Termine

Bundeswissenschaftswoche

Wichtige Termine von überregionalem Interesse.

Aktuelle Termine

Newsletter

Mit unserem Newsletter immer auf dem Laufenden.

Newsletteranmeldung

Archiv

Das Archiv bietet Ihnen ältere Ausgaben aus den Jahrgängen 2003 bis 2017 der Zeitschrift Wissenschaftsmanagement im PDF-Format kostenlos zum Download.

Zum Archiv

Themendiskussion

Diskutieren Sie unsere Themen oder schlagen Sie uns Themen für die nächsten Ausgaben vor.

Themen diskutieren
Themen vorschlagen

Aktuelle Ausgaben
Schwerpunkt:
Alle 2021 online erschienenen Artikel zum Nach-Lesen
Sonderausgabe 2020
Sonderausgabe 2020
special Archiv

Das Archiv bietet Ihnen die special Beilagen zur Zeitschrift Wissenschaftsmanagement aus den Jahrgängen 2004 bis 2013 im PDF-Format kostenlos zum Download.

Coaching – ein Beitrag zur Hochschulentwicklung?

news

Hans-Jürgen Balz und Thomas Hegemann

Governance & Management

Coaching – ein Beitrag zur Hochschulentwicklung?

Fallschilderungen und Kriterien aus der Praxis

Der Beitrag stellt Themenfelder von Coaching für Wissenschaftler:innen und Führungskräfte aus der Hochschulverwaltung vor. Er illustriert die Coaching-Praxis anhand von Fallschilderungen und leitet daraus Kriterien für die Auswahl von Coaches für den Hochschulbereich ab. Unsere vielleicht etwas provokativ wirkenden Ausgangsfragen: Lassen sich Hochschulen als Expert:innensysteme von außen beraten und zu Entwicklungsprozessen anregen? Wie können externe Berater:innen/Coaches akzeptierte und hilfreiche Gesprächspartner:innen für hochqualifizierte Fachleute im Wissenschaftsbetrieb werden und welche Kompetenzen brauchen sie dafür? Die Autoren sind im Bereich Coaching für Hochschulangehörige tätig und schreiben den Beitrag auf Basis der Literaturrezeption, dem kollegialen Erfahrungsaustausch und einem Dialogcamp im Deutschen Bundesverband Coaching (DBVC) (Krüger et al. 2022).

Wissenschaftsmanagement - Enscheiden.Führen.Gestalten

Coaching fördert entsprechend dem Roundtable Coaching (RTC) – Dachverband verschiedener deutscher Coachingverbände – die „… Fähigkeit zur Selbstorganisation im Berufs- und Arbeitsleben. […] Im Dialog zwischen Coach und Klient werden Reflexions und (Selbst-)Erfahrungsräume eröffnet und Klärungsprozesse initiiert. Durch die Erschließung mehrerer Perspektiven werden Entwicklungspotenziale und Handlungsspielräume erschlossen, Lern- und Veränderungsprozesse angeregt und begleitet, sowie die Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit gestärkt.“ (Roundtable Coaching 2015, 2)

In diesem Sinne ist Coaching eine Form der Prozessberatung, die vom Arbeitsprinzip der „Hilfe zur Selbsthilfe“ (Radatz 2010) ausgeht. Abzugrenzen ist Coaching im Kontext Hochschule insbesondere von Mentoring, indem es klarer strukturiert, methodisch angelegt und von einer als Coach weitergebildeten Fachkraft angeboten wird (Balz/Plöger 2016, 42 ff.).

Wissenschaftler:innen als Adressat:innen im Coaching
Erfolgsfaktoren im Wettstreit um die „klugen Köpfe“ liegen in der Attraktivität des Tätigkeitsfeldes Hochschule und der Stärkung der Mitarbeiter:innenbindung. Dazu tragen neben monetären Aspekten und Gesichtspunkten der Arbeitsplatzausstattung insbesondere die Unterstützung in den Karriereperspektiven, konstruktive Arbeitsbeziehungen und die Wertschätzung durch die Vorgesetzten und Kolleg:innen bei.

Da Universitäten nur für einen kleinen Teil der Wissenschaftler:innen einen dauerhaften Arbeitsplatz bieten, sind Karrierefragen für die Zeit in der Hochschule und gegebenenfalls danach für Nachwuchswissenschaftler:innen von großer Bedeutung (zum Karrierecoaching Balz/Plöger 2016).

