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Missionsorientierung in der Forschung

news

Torben Schubert, Hendrik Berghäuser und Henning Kroll

Wissenschaft und Gesellschaft

Missionsorientierung in der Forschung

Kann universitäre Außensteuerung Anreize für nachhaltigkeitsorientierte Forschung schaffen?

Die gesteigerte Bedeutung der Missionsorientierung in der Forschungspolitik ist für die Universitäten mit der zusätzlichen Aufforderung verbunden, die eigenen Aktivitäten stärker auf gesellschaftlich relevante Probleme, insbesondere mit Blick auf nachhaltigkeitsbezogene Themen, zu konzentrieren als dies in der Vergangenheit geschah (Bauer et al. 2018; Wickson et al. 2006). Während noch vor einigen Jahren die Legitimation durch wissenschaftliche Exzellenz im Vordergrund stand, legen nun immer mehr Fördermittelgeber und Evaluatoren den Schwerpunkt auf den Beitrag der Universitäten zur Lösung gesellschaftlicher Probleme und Nachhaltigkeit.

Wissenschaftsmanagement - Enscheiden.Führen.Gestalten

In der Wissenschaftsforschung ist diesbezüglich auch die Rede von einer Abkehr eines für lange Zeit dominierenden Kontrakts zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, demzufolge von der Wissenschaft lediglich die Herstellung und Bereitstellung akademischen Wissens erwartet wurde. Stattdessen ist eine Hinwendung zu einem neuen Verhältnis, das vor allem einen erheblichen gesellschaftlichen Nutzen der Wissenschaft sowie eine tiefgreifende Verschränkung von Wissenschaft und Gesellschaft als Grundlage staatlicher Förderung von Hochschulen betont, zu beobachten (Krücken et al. 2007; Hasse 2012; Schimank 2012, Berghäuser 2020). Wichtig ist, dass solche Beiträge nicht nur den traditionellen Bereich des Wissens- und Technologietransfers betreffen, sondern auch die Neuausrichtung der Forschung selbst in einer Weise, die zur Lösung gesellschaftlicher Probleme, ausgerichtet ist (Rittel/Webber 1973).

Governance und Steuerung in Hochschulen
Die Governance-Strukturen in den öffentlich finanzierten Forschungsorganisationen (das heißt Universitäten und außeruniversitäre Forschungsorganisationen) in Deutschland sind in den letzten 25 Jahren einem deutlichen Wandel unterlegen. Während die akademische Selbstorganisation auf Ebene einzelner Forschungseinheiten (zum Beispiel Lehrstühle) sowie die staatliche Detailregulierung in den Hintergrund traten, haben die Steuerungsmöglichkeiten auf Ebene der Organisationsleitung an Bedeutung gewonnen (de Boer et al. 2007; Bogumil et al. 2014). Ihre Rolle gegenüber dem Staat ist dabei durch zunehmende Autonomie gekennzeichnet, die gleichzeitig mit stärkeren Rechenschaftspflichten einhergeht. Ziel dieser sogenannten Outputsteuerung war es, strategiefähige Organisationen zu schaffen, die über Leistungsanreize inzentivierbar und damit zumindest indirekt steuerbar werden (Schubert 2008; Pasternack et al. 2018; Mok 2019; Gornitzka/Maassen 2017).

