungen muss zudem immer berücksichtigt werden, dass die Daten selber nur wenig Aussagekraft haben und oft erst die zeitliche Entwicklung und ein Portfolio an Indikatoren belastbare Aussagen der Veränderung im zeitlichen Verlauf erlaubt.

Eine wichtige Säule: Bibliometrie
Trotz dieser Einschränkungen sind quantitative Erhebungen oft eine wichtige Säule, um subjektive Eindrücke zu objektivieren: Bibliometrie erhielt einen großen Aufschwung, als um das Jahr 2000 herum Publikationsdaten in größeren Mengen verfügbar wurden. Damals wurde das Web of Science, das bis dahin nur als CD-ROM-Ausgabe erhältlich war (was aber bereits eine deutliche Verbesserung gegenüber der Buchversion aus der Zeit davor darstellte), in einer pauschal lizenzierbaren Internetversion verfügbar. Im Vergleich zu der Zeit vor der Jahrtausendwende, als Online-Datenbanken nach Einschaltdauer und heruntergeladener Datenmenge abgerechnet wurden, konnte man mit der Online-Version unbegrenzt im Web of Science recherchieren und Daten ohne zusätzliche Kosten herunterladen.

Dies führte ab dem Jahr 2000 zu einer exponentiellen Entwicklung der Publikationen, in denen Bibliometrie als Methode verwendet wurde, während die rein wissenschaftlichen Publikationen in den Kernzeitschriften der bibliometrischen Gemeinschaft nur einen leichten linearen Anstieg verzeichneten, der ungefähr proportional zur Entwicklung des Gesamtvolumens der Publikationen im Web of Science war. Dies zeigt, dass das Interesse an quantitativen Auswertungen – heute sagen wir hierzu Big Data oder Data Analytics – mit der digitalen Verfügbarkeit an Daten einhergeht und Teil von Digitalisierung ist.

Ein neuer Ansatz: Altmetrik
In der Zwischenzeit hat sich aus der Bibliometrie heraus ein neuer Ansatz entwickelt: Der Altmetrik-Ansatz ist ein kontroverses Thema im Hinblick auf die Kommunikation von Forschungsergebnissen mit Hilfe von Social Media. Die Einführung von „alternativen Metriken“ (Altmetriken) steht im Zentrum der aktuellen Diskussion darüber, ob die Fokussierung auf klassische bibliometrische Indikatoren noch den Impact von Forschung im Internetzeitalter widerspiegelt. Im Zuge dieser Diskussion, wurde der Begriff „Altmetrik“ als Sammelbegriff für alternative Indikatoren geprägt, die die Wahrnehmung webbasierter Kommunikation in den Vordergrund stellen gegenüber klassischer Kommunikation mit Hilfe von Peer Review. Es gibt ein gewisses Spannungsverhältnis zwischen

Bibliometrie und Altmetrik, obwohl die Altmetrik ihren Ursprung in der bibliometrischen Gemeinschaft hat. Beide Disziplinen tendieren dazu, denselben Zweck zu erfüllen, nämlich ein Bild von Wissenschaftskommunikation sowie deren Akteure zu vermitteln. Bibliometrie und Altmetrik haben aber eine unterschiedliche Grundlage: Fast reflexartig werden die beiden Bereiche oft in Beziehung zueinander gesetzt, verglichen oder als Entweder-Oder-Wahl betrachtet. Dass dem absolut nicht so ist, wurde in Fühles-Ubach/Tunger (2021) ausführlich berichtet: In Bezug auf Altmetrik liegt ein offensichtlicher Vorteil darin, dass ein breiteres Publikum erreicht werden kann, dass dies nicht notwendigerweise dem Wissenschaftssystem angehört, und auch, dass Wahrnehmung viel schneller gemessen werden kann als in der klassischen Bibliometrie.

Fazit
Am Ende ist es aber nicht nur wichtig, ein anfängliches Bauchgefühl zu untersuchen und mit objektiven Daten zu untermauern. Es ist umso wichtiger, aus diesem quantitativen Ergebnis konkrete Handlungen und Strategien abzuleiten, also von der abstrakten Zahlenebene zur realen Handlungsebene zu gelangen. Dies ist nur möglich, wenn man nicht nur die Ergebnisse konsumiert, sondern Data Science direkt in die strategische Planung einbettet.

  • Der komplette Beitrag ist im ► Onlineshop von Lemmens Medien erhältlich. Den Abonnenten der Zeitschrift Wissenschaftsmanagement steht der Beitrag in ihrem Account zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Dr. Dirk Tunger ist als Projektleiter im Institut für Informationsmanagement der TH Köln tätig und zeitgleich am Forschungszentrum Jülich; seit etwa 20 Jahren ist der Einsatz von Bibliometrie als strategisches Werkzeug sein Forschungsschwerpunkt.