Wissenschaft ist häufig nur erfolgreich als Gemeinschaftsarbeit von multiprofessionellen Teams. In diesem Zusammenhang haben Hochschullehrer: innen Koordinations-, Moderations- und Führungsaufgaben zu übernehmen, ohne für diese Anforderung qualifiziert worden zu sein, …

Coaching im Infrastrukturbereich
Zum Betrieb einer Hochschule ist eine Organisationsstruktur erforderlich, die einerseits dafür Sorge trägt, dass die einzelnen Substrukturen der Hochschule bestmöglich zur Erfüllung der Organisationsziele zusammenarbeiten. Bei Hochschulen wäre dieser Zweck insbesondere die erfolgreiche Durchführung von Forschungsprojekten, die Einwerbung von Forschungsgeldern und die Publikation der Forschungsergebnisse in der wissenschaftlichen Community, sowie eine attraktive akademische Lehre.

Zur Erfüllung der Organisationsziele tragen verschiedene Dienstleistungsbereiche bei, die den Wissenschaftler:innen zuarbeiten, wie die Personal- und Student:innenverwaltung, Studienberatung (Hegemann/Heidenstecker 2017), Rechenzentren, Bibliotheken, Labore et cetera. Alle diese Strukturen benötigen Kompetenzen in der internen Personalführung und der Kooperation mit anderen Hochschulakteur:innen.

Kriterien für die Auswahl von Coaches
In einem auf akademische Höchstleistungen ausgerichteten System schafft Coaching einen Raum des Besinnens, der menschlichen Begegnung und des Vertrauens, in dem der ergebnisoffene Dialog über die Ziele des Coachees, seine/ihre persönliche Zukunft, aber auch über die eigenen Zweifel, Schwächen und Unsicherheiten in der beruflichen Rolle geführt werden kann. Als systemisch-lösungsfokussierte Coaches (mehr bei Radatz 2010) geht es den Autoren dabei um eine realistische Analyse des IST-Zustandes und die Unterstützung bei der Entwicklung von persönlichen Zielen, Visionen und Zukunftsplänen, für die es dem/der Hochschulangehörigen lohnenswert ist, sich einzusetzen.

Fazit
Auf die Ausgangsfrage „Lässt sich eine Expert:innenorganisation (von außen) beraten?“ antworten wir, dass nicht das OB, sondern nur das WIE wirklich zur Entscheidung und kreativen Ausgestaltung steht. Es gibt für Hochschulen keine Alternative zur multiprofessionellen Kooperation, zur engagierten und innovativen Gestaltung von Arbeits- und Forschungsprozessen und zur Teamführung.

Für eine zukunftsorientierte Personalentwicklung bietet Coaching einen Beitrag zur passgenauen, vertrauensfördernden und ergebnisoffenen Unterstützung der Mitarbeiter:innen bei persönlichen Entwicklungsfragen, bei der Rollenklärung, bei Sinnkrisen und Konflikten. Diese Investition lohnt, da sich die Mitarbeitenden dadurch unterstützt fühlen, sich stärker mit der Hochschule identifizieren, Konflikte präventiv bearbeitet, sowie Kommunikations- und Führungskompetenzen gefördert werden (Kinder et al. 2020).

Will eine Hochschule Coaching als Teil der Personalentwicklung anbieten, empfiehlt sich der Aufbau eines Coaching-Pools, eine Rahmenvereinbarung über das Verfahren zur Abfrage und zum Umfang eines Coaching-Angebots, sowie zur Evaluation und Qualitätssicherung. Für Personalverantwortliche besteht die Aufgabe im Matching zwischen Nachfrage und Angebot von Coaching und der Auswahl unter den verschiedenen Formaten (Einzel-, versus Gruppencoaching; face-to-face versus virtuelles Coaching). Dies entscheidet am Ende mit darüber, ob bei Themen wie Führungsaufgaben/-rolle, komplexere Konflikte und Burn-out neue und positive Entwicklungen gefördert werden können.
 

  • Der komplette Artikel ist im ► Onlineshop von Lemmens Medien erhältlich. Den Abonnenten der Zeitschrift Wissenschaftsmanagement steht der gesamte Beitrag in ihren Accounts zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Prof. Dr. Hans-Jürgen Balz ist Professor für Psychologie bei der Evangelischen Hochschule Rheinland- Westfalen-Lippe in Bochum.

Dr. Thomas Hegemann ist Systemischer Coach und Supervisor bei InCuM – Intercultura Management München.