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Die Wirtschaft braucht die Alten

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K. Rüdiger Durth

Aktuelle Diskussion

Die Wirtschaft braucht die Alten

Sozialethisches Kolloquium von Wirtschaft und Kirchen.

Die Wirtschaft braucht die Alten. Industrie und Handwerk nicht weniger. Darüber waren sich die Teilnehmer des hochkarätigen Sozialethischen Kolloquiums des Studienkreises Wirtschaft und Kirchen in Nordrhein-Westfalen einig, das in Düsseldorf unter dem Thema stand: „Erfahrung, die sich auszahlt – Potenziale älterer Menschen im Betrieb“. Die demografische Entwicklung zwingt Wirtschaft und Industrie, sich mehr als bislang um die älteren Menschen als Mitarbeiter zu bemühen. Denn die vor allem durch die Wirtschaftskrise im südlichen Europa begünstigte Zuwanderung qualifizierter Ausländer wird wieder stark nachlassen, wenn sich Spanien, Portugal, Italien und Griechenland wirtschaftlich erholen, so die Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Nordrhein- Westfalen, Christiane Schönefeld.

Bild: Rainer Sturm/pixelio www.pixelio.de

Die Alten: Rente mit 63, auf dem Abstellgleis oder unverzichtbar im Kampf gegen den Fachkräftemangel?

 

 

 

 

 

Gleichzeitig warnte die Arbeitsmarktexpertin vor einer demographischen Schwarzmalerei in der Zukunft, denn nicht überall werde es zu dem befürchteten Engpass in der Arbeitswelt kommen. Davon zeigte sich auch der Darmstädter Arbeitswissenschaftler Professor Ralph Bruder überzeugt. Vor allem werde der ländliche Raum unter dem drohenden Mangel von Fachkräften zu leiden haben. Für Christiane Schönefeld wird es darauf ankommen, ob man im Hinblick auf die älteren Menschen in Fragen der Weiterbildung, der Arbeitsplatzgestaltung und der Zuwanderung wirklich weiterkomme: „Der künftige Arbeitsmarkt wird weniger, älter und bunter sein.“ Und für Professor Bruder ist „Arbeit nicht nur Mühsal“. Auch im Alter nicht.

Beide Referenten sprachen sich für mehr Flexibilität aus. Wer als älterer Mensch noch arbeiten möchte, sollte dazu auch die Gelegenheit haben. Dagegen hatten auch der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, und der Bischof des Ruhrbistums, Franz-Josef Overbeck, nichts einzuwenden. Allerdings sehr viel dagegen, dass alte Menschen gezwungen seien, im Supermarkt Regale aufzufüllen, „um über die Runden zu kommen“. Rekowski: „Bildungsarmut führt zu Altersarmut.“

Maßgeschneiderte Weiterbildung erforderlich

Weiterbildung zeigte sich in der Diskussion als die zentrale Forderung, um älteren Arbeitnehmern zum einen überhaupt Arbeit zu ermöglichen und zum anderen ihnen auch den Sinn ihres Tuns zu vermitteln. Für Dietmar Meder, Vorsitzender des Bildungswerkes der nordrhein-westfälischen Wirtschaft, wird bereits heute dafür mehr getan, als allgemein angenommen werde. Nordrhein-Westfalens Arbeits- und Sozialminister Guntram Schneider (SPD) bestritt dies nicht, machte aber darauf aufmerksam, dass viele ältere Menschen keinen rechten Zugang zur Weiterbildung finden würden. Grund: Sie sei nicht maßgeschneidert für ihre Bedürfnisse. Er forderte eine „Kultur der Fort- und Weiterbildung, die dem einzelnen Menschen auch Freude macht“. Nicht zuletzt sei dies auch wirtschaftlich wichtig.

„Bildung kostet Zeit“, wandte Dietmar Meder von den Unternehmern ein und fügte hinzu: „längere Bildung heißt längere Arbeitszeit“. Minister Schneider, früher nordrhein-westfälischer Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), bestritt dies nicht, beharrte aber darauf: „Wer 45 Jahre Sozialversicherungsbeiträge gezahlt hat, soll mit 63 Jahren ohne Abschläge in Rente gehen.“ In der kontroversen Diskussion um die Rente mit 67 müsse man auch bedenken, „dass wir gegenwärtig noch weit von der 65er Grenze entfernt sind“.

Bei der Frage der mangelnden Berufsqualifikation bei Langzeitarbeitslosen erinnerte Minister Schneider (der Werkzeugmacher gelernt hat) daran, dass 65 Prozent über einen Berufsabschluss verfügten. Dennoch müsse es das Ziel sein, „dass in Zukunft kein Schüler mehr ohne Abschluss die Schule verlässt“.

Die Potenziale älterer Mitarbeiter besser nutzen

Einigkeit bestand darin, dass heutige Altersgrenzen nicht mehr zeitgemäß sind und dass, wer länger als bis 65 arbeiten will, dies auch können sollte. Mehr Flexibilität also. Und mehr den Interessen der älteren Arbeitnehmer angepasste Fort- und Weiterbildung. Für Professor Bruder ist klar: „Leider sind noch immer viele Menschen der Überzeugung, was sie einmal gelernt haben, muss für das ganze Arbeitsleben reichen.“ Bruder: „Hier ist uns das Ausland schon weit voraus.“

Die Potenziale älterer Mitarbeiter müssen besser genutzt werden. Das gilt aus der Sicht des Kolloquiums für alle Bereiche von Wirtschaft und Industrie, für alle Ausbildungsstufen. Nicht zuletzt müssen die Älteren das Gefühl bekommen, „wertgeschätzt und nicht länger an den Rand des Arbeitslebens gedrängt zu werden“. Aus der Sicht eines Vertreters der Senioren-Union der CDU ist es notwendig, „die Renten flexibler zu machen“. Nur am Rande gestreift wurde das Thema der Auswirkungen der steigenden Lebenserwartung auf die weiter steigenden Anforderungen an die bereits jetzt nicht mehr ausreichenden Pflegekräfte, die rein körperlich nicht bis 65 oder gar länger arbeiten können.

Minister Schneider bestritt nicht die Probleme, die dadurch auf die Gesellschaft zukommen: „Die Beiträge für die Pflegeversicherung werden über das jetzige Maß steigen.“ Doch damit werde das Problem allein nicht gelöst. Durch mehr Solidarität und Subsidiarität müsse es möglich gemacht werden, alten Menschen möglichst lange ein Leben in den gewohnten vier Wänden zu ermöglichen. Auch hier gab es quer durch die unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Meinungen keine Differenzen.

Es zeigte sich: Die notwendige „Kultur der Fort- und Weiterbildung“ steht erst am Anfang. Sie gilt für alle Berufe, die handwerklichen, technischen, aber auch die akademischen gleichermaßen. Je schneller sie in Angriff genommen wird und den unterschiedlichen Interessen älterer Arbeitnehmer gerecht wird, desto erfolgreicher wird die Integration älterer Arbeitnehmer in Betrieb, Wirtschaft und Verwaltung. Immer wieder klang die Sorge durch, dass die Situation des Fachkräftemangels noch nicht so dramatisch sei, dass man sich zu einer grundlegenden Neuorientierung durchringe. Wenn diese Vermutung stimmt, dann könnte es für viele in Wirtschaft und Industrie ein böses Erwachen geben.

Bild: Rainer Sturm/pixelio www.pixelio.de