Auch ohne Studium bieten sich gute Chancen
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Auch ohne Studium bieten sich gute Chancen
Aber ist es nicht von Vorteil, nach einer Handwerks-Ausbildung noch zu studieren? „Von Vorteil schon“, sagt Schwannecke, „wenn die betreffende junge Frau oder der betreffende junge Mann in das Handwerk zurückkehrt.“ Leider habe sich noch immer nicht herumgesprochen, dass der Handwerksmeister heute mit dem Hochschul-Bachelor gleichgestellt sei. Ein gelernter Handwerker mit einem volkswirtschaftlichen Studium ist aus der Sicht des ZDH-Generalsekretärs selbstverständlich bestens für die Leitung eines Handwerksbetriebes geeignet, der oft eine ansehnliche Größe mit vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern habe. Auch ohne Studium bietet eine solide Handwerksausbildung gute Chancen. „Denn das Handwerk hat wieder goldenen Boden unter den Füßen“, zitiert Generalsekretär Schwannecke (selbst von Haus aus Volljurist) ein altes Sprichwort. Und längst sei die Zeit vorbei, in der junge Frauen nur Friseurin, Arzthelferin oder Verkäuferin, junge Männer nur kaufmännischer Angestellter, Tischler oder Kraftfahrzeugmechaniker werden. Schwannecke erinnert beispielsweise an den Boom-Beruf des Hörgeräteakustikers: „Die Menschen werden immer älter und immer mehr Menschen werden durch beruflichen Lärm hörgeschädigt. Der Bedarf an qualifizierten Hörgeräteakustikern wächst weiter.“ Und dies sei nur ein Beispiel von vielen. Verdrängen aber Abiturienten nicht Realschüler, Realschüler die Hauptschüler? Das ist längst vorbei, sagt Schwannecke, denn das Handwerk habe immer größere Mühe, seine offenen Ausbildungsplätze auch zu besetzen. Das gelte insbesondere für den ländlichen Raum und hier vor allem für die neuen Bundesländer. Dabei würden auch dort viele unterschiedliche Handwerker von der älter werdenden Bevölkerung gebraucht. Denn Häuser und Wohnungen seien altengerecht umzubauen. Man brauche Tischler und Installateure, Raumausstatter und Fliesenleger, Kraftfahrzeugmechaniker und Schreiner. Von Dienstleistungsberufen wie Verkäufer oder Verwaltungsangestellte ganz zu schweigen. Auf einen Nenner gebracht: „Barrierefreies Leben wird immer wichtiger. Und ohne Handwerker kann es nicht verwirklicht werden.“ Für Generalsekretär Schwannecke ist es wichtig, das weltweit anerkannte deutsche Duale System zukunftssicher zu machen. Aber wird das Handwerk nicht von der Hauptschule im Stich gelassen, die angeblich sehr viele junge Menschen entlässt, die nicht ausbildungsfähig sind? Schwannecke wehrt sich gegen solche pauschalen Vorurteile und verdammt keineswegs die Hauptschule. Sie könne, ja solle bleiben. Aber viele junge Menschen mit einem schlechten oder gar keinem Schulabschluss haben nach wie vor keine Chance auf eine gute Ausbildung? Schwannecke: „Das ändert sich“. Viele Handwerksbetriebe würden schon heute eine zusätzliche Ausbildung in Rechnen und Deutsch anbieten. Davon würden nicht zuletzt junge Menschen mit Migrationshintergrund profitieren. Denn diese seien auf das Handwerk mit einer zukunftsfesten Ausbildung angewiesen, das Handwerk aber umgekehrt auch auf die jungen Menschen mit Migrationshintergrund, die oft nach einer individuellen schulischen Förderung hervorragende Leistungen erbringen. Schwannecke: „Für uns ist nicht wichtig, woher jemand kommt, sondern allein, wohin er will.“ Wichtig sei gerade für junge Menschen mit Migrationshintergrund, dass sie auch von ihren Familien unterstützt würden. Oft seien die Eltern ablehnend, meinten, schnelles Geldverdienen sei wichtiger. Setzte sich die Tochter oder der Sohn durch und entschließe sich für eine Ausbildung, dann seien es die Eltern, die besonders stolz seien, wenn sie den Gesellen- oder gar den Meisterbrief ihres Kindes in der Hand halten würden.“ Foto: Dieter Schütz/pixelio



