Daten
Der hier verwendete Datensatz enthält Informationen zu allen deutschen Volluniversitäten aus dem Jahr 2018. Die Datenbasis speist sich dabei aus unterschiedlichen Quellen. Allgemeine Universitätscharakteristika wie Größe und disziplinäre Ausrichtung wurden aus den Hochschulstatistiken des deutschen Statistischen Bundesamtes (DESTATIS) erhoben. Diese Datenbestände liefern daneben auch Informationen zu den Drittmitteln als einem Maß für die Außensteuerung durch Ressourcenwettbewerb. Die zwei weiteren Dimensionen der Außensteuerung wurden aus einer Analyse der Hochschulgesetze abgeleitet. Dabei haben die Autoren insbesondere erfasst, ob die Hochschulen regelmäßige externe Evaluierungen durchführen und welche relative Bedeutung externe Mitglieder in den Hochschulgremien haben. Diese Gesetzgebungen unterscheiden sich zwischen den 16 Bundesländern und bieten daher eine gewisse Variabilität bei diesen beiden zentralen Indikatoren. Diese beiden Indikatoren waren in den Hochschulgesetzen zumeist eindeutig erfassbar, wobei zur Qualitätssicherung die Ergebnisse jeweils von einem weiteren Mitglied des Autorenteams überprüft und bestätigt wurden. Dabei konnten für die externen Mitglieder eine Gruppierungsvariable wie folgt definiert werden: 1: Mehrzahl Universitätsangehörige, 2: paritätische Besetzung, 3: Mehrzahl Externe, 4: komplett extern besetzt. Für die externen Evaluationen wurde eine Dummyvariable gebildet, die erfasst, ob das Landeshochschulgesetz vorsieht, dass die Universität Forschungsevaluationen durchführt, die durch externe Evaluatoren und Evaluatorinnen geleitet werden.

Fazit
Aus unseren Analysen ergeben sich zwei relevante politische Schlussfolgerungen. Erstens, entsprechend neuerer Arbeiten scheinen außensteuernde Governance- Dimensionen einen erheblichen Einfluss auf die Nachhaltigkeitsorientierung der Forschung in Universitäten zu haben. Es zeigte sich, dass dies für eine stärkere Rolle externer Mitglieder in den Hochschulräten gilt. Dies kann daran liegen, dass Universitätsexterne verstärkt Themen ins Auge fassen, die einen gesellschaftlichen Bezug haben. Für nachhaltigkeitsorientierte Themen, die in der Öffentlichkeit sowie der Politik eine hohe Bedeutung haben, gilt dies in besonderem Maße.

Zweitens konnte gezeigt werden, dass auch die Drittmittelintensität die Nachhaltigkeitsorientierung steigert. Die Ursachen dafür können darin liegen, dass viele Förderorganisationen in ihren Förderportfolios einen expliziten Nachhaltigkeitsbezug haben. Alternativ ist natürlich denkbar, dass die Governance als Anreiz für die Aufnahme von Nachhaltigkeitshemen genutzt werden. Nichtsdestotrotz zeigen die Ergebnisse auch, dass einzelne Governance-Dimensionen nur eine geringe Rolle zu spielen scheinen. Das gilt insbesondere für die regelmäßige Durchführung externer Forschungsevaluation. Versuche, Anreize für die Aufnahme von nachhaltigkeitsbezogener Forschung zu schaffen und diese zu fördern, erfordern daher ein tiefes Verständnis der Anreizwirkung verschiedener Governance-Mechanismen.
 

  • Der komplette Artikel ist im ► Onlineshop von Lemmens Medien erhältlich. Den Abonnenten der Zeitschrift Wissenschaftsmanagement steht der gesamte Beitrag in ihren Accounts zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Dr. Torben Schubert ist seit 2005 am Fraunhofer ISI beschäftigt. Seit 2019 ist er stellvertretender Leiter des Kompetenzzentrums Innovationsund Wissensökonomie. Daneben arbeitet er als Associate Professor bei CIRCLE – Centre for Innovation Research, Universität Lund, Schweden.

Dr. Hendrik Berghäuser arbeitet seit 2013 als Wissenschaftler im Competence Center Politik und Gesellschaft. Seitdem hat er an zahlreichen Studien und Evaluationen im Bereich der Forschungs-, Technologie und Innovationspolitik gearbeitet.

PD Dr. Henning Kroll leitet seit Juli 2019 das Geschäftsfeld Innovationstrends und Wissenschaftsforschung am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe und lehrt als Privatdozent am Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz Universität Hannover.

 

  • Die diesem Kurzbeitrag unterliegenden empirischen Ergebnisse sind in dem laufenden vom BMBF geförderten Projekt Stratgov entstanden. Vor dem Hintergrund, dass Universitäten häufig als lose gekoppelte und damit schwer hierarchisch steuerbare Organisationen beschrieben worden, ist es ein Hauptanliegen von Stratgov, die Rahmenbedingungen effektiver Governance der Leitungsebenen zu untersuchen.