Qualität jenseits der Akkreditierung
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Wissenschaftsadministration
Qualität jenseits der Akkreditierung

Die administrative Steuerung von Hochschulen stützt sich auf ein differenziertes Gefüge von Entscheidungs- und Steuerungsmechanismen. Dazu gehören beispielsweise Budgetierungsprozesse, Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit Fakultäten, interne Prüf- und Revisionsverfahren, strategische Entwicklungsplanungen sowie unterschiedliche Berichts- und Rechenschaftsformate gegenüber Hochschulleitung und Ministerium.
Diese Instrumente prägen die administrative Praxis der Hochschulen und schaffen Verbindlichkeit. Gleichwohl wirken sie häufig nicht als integriertes System. Berichtswesen, Prozessbeschreibungen, Zieldefinitionen und Gremienentscheidungen folgen eigenen Logiken und Entscheidungszyklen und greifen nicht immer systematisch ineinander.
Diese Konstellation ist weder primär Ausdruck eines Steuerungsdefizits noch allein das Ergebnis gewachsener Organisationsformen. Sie ergibt sich aus rechtlichen Bindungen, funktionaler Differenzierung und gremienbasierten Entscheidungsstrukturen sowie aus Verfahren, die sich über Jahre etabliert haben und fortgeschrieben werden.
Für den Bereich von Studium und Lehre ist hingegen ein klar definierter Rahmen der Qualitätssicherung etabliert. Das Akkreditierungsrecht schafft regelmäßige Prüfzyklen, festgelegte Kriterien und eine strukturierte externe Rückkopplung. Dadurch entsteht eine institutionalisierte Form der Qualitätssicherung, die Transparenz, Vergleichbarkeit und regelmäßige Evaluation ermöglicht.
Für die Wissenschaftsadministration existiert ein vergleichbarer Rahmen bislang nicht. Zwar stehen zahlreiche Steuerungs- und Berichtsinstrumente zur Verfügung, doch sie greifen häufig nicht systematisch ineinander. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie vorhandene Instrumente so zusammengeführt werden können, dass sich die Transparenz erhöht und administrative Steuerungsprozesse konsistenter gestaltet werden. Ein Qualitätsmanagementsystem kann hierfür einen strukturellen Orientierungsrahmen bieten (DIN EN ISO 9001).
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Fazit
Im Bereich von Studium und Lehre hat sich durch das Akkreditierungsrecht ein verbindlicher Qualitätssicherungsrahmen etabliert. Die Studienakkreditierungsverordnungen der Länder, externe Begutachtungen und regelmäßige Reakkreditierungen schaffen klare Prüfzyklen und eine strukturierte externe Rückkopplung.
Für die Wissenschaftsadministration bestehen ebenfalls verbindliche Rahmenbedingungen. Rechtsstaatliche Prinzipien, haushaltsrechtliche Vorgaben und ministerielle Berichtspflichten sorgen für Verbindlichkeit und Kontrolle. Was jedoch bislang fehlt, ist ein übergreifender Zusammenhang, der die unterschiedlichen Steuerungsinstrumente der Wissenschaftsadministration systematisch aufeinander bezieht.
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Qualität jenseits der Akkreditierung meint daher keine Konkurrenz zu bestehenden Qualitätssicherungsmechanismen. Beide Ansätze verfolgen unterschiedliche Funktionen, ergänzen sich jedoch in ihrer Wirkung. Während das Akkreditierungssystem Qualität in Studium und Lehre strukturell sichert, kann ein Qualitätsmanagementsystem, etwa auf Grundlage der DIN EN ISO 9001, in der Wissenschaftsadministration die organisatorischen Voraussetzungen dafür stärken.
Erst im Zusammenspiel beider Perspektiven entsteht eine Hochschule, deren wissenschaftliche Qualität und administrative Leistungsfähigkeit sich gegenseitig stützen.
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Henning Rudewig ist Kanzler der Hochschule Ravensburg-Weingarten und Mitglied des Vorstands des Promotionsverbands Baden-Württemberg. Er beschäftigt sich mit Fragen der Hochschulsteuerung, insbesondere mit Qualitätsmanagement, Prozessmanagement und Digitalisierung in der Wissenschaftsadministration. Foto: RWU



















