Ergänzende Säule regionaler Strukturpolitik
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Private Hochschulen
Ergänzende Säule regionaler Strukturpolitik

Die regionale Wirtschaftsentwicklung bleibt in Deutschland eine zentrale politische Herausforderung. Insbesondere für weniger städtisch geprägte Räume richtet sich die Aufmerksamkeit auf Institutionen, die lokale wirtschaftliche Impulse setzen können (BMWK 2024). Hochschulen gelten dabei seit Langem als mögliche Treiber regionaler Entwicklung. Für öffentliche Wissenschaftseinrichtungen ist dieser Zusammenhang bereits gut dokumentiert (Krieger 2024; Lehnert et al. 2022; Comin et al. 2019; Schubert/Kroll 2016). Ob jedoch auch private Hochschulen einen vergleichbaren Beitrag leisten, war bislang empirisch wenig untersucht. Dies ist insbesondere interessant, da private Hochschulen in Deutschland in ihrer großen Mehrzahl relativ junge Organisationen sind und daher weniger stark regional verankert sein können als öffentliche Volluniversitäten, die in nicht wenigen Fällen auf eine jahrhundertelange Historie zurückblicken.
Private Hochschulen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich ausgeweitet. Mehr als 80 Prozent von ihnen wurden erst nach 1990 gegründet. Im Jahr 2025 existierten 108 private Hochschulen, die 28 Prozent aller Hochschulen in Deutschland ausmachten und 14 Prozent aller eingeschriebenen Studierenden auf sich vereinten (Wissenschaftsrat 2025). Anders als die meisten öffentlichen Volluniversitäten betreiben private Hochschulen häufig mehrere Campusstandorte in unterschiedlichen Gemeinden.
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Fazit
Private Hochschulcampi können zur regionalen Wirtschaftsentwicklung in Deutschland beitragen. Die empirische Evidenz zeigt positive Effekte auf die lokale wirtschaftliche Aktivität, die jedoch regional differenziert betrachtet werden müssen. Entscheidungstragende in Hochschulen sollten insbesondere in intermediären und ländlicheren Regionen ihren Anspruch als relevante lokale Akteure selbstbewusst vertreten. Für die Regionalpolitik empfiehlt sich, private Hochschulen als langfristig wirkende Entwicklungsfaktoren in strukturschwächeren Räumen einzubeziehen – jedoch ohne kurzfristige Effekte zu erwarten. Die fehlenden Spillover-Effekte unterstreichen zudem die Bedeutung einer gezielten lokalen Einbettung der Campusstandorte.
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Dr. Bastian Krieger ist seit 2017 am ZEW Mannheim tätig und leitet dort seit 2023 die Nachwuchsforschungsgruppe „Co-Creation“. Er wurde an der Universität Luxemburg promoviert und ist Gastwissenschaftler an der Technischen Universität München. Weitere Stationen führten ihn unter anderem an die KU Leuven, die ETH Zürich und die DHBW.
Dr. Henning Kroll ist seit 2006 am Fraunhofer ISI beschäftigt. Seit 2019 ist er Geschäftsfeldleiter in der Abteilung Innovationsund Wissensökonomie. Daneben arbeitet er als Privatdozent am Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz Universität Hannover. Seine Arbeitsschwerpunkte beinhalten Wissenschaftsforschung und Regionalanalysen.
Dr. Torben Schubert ist seit 2005 am Fraunhofer ISI beschäftigt. Seit 2019 ist er stellvertretender Leiter der Abteilung Innovations- und Wissensökonomie. Daneben arbeitet er als Associate Professor bei CIRCLE – Centre for Innovation Research, Department of Design Sciences (LTH), Universität Lund, Schweden.
Linus Strecke ist seit 2023 Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“, Teil der Nachwuchsforschungsgruppe „Co-Creation“ und Doktorand an der TU Berlin.



















