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Haben wir genug Raum für risikoreiche Forschung in Deutschland? – die Zweite!

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Aktuelle Diskussion

FORSCHUNGSRISIKO II

Haben wir genug Raum für risikoreiche Forschung in Deutschland? – die Zweite!

Prof. Dr. rer. physiol. Dr. h. c. Ulrike Beisiegel, Präsidentin der Georg-August-Universität Göttingen, Senatorin der Leibniz-Gemeinschaft, Senatorin der Max-Planck-Gesellschaft, Vizepräsidentin der Hochschulrektorenkonferenz

Die intendierte und einfache Antwort wäre wohl: Wir brauchen in Deutschland mehr Raum (und mehr Geld) für risikoreiche Forschung, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen! In dieser spannenden Frage stecken aber für mich mehrere Teilaspekte, die es zu sortieren gilt, um eine differenzierte Antwort geben zu können. Was ist risikoreiche Forschung? Wer bestimmt, wie viel Raum ausreichend ist? Und ist die Situation in Deutschland anders als in anderen Ländern?

Foto: Christoph Mischke/Uni Göttingen

Forschung trägt immer das Risiko, keine, keine eindeutigen oder nicht die erwünschten Ergebnisse zu erzielen. Wird sie deswegen als risikoreich betrachtet? Bei Forschung an visionären experimentellen Großprojekten wird ein finanziell beachtliches Risiko eingegangen – sollte diese Forschung eingestellt werden? Gibt es Risiken, die sich aus Forschung am Menschen ergeben, die gegen Paragraf 1 des Grundgesetzes verstoßen? Gibt es Risiken in gesellschafts- oder geisteswissenschaftlicher Forschung? Diese Fragen zeigen, dass es keine einfache Antwort auf die Frage nach der Definition risikoreicher Forschung gibt. Die Einschätzung des Risikos kann demnach nur direkt für die entsprechenden Projekte vorgenommen werden. Allgemein birgt die Suche nach wirklich neuen Erkenntnissen immer ein Risiko, daher ist solche Forschung auch immer risikoreich. Es muss so, bei aller gewünschten Freiheit der Forschung, in unserer Gesellschaft auch abgewogen werden dürfen, ob die Idee, das Projekt das Risiko wert ist.

Gibt es in Deutschland weniger Raum für risikoreiche Forschung als in anderen Ländern? Grundsätzlich ist die Forschungsförderung in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sehr gut, und auch international können wir manchen Vergleich gut aushalten. Wir haben verschiedene Forschungsorganisationen, die von der Grundlagenforschung über Großforschungseinrichtungen bis zur direkt angewandten Forschung alle notwendigen Ebenen bedienen. Es gäbe also ausreichend Raum auch für risikoreiche Forschung. Nutzen wir diesen Raum, beziehungsweise wer schränkt uns ein? Meine Gedanken dazu sind: 1. Das Entscheidende bei jeder Forschung ist die Qualität, und wenn diese im Forschungsansatz erkennbar und ein Bewusstsein für das Risiko vorhanden ist, gibt es auch bei uns immer Wege, die Forschung durchzuführen. 2. Ein Teil der jüngeren Generation von Forschenden sieht sich nicht mehr im Elfenbeinturm, hat eine größere gesellschaftliche Einbindung und erkennt die zum Teil auch hausgemachten globalen Probleme (oft Herausforderungen genannt). Diese Generation empfindet eine größere Verantwortung für das, was sie erforscht, und ist vielleicht dadurch weniger risikoaffin.

Die Forschung in Deutschland wird oft als wenig innovativ gesehen, als konservativ und wenig risikofreudig. Da kommt es dann auf den Vergleich an: Ja, in den USA zum Beispiel gibt es mehr Großprojekte und Innovationszentren, und daraus entstehen häufig völlig neue Technologien. Die Gesellschaft profitiert davon. Sie lebt aber auch mit den unabsehbaren (oder doch absehbaren?) möglichen negativen Nebeneffekten. Geht es der amerikanischen Gesellschaft dadurch besser als uns? Die ungeliebte und unmoderne „Technikfolgeabschätzung“ (oder hier besser: Risikoabschätzung) sollte vielleicht doch zu risikoreicher Forschung dazugehören.

Fazit
Für mich heißt das zusammengefasst: Auf Erkenntnisgewinn ausgerichtete Forschung ist immer risikoreich, und sie ist wichtig für den Fortschritt unserer Gesellschaft. Wir brauchen Raum für diese Forschung – aber wir brauchen auch Zeit für die Bewertung der Forschungsergebnisse und die Abschätzung ihrer möglichen Wirkung bei der Anwendung.

Ja, wir brauchen Raum für qualitativ hochwertige, risikoreiche Forschung in Deutschland und wir sollten unser „konservatives“ Wissenschaftssystem dazu nutzen, die Ergebnisse dieser Forschung für eine gesunde und nachhaltige Entwicklung unserer Welt klug umzusetzen.

Den ausführlichen Kommentar und Beiträge zum Schwerpunkt "Optimierung der Rahmenbedingungen für F&E-Projekte" lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von WISSENSCHAFTSMANAGEMENT.

Foto: Christoph Mischke/Uni Göttingen