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China ist uns immer dichter auf den Fersen

news

Interview mit dem früheren Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber

Wissenschaftspolitik

China ist uns immer dichter auf den Fersen

Spagat zwischen wissenschaftspolitischem Tagesgeschäft und Menschheitsprojekten der Großforschung

Eine politische Ära geht zu Ende. Aber der Staffelstab wird weitergegeben: Auch die neue Politikergeneration in Deutschland fördert den „Fortschritt durch Forschung“. Das ist auch Teil seines Erbes: Heinz Riesenhuber (82) war der Alterspräsident des 18. Deutschen Bundestages. Für die Wahl zum neuen Bundestag im September 2017 hatte er aber nicht mehr kandidiert. Der hessische CDU-Politiker – von Haus aus promovierter Diplom-Chemiker und seit 1995 Honorarprofessor an der Frankfurter Universität – bleibt vor allem als Bundesminister für Forschung und Technologie von 1982 bis 1993 unter Bundeskanzler Helmut Kohl in Erinnerung. Stichworte wie Delphi-Berichte zur strategischen Ausrichtung des deutschen Wissenschafts- und Innovationssystems, Transrapid, Fusions- und Genomforschung sind nur wenige Beispiele, die belegen, wie der Träger markanter Fliegen den Spagat zwischen wissenschaftspolitischem Tagesgeschäft und Menschheitsprojekten der Großforschung meisterte.

Foto: CDU/CSU-Fraktion/Martin Url

Professor Riesenhuber ist froh, "... dass ich als Forschungsminister vieles anstoßen und mitgestalten durfte“ und „sehr optimistisch, dass wir uns auch in Zukunft immer wieder neu erfinden können.“ (Foto: CDU/CSU-Fraktion/Martin Url)

 

Herr Professor Riesenhuber, stimmt eigentlich noch der alte Spruch, dass die Deutschen erfinden und die Asiaten damit Geld verdienen?

Zum Teil sicher schon. Deutschland bleibt das Land der Erfinder und gehört bei internationalen Patentanmeldungen nach den USA und Japan zur Weltspitze. Aber der Weg von der Idee in die Märkte ist bei uns nach wie vor steinig, weil vielfach das Geld für die Vermarktung – besonders Wagniskapital – fehlt, oder weil die Zeichen der Zeit nicht früh genug erkannt werden. Das MP3-Format, bei uns erfunden und im Ausland mit Milliardengewinnen vermarktet, ist dafür nur das prägnanteste Beispiel. Hinzu kommt: China ist uns im globalen Innovationswettlauf immer dichter auf den Fersen, steigert seine Forschungsausgaben geradezu explosiv, konzentriert sich dabei auf Zukunftstechnologien wie Robotik, Solarenergie und Elektromobilität und hat uns bei internationalen Patenten gerade eingeholt. Aber unsere wahre Stärke liegt darin, dass wir Meister der Systeme sind, und das müssen wir bleiben.

Wenn Sie nun am Ende Ihrer politischen Laufbahn auf das Land schauen, in dem sie über ein Jahrzehnt Forschungsminister waren: Kann sich Deutschland auch in Zukunft an der Spitze der großen Industrienationen behaupten?

Das müssen wir, und das können wir. Mit unserer Hightech-Strategie arbeiten wir hart daran, unseren Standort für die Zukunft fit zu machen. Denn nur mit immer neuen innovativen Produkten, Verfahren und Dienstleistungen können wir auch künftig die Weltmärkte erobern und Wachstum, Arbeit und Wohlstand bei uns im Land sichern. Dabei konzentrieren wir uns auf strategisch wichtige Ziele wie schneller Technologietransfer, mehr Kooperation zwischen Forschern und Unternehmern, mehr Wagniskapital, mehr Hightech- Gründungen, neue Geschäftsmodelle für die Nutzung von Schlüsseltechnologien wie Raumfahrt, neue Lösungen für Zukunftsfelder wie Industrie 4.0 oder für ein gesundes und selbstständiges Leben im Alter. Wir müssen uns anstrengen, aber wir sind auf einem guten Weg.

Benötigen wir nicht mehr Wissenschaftsmanagement für unsere Universitäten und Forschungseinrichtungen?

Absolut, denn sie stehen vor großen Herausforderungen, die die Wissenschaftler nicht so nebenbei erledigen können, für die man ausgewiesene Profis braucht. Nur mit einem optimalen Wissenschaftsmanagement können Hochschulen und Forschungsinstitute erfolgreich ihre Profile schärfen, effizienter zusammenarbeiten, erfolgreich Drittmittel einwerben, die Patentverwertung optimieren, Förderwettbewerbe wie bei der Exzellenzinitiative gewinnen, den Ausbau digitaler Studiengänge und die Internationalisierung vorantreiben, Lehrende und Lernende zufriedenstellen, sich gut vermarkten, Zukunftsstrategien erarbeiten und im harten Konkurrenzkampf bestehen. Ich bin froh, dass heute immer mehr Wissenschaftsmanager daran arbeiten, den manchmal etwas schwerfälligen deutschen Wissenschaftsanker flotter und auch international attraktiver zu machen. Dabei darf natürlich die Freiheit der Wissenschaft nicht auf der Strecke bleiben.

