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Work-Life-Balance – ein unglückliches Konzept?

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Daniela Elsner

Work-Life-Balance – ein unglückliches Konzept?

Anstelle einer Work-Life-Balance in der Wissenschaft: Grenzen setzen, Akzeptanz und Commitment

„Winston‘s working week was sixty hours, Julia‘s was even longer, and their free days varied according to the pressure of work and did not often coincide. Julia, in any case, seldom had an evening completely free.” (Auszug aus George Orwell 1984, Teil II, Kapitel 1). Was George Orwell in seinem Buch 1984 noch als fiktive Vision beschrieb, ist heute für viele Arbeitnehmer:innen Realität. Dabei ist der Wunsch nach einem Gleichgewicht zwischen „Arbeit“ und „Leben“ im Sinne einer „Work-Life- Balance“ auf dem aktuellen Arbeitsmarkt so groß wie nie zuvor, auch in der Wissenschaft.

Foto: privat

Was aber heißt Work-Life-Balance? Was fehlt Wissenschaftler: innen, deren Waage aus der Balance geraten zu sein scheint? Wie lässt sich ein zufrieden stellendes Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Rollen, Anforderungen und Bedürfnissen in einem System herstellen, das seit jeher von fluiden Arbeitszeiten und einer damit verbundenen möglichen Selbstausbeutung, starkem Wettbewerb und wenig Sicherheit geprägt ist? Das Plädoyer dieses Beitrags lautet: Wissenschaftler: innen müssen klare Grenzen setzen und eine Balance finden durch Akzeptanz und Commitment.

„Bin ich gut genug?“

Die Fähigkeit, ein persönlich befriedendes Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben zu finden, stellt für viele Wissenschaftler:innen einen zentralen Lebenswunsch und gleichzeitig eine ihrer größten Herausforderungen dar. Die Ergebnisse einer international ausgerichteten Umfrage zum Thema Work-Life-Balance mit mehr als 2.000 Mitarbeiter:innen verschiedener Universitäten legen offen, dass sich viele Akademiker:innen unterbezahlt und negativ gestresst fühlen. Als Auslöser nennen sie eine stetig ansteigende Arbeitsbelastung, niedrige Bezahlung und die tägliche Anstrengung, das Privatleben mit dem Beruf so zu vereinen, dass aus ihrer Sicht nichts davon zu kurz kommt (Bothwell 2018). Auch der immense Leistungsdruck durch Wettbewerb, hohe Mobilitätsanforderungen, berufliche Unsicherheit durch befristete Verträge, und unzureichende Betreuung führen zu starker psychischer Belastung (Lange/Ambrasat 2022). Die Folgen dieser münden häufig in Selbstzweifeln („bin ich gut genug?“), Zweifeln, ob die wissenschaftliche Laufbahn auf Dauer das Richtige ist (unter anderem Metz-Göckel et al. 2016), Burnout (Haack 2018) und Abbrüchen der wissenschaftlichen Laufbahn (Lange/ Ambrasat 2022).

Was genau heißt Work-Life-Balance?

Der Begriff Work-Life-Balance impliziert, dass es zwei Domänen in unserem Alltag gibt, die einerseits getrennt voneinander betrachtet werden müssen, die es andererseits jedoch gleichmäßig auszubalancieren gilt: Work, also Arbeit, auf der einen Seite, und Life, Leben, auf der anderen. Die Theorie, dass Leben und Arbeit zwei getrennt voneinander zu betrachtende Sphären sind, irritiert: „Ist Arbeit nicht Leben? Leben wir bei und in der Arbeit nicht auch?“ (Haunschild 2020, 917)

Das Fazit lautet: Die Suche nach einer Work-Life-Balance nach Waagschalenart scheint wenig hilfreich, gegebenenfalls sogar kontraproduktiv, um Stress abzubauen. Diese Kritik spiegeln auch aktuelle Konzepte von Work-Life-Balance wider, die sich vom Gleichgewichtsmodell „Arbeit versus Leben“ abwenden (Casper et al. 2018) und die Balance eher in der Konsistenz zwischen Rolleneffektivität, individueller Rollenzufriedenheit und den sich selbst gesetzten Lebensprioritäten sehen (zum Beispiel Greenhaus/Allen 2011).

Individuelle Balance finden durch Grenzen setzen, Akzeptanz und Commitment

Zu Anfang ihrer Trainings zum Thema Work-Life-Balance fragt die Autorin die Teilnehmer:innen regelmäßig, welchen Punktwert sie ihrer Work-Life- Balance auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 10 (besser geht es nicht) beimessen. Die meisten nennen einen Wert zwischen fünf und sieben.

In ihren Trainings lässt die Autorin die Teilnehmer:innen stets ihre drei wichtigsten Werte und ihre wichtigsten Ziele für das folgende Jahr herausarbeiten.

Wer für sich die Fragen „Was ist mir wirklich wichtig?“ und „Was ist wertvoll für mich?“ beantworten kann, wird leichter eine Balance finden zwischen seinen Rollen und Aufgaben. Insbesondere dann, wenn er/sie sich die Antworten auf diese Fragen in schwierigen Situationen vor Augen führt.

Fazit

Die Rahmenbedingungen der Wissenschaft erfordern viel Flexibilität. Wer hier eine persönliche Balance finden will, muss zuerst Klarheit für sich selbst gewinnen, um Grenzen zu setzen. Durch Akzeptanz und Commitment lässt sich in herausfordernden Situationen eine persönliche Zufriedenheit erlangen, ganz ohne Work-Life-Balance.

 

  • Der komplette Artikel ist im ► Onlineshop von Lemmens Medien erhältlich. Den Abonnenten der Zeitschrift Wissenschaftsmanagement steht der gesamte Beitrag in ihren Accounts zum kostenlosen Download zur Verfügung.

 

Professorin Dr. Daniela Elsner arbeitet als systemischer Coach in Frankfurt am Main. Sie coacht schwerpunktmäßig Führungskräfte in Wirtschaft und Wissenschaft. Sie lehrt am Zentrum für Wissenschaftliche Weiterbildung der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz im Studiengang Coaching und übernimmt ab März 2023 den Lehrstuhl für Coaching und Leadership an der VPU Vallendar.

 

Foto: privat