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Das Ende der Abendnachrichten?

news

Marius Albiez, Steffen Bauer, Markus Winkelmann, Julian Sann und Constanze Scherz

Wissenstransfer

Das Ende der Abendnachrichten?

Wie sich Kinder und Jugendliche auf dem Laufenden halten

Wie informieren sich Kinder und Jugendliche im ländlichen Raum über aktuelle Entwicklungen? Welche Rolle spielen dabei Soziale Medien, Eltern oder KI-Chatbots? Und welche Verbindungen sehen wir dabei zum öffentlichkeitsnahen Wissenschaftsbetrieb? Diesen Fragen möchten die Autoren:innen in ihrem Beitrag nachgehen. Dabei stützen sie sich auf über 80 Interviews mit Schülerinnen und Schülern in unterschiedlichen Bundesländern und geben Einblicke in aktuelle Forschungserkenntnisse.

 

Foto: Rainer Sturm www.pixelio.de

Kinder und Jugendliche sind eine wichtige Zielgruppe für diejenigen Wissenschaftsbereiche, die gesellschaftliche Belange mitdenken, mit Einzelpersonen und Interessengruppen in Dialog treten und diese an Forschung auf unterschiedlichen Ebenen beteiligen. Dies gilt beispielsweise für Citizen Science (Makuch/Aczel 2018), die Arbeit in Reallaboren (Albiez/König/Potthast 2016), Forschungsarbeiten rund um Unterricht und Schule (Gutbrod 2020), Bildung für Nachhaltige Entwicklung (Carrapatoso et al. 2026) sowie auf übergreifender Ebene für Wissenstransfer (Albiez/Weinberger/Hebich 2024) und Wissenschaftskommunikation (Dernbach/Kleinert/Münder 2013).

Bei der Ansprache und Einbindung von Kindern und Jugendlichen müssen dabei besondere Anforderungen beachtet werden. Zum einen die rechtlichen Vorgaben zum Daten- und Jugendschutz. Hinzu kommen wissenschaftsethische Erfordernisse, etwa dass junge Menschen in Forschungs- und Bildungskontexten nicht überfordert werden dürfen oder Machtkonstellationen von den verantwortlichen Forschenden reflektiert werden müssen. Des Weiteren sollten pädagogische Anforderungen mitgedacht werden, die je nach Altersklasse und sozialen Hintergründen variieren können und die in den jeweiligen Lebenswelten junger Menschen Berücksichtigung finden. Hierzu gehört auch, dass Kinder und Jugendliche eigene Informationszugänge nutzen, um sich über aktuelle Entwicklungen in der Welt zu informieren. Die Art und Weise, wie Kinder und Jugendliche Nachrichten verfolgen oder sich über soziale Medien auf dem Laufenden halten ist dabei aus mehreren Gründen auch für das Wissenschaftssystem relevant. Zu den Berührungspunkten gehören beispielsweise die Beiträge Forschender zu Nachrichtensendungen, etwa indem sie Journalist:innen als Quelle dienen, Recherchen einordnen oder als Expert:innen in Abendnachrichten auftreten. Wissenschaftliche Institutionen liefern auch selbst Inhalte, über die berichtet wird, etwa bei der Veröffentlichung von Studienergebnissen. Des Weiteren bringen sich Forschungseinrichtungen und einzelne Wissenschaftler:innen in gesellschaftliche Debatten ein und nutzen dafür unter anderem eigene Social-Media-Auftritte. Dabei werden zuweilen auch aktuelle Entwicklungen und Trends gezielt aufgegriffen und mit eigenen Forschungsergebnissen verbunden.

Ein weiterer Berührungspunkt sind die Fachrichtungen, die das Verhältnis von jungen Menschen und Informationskanälen untersuchen, etwa sozialwissenschaftliche Forschung zur Verbreitung von „Fake News“ oder die Disziplin der Medienpädagogik. Vor diesem Hintergrund ist insbesondere für den öffentlichkeitsnahen Wissenschaftssektor interessant, wie sich Kinder und Jugendliche über Entwicklungen in der Welt und vor Ort auf dem Laufenden halten. In unserem Beitrag möchten wir deshalb folgender Frage nachgehen: Über welche Kanäle und Wege informieren sich Kinder und Jugendliche über aktuelle Entwicklungen und welche Rückschlüsse lassen sich dabei für den Wissenschaftsbetrieb ziehen? Der Fokus liegt dabei auf jungen Menschen in nicht-urbanen Räumen jenseits von Groß- oder einschlägigen Universitätsstädten.

(…)

Fazit

Abschließend können wir festhalten, dass digitale Angebote, insbesondere Soziale Medien, zur Informationsbeschaffung eine wichtige Rolle spielen, jedoch nur einen Weg von vielen darstellen. Die technischen Möglichkeiten, über die sich Kinder und Jugendliche über aktuelle Entwicklungen informieren, sind vielfältig und in ein Gesamtgefüge aus Elternhaus, Schule und Freundeskreisen eingebettet. Was naheliegend klingt, ist wichtig zu betonen, um gerade Zuspitzungen und vereinfachten Narrativen zu begegnen. Äußerungen wie „Kinder sind Fake News hilflos ausgeliefert“ sind zwar nachvollziehbar, vernachlässigen jedoch die Komplexität der Thematik und überlagern mögliche Ansatzpunkte, auch von wissenschaftlicher Seite, um Kinder und Jugendliche dazu zu befähigen, Nachrichten kritisch einzuordnen. Im Folgenden soll deshalb dargestellt werden, welche Rückschlüsse sich aus den Ergebnissen für den öffentlichkeitsnahen Wissenschaftsbetrieb ableiten lassen.

(…)

Bei den vorliegenden Ergebnissen handelt es sich um erste Analysen der Forschungsdaten. Im Mittelpunkt standen dabei die von uns identifizierten zentralen Antwortkategorien. Darauf aufbauend wurden Schlaglichter herausgearbeitet und Empfehlungen für Forschungseinrichtungen und Wissenschaftler:innen abgeleitet. Diese Befunde und Empfehlungen sollten in Anschlussarbeiten unbedingt vertieft werden, insbesondere in fokussierten Folgeinterviews, die etwa Vergleiche zwischen Stadt und Land oder zwischen unterschiedlichen sozio-demografischen Hintergründen der Kinder und Jugendlichen zulassen.

 

 

   Den kompletten Artikel können Sie weiter unten downloaden.

 

 

Marius Albiez (Dipl.-Geoökol.) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am ITAS (KIT) und beschäftigt sich dort unter anderem mit transdisziplinären Nachhaltigkeitsfragen und zukunftsbezogenen Bildungsthemen. 

Steffen Bauer, (M. Phil.) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am ITAS (KIT) und forscht zu Fragen der Technikfolgenabschätzung und zukunftsbezogenen Bildungsthemen. 

Markus Winkelmann (MA. Soziologie) ist Forscher am ITAS (KIT). Schwerpunktthemen sind Nachhaltige Entwicklung, gesellschaftliche Wirkung von Forschung, Ernährungsverhalten sowie transdisziplinäres Arbeiten und Energiethemen. 

Julian Sann ist wissenschaftliche Hilfskraft am ITAS (KIT) und studiert Europäische Kultur und Ideengeschichte im Master am KIT. Interessenfelder sind politische Zeitgeschichte, Mobility Studies sowie Umweltgeschichte. 

Constanze Scherz (Dipl.-Sozialw.) ist stellvertretende Institutsleiterin des ITAS am KIT. Sie forscht unter anderem zu Zukunftsdiskursen sowie zu Methoden und Impact des Wissenstransfers.