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Meister der Subsidiarität

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Markus Lemmens

Nachruf

Meister der Subsidiarität

Erinnerung an unseren langjährigen Korrespondenten K. Rüdiger Durth

Er ist nicht an Corona – aber während der zweiten Welle der Pandemie in Bonn gestorben: K. Rüdiger Durth ist fast 80 Jahre alt geworden. Der Theologe, ordinierte evangelische Pfarrer, langjähriges Mitglied der Bundespressekonferenz in Bonn-Berlin und Parlamentskorrespondent der Kölnischen-Bonner Rundschau (KR) hat auch viel für uns als Publikation und thematisch für das Wissenschaftsmanagement getan.

Foto: General-Anzeiger Bonn, Ronald Friese

Unsere Zeitschrift hatte durch K. Rüdiger Durth Zugang zur Bundespolitik. Wir erhielten sehr differenzierte Artikel von ihm, die die Welten Forschung-Politik-Gesellschaft schon früh in einen Bezug setzten. Damit schließt sich der Kreis zu Corona. Denn die deutsche Wissenschaftskommunikation hat nach einhelliger Meinung in der Pandemie mit ihrer klaren Sprache, ihrer differenzierten Darstellung der gesellschaftlichen Folgen sowie ihrem Engagement für (echte) Fakten alles richtig gemacht. Und genauso war das pastorale und journalistische Wirken von K. Rüdiger Durth angelegt: klar verständlich, gesellschaftlich engagiert und faktentreu bis ins Detail.

Für einen Politikkorrespondenten seit den frühen 1980er Jahren war es noch nicht üblich, die Sphären Wissenschaft, Politik und Gesellschaft in ihrer Wechselbeziehung zu sehen und darüber regelmäßig zu berichten. Sein KR-Zeitungsressort, das er neben seiner Tätigkeit in der Parlamentsredaktion führte, mag ihn dazu immer ermuntert haben. Es trug den Titel „Kirche und Gesellschaft“. Seismografisch und vorausdenkende Politiker wie der damalige Bundesminister für Forschung und Technologie, Heinz Riesenhuber, erkannten diese Mehrdimensionalität sofort. Durth gewann  auf dem Bonner Parkett dann im Berliner Politikbetrieb ihn, viele weitere Minister, Staatssekretäre und immer wieder Bischöfe beider Konfessionen, die sich alle durch geschicktes Fragen zu teilweise überraschenden und anregenden Zitaten zur Forschung und auch zum Wissenschaftsmanagement bewegen ließen.

Riesenhuber hatte im Interview 2017 Revue passieren lassen: „Ich bin froh, dass ich als Forschungsminister vieles anstoßen und mitgestalten durfte … All das ist nur in einer technologieoffenen Gesellschaft möglich. Wir müssen die Menschen mitnehmen.“

Das war auch die Philosophie von K. Rüdiger Durth. Ihm waren die Menschen, die Verästelungen im Kleinen – sozusagen die Subsidiarität in Lebensentscheidungen wichtig. Darin war er ein Meister. Er dränge nicht ins Licht – war aber immer gesehen und hoch geschätzt. Bundespräsident Johannes Rau verlieh ihm das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. Beide kannten sich gut, schätzten sich theologisch und politisch – beide waren Brückenbauer.

Mehr Offenheit der evangelischen Theologie für moderne Wissenschaften entlockte Durth 2013 Christoph Markschieß, damals Vizepräsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Er kritisierte im Interview, dass die Theologie zu wenig die „revolutionären Entwicklungen“ in Physik, Chemie, Astronomie und anderen Naturwissenschaften zur Kenntnis nehme. Das liege nicht zuletzt daran, dass zu wenig Theologen für ein Gespräch auf Augenhöhe mit den Naturwissenschaften ausgebildet seien. Mit Nachdruck setzte sich Markschieß dafür ein, dass die Kirche qualifizierten Theologen ein naturwissenschaftliches Zweitstudium ermöglichen sollte.

Dem Rektor der Bonner Universität, Michael Hoch, lauschte K. Rüdiger Durth 2019 zu einem seiner letzten Artikel für die Zeitschrift und hielt fest: Der Naturwissenschaftler Hoch lade Theologien und Kirchen ein, ihre wertvolle Sicht auf die Welt und den Menschen einzubringen und füge mit Nachdruck an: „Ich bin der festen Überzeugung, dass dies der Weg sein kann, um dem natürlichen Spannungsfeld von Schöpfung, Skepsis und Forschung nachhaltig zu begegnen, um als Wissenschaft der Verantwortung für die Gesellschaft gerecht zu werden.“

Jürgen Rüttgers, Bundesminister für Bildung und Forschung, bekannte im Interview 2015: „Die Schoah spielt immer eine Rolle und das ist auch gut so. Wir Deutschen tragen dafür eine besondere Verantwortung. Jede Zusammenarbeit hilft Israel und hoffentlich bald auch den Nachbarländern Israels. Israel und Deutschland können gemeinsam viel tun, um vor allem den jungen Menschen im Nahen Osten eine Zukunftschance zu geben.“

K. Rüdiger Durth konnte Israel, das für einen Theologen und ihn persönlich so wichtige Land, leider nicht noch einmal bereisen. Seine Texte, sein Netzwerk und sein menschliches Handeln bleiben – wir werden ihm ein ehernes Andenken bereiten und sagen einfach danke!

Verlag & Redaktion

Foto: General-Anzeiger Bonn, Ronald Friese