Welche Themen müssen in Zukunft aus Ihrer Sicht einen zentralen Platz in der deutschen Forschungspolitik einnehmen, zumal der Transrapid in Asien fährt, die hochauflösenden Fernseher in Asien produziert werden, Google und Facebook aus den USA kommen?

Da gibt es einige Herausforderungen, die unsere Zukunft nicht nur auf den Weltmärkten bestimmen, von der Energiewende bis zur alternden Gesellschaft und natürlich zum digitalen Wandel, der wirklich alle Bereiche eingreift. Mit unserer Hightech-Strategie arbeiten wir hier in einem umfassenden, lernenden und weltweit beispielhaften Ansatz konsequent an Lösungen. Wir fördern intensiv Schlüsseltechnologien wie Nanotech, Mikroelektronik und Raumfahrttechnik – sie sind die Basis für die digitale Welt von morgen. Gleichzeitig konzentrieren wir uns auf integrierte Systemlösungen und nachhaltige Zukunftskonzepte, wie die energieneutrale „Zukunftsstadt“ oder „Autonomes Fahren“. Auch die Rahmenbedingungen für Hightech- Start-ups, Wagniskapital und den innovativen Mittelstand müssen stimmen, inklusive Bürokratieabbau, innovative Beschaffung, E-Government. All das ist nur in einer technologieoffenen Gesellschaft möglich. Wir müssen die Menschen mitnehmen.

Aber oft wird die Befürchtung geäußert, dass Deutschland letztlich das digitale Zeitalter verschläft …

Die Bilanz unserer Digitalen Agenda, die wir vor drei Jahren gestartet haben, zeigt Licht und Schatten. Die deutsche Internetwirtschaft ist die fünftgrößte der Welt. Gut aufgestellt sind wir besonders beim Mobilfunk – wollen hier beim schnellen 5G-Standard Leitmarkt werden – und bei Industrie 4.O, wo wir neben den USA weltweit führend sind. Beim Autonomen Fahren unterstützen wir die deutsche Autoindustrie im Wettlauf mit den Internetgiganten. Bei der Digitalisierung des Mittelstandes, digitaler Bildung, E-Government und der Breitbandversorgung haben wir noch ganz klar Defizite, die wir aber mit zahlreichen Maßnahmen angehen, darunter: die neuen 4.0-Kompetenzzentren, die Cyber-Sicherheitsstrategie, die Gigabit- Initiative, der Digitalpakt für Smart-Schools und das geplante zentrale digitale Bürgerportal. Nach der Bundestagswahl machen wir die Digitalisierung mit einem Digitalminister noch mehr zur Chefsache.

Inzwischen gibt Deutschland drei Prozent seines BIP für Forschung und Entwicklung aus. Wird das in Zukunft reichen?

Auf keinen Fall. Auch wenn wir in Deutschland das 3-Prozent-Ziel der Lissabon-Strategie erreicht haben, mit der Europa „zum wettbewerbsfähigsten, dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt“ werden will – die EU als Ganzes ist von diesem Ziel noch weit entfernt und gibt im Durchschnitt nur rund zwei Prozent des BIP für die Forschung aus. Da hat uns Europäer sogar China inzwischen überholt. Damit Deutschland das europäische Zugpferd in Sachen Innovation bleiben kann, führt kein Weg daran vorbei, dass wir unsere Forschungsausgaben bis spätestens 2025 auf 3,5 Prozent erhöhen. Das haben wir so auch in unserem CDU-Wahlprogramm geschrieben. Dabei wird uns besonders die steuerliche Forschungsförderung helfen, für die ich lange gekämpft habe und die wir in der nächsten Legislaturperiode endlich einführen wollen.

Rückblende zur Eingangsfrage: Was wird von Ihren vielfältigen forschungspolitischen Initiativen als Minister und Politiker bleiben und verlassen Sie den Deutschen Bundestag mehr als Optimist oder als Skeptiker?

Ich bin froh, dass ich als Forschungsminister vieles anstoßen und mitgestalten durfte. In Erinnerung bleibt mir besonders unsere systematische Arbeit daran, die Gründung junger Technologieunternehmen zu erleichtern. Die Gründung der ersten Genzentren als Basis für unsere Aufholjagd in der Biotechnologie. Die Förderung von erneuerbaren Energien in einer Zeit, in der sie fast noch eine Utopie war. Dass ich mithelfen konnte, eine eigenständige europäische und eine starke deutsche Raumfahrt aufzubauen. Dass wir schon direkt nach der Wende die richtigen Weichen für eine gesamtdeutsche Wissenschafts- und Forschungslandschaft gestellt haben, bei der wir viele Kompetenzen der ehemaligen DDR erhalten konnten. All das waren sehr wichtige und bewegende Meilensteine, die bis heute positiv nachwirken. Auch wenn die Herausforderungen sich ständig ändern: Der Erfindungsgeist der Menschen kennt keine Grenzen, und wenn der Staat sie nicht bei ihrer Arbeit stört, bin ich sehr optimistisch, dass wir uns auch in Zukunft immer wieder neu erfinden können.

Die Fragen stellte K. Rüdiger Durth, Korrespondent Berlin, Redaktion Wissenschaftsmanagement

Das komplette Interview und Beiträge zum Schwerpunkt "Ausgründung und Transfer in Deutschland" lesen Sie in der aktuellen Ausgabe vom WISSENSCHAFTSMANAGEMENT.

Foto: CDU/CSU-Fraktion/Martin Url