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Boston in deutscher Hand

news

Markus Lemmens, New York

Personalgewinnung

Boston in deutscher Hand

European Career Fair 2014: weniger Amerikaner, mehr internationales Interesse und besser vorbereitete Kandidaten

Talente begeistern. Talente bewegen. Zahlreiche internationale Hochschul- und Wissenschaftspublikationen suchen in der Personalvermittlung neue Geschäftsfelder. Die Zeitschrift Nature beispielsweise lädt im Mai zur ersten amerikanischen Naturejobs Career Fair ein. Im September soll eine zweite Messe in Großbritannien folgen. Die Wochenzeitung Chronicle of Higher Education bietet seit einigen Monaten mit Vitae einen Service im Netz an, der zu vier Themenfeldern vakante Positionen und Kandidaten zusammenbringt: Forschung, Administration, Leitung und Tätigkeiten außerhalb der akademischen Welt. In dieser Entwicklung zeigt sich die ECF bereits als eine Marke rund um die transatlantische Talentsuche: Die 18. Auflage der European Career Fair hat zu Jahresbeginn über 90 Firmen und Hochschulen sowie Wissenschaftsorganisationen an das MIT nach Boston bewegt. Die deutschen Aussteller sind mit dem Ergebnis zufrieden. Auch in diesem Jahr stellten sie die größte Gruppe. „Die Quantität der Gespräche hat abgenommen – aber die Qualität der Interessenten ist eindeutig gestiegen.“ Das ist der Tenor.

Bild: Thomas Stallkamp/pixelio

Die European Career Fair in Boston ist alljährlich ein früher Indikator im transatlantischen Wissenschaftsjahr.

 

 

 

 

 

In der Sporthalle des „MIT Engineering“-Gebäudes ist innerhalb der 400-Meter Laufbahn Anfang Februar dunkles Tuch im Gewimmel weithin sichtbar. Die Absolventen der großen US-Universitäten Harvard, des MIT, Yale und viele andere zeigen sich den europäischen Firmen und Hochschulen sowie Wissenschaftsorganisationen überwiegend offiziell gekleidet. In dunklen Anzügen oder Jackenkleidern steuern viele die großen Namen an: BMW, Henkel, Bayer, Roche und TomTom – die Unternehmen bieten Jobs, das zieht an. Aber die Wissenschaft ist nicht weniger attraktiv.

Reputation weit in die USA

Die ECF strahlt weit auf den amerikanischen Kontinent aus. Bis in den mittleren Westen, hinein in den Norden nach Kanada und entlang der Ostküste ist das Kürzel über die vergangenen Jahre stetig sichtbarer geworden. Das berichten Teilnehmer einhellig. Sie nehmen zum Teil lange Wege nach Boston in Kauf. Der DAAD – Deutscher Akademischer Austauschdienst – und das BMBF – Bundesministerium für Bildung und Forschung – unterstützen die deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen, um an der ECF teilnehmen zu können.

Ein graduierter PhD hält mit einem Kaffee in einer Warteschlange inne: „Das ist seit Jahren die Gelegenheit, Stellen in Europa und Deutschland zu sichten. Ich möchte in die Luft- und Raumfahrt und nach Deutschland“, sagt er. Gut, dass die Helmholtz-Gemeinschaft in Boston vertreten sei und zum DLR – dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt – vermitteln könne. Er sei gut informiert und möchte nach Köln oder Oberpfaffenhofen, zwei der DLR-Standorte, sagt er. Aber im Moment steht er bei BMW in der Reihe. Auch das ist die ECF – eine Marketingplattform für die in Deutschland gut entwickelte Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Die Ingenieurwissenschaften gepaart mit Managementwissen und Kreativität – darauf schauen US-Experten und -Absolventen gleichermaßen. Dafür steht gegenwärtig Deutschland. Und immer häufiger fällt in diesem Zusammenhang auch das Fraunhofer-Modell mit dem Schulterschluss zwischen angewandter Forschung und Industrie.

Zurück zum wartenden PhD. „Ich bin auch deshalb von BMW begeistert, weil das Unternehmen nachhaltige Mobilitätskonzepte entwickelt und nicht nur Autos baut.“ Die Medien in den USA sehen das ähnlich: Dass BMW die US-Bobnationalmannschaft nach über 60 Jahren wieder zu einer olympischen Medaille in Sotschi führte, ist nicht nur ein PR-Erfolg für das Unternehmen. Die Münchner hatten einen Hightech-Bob konzipiert, in den auch beträchtliches Forschungswissen eingeflossen ist. Sie haben damit gezeigt, dass sie auch über Kufen Geschwindigkeit erzeugen können. Neue Wege gehen, das zieht den Nachwuchs nach Deutschland. Bei Henkel und Bayer gibt es vergleichbare Beispiele.

„Innovationen entstehen an den Grenzflächen der Themen und in Kooperationen zwischen akademischer und privatwirtschaftlicher Welt.“ Das ist eine Aussage, die sich in Abwandlung durch viele Präsentationen deutscher Firmen, regionaler Organisationen wie Berlin Partner oder Baden-Württemberg International, die ihre Wissenschafts- und Innovationsstandorte beschreiben, zieht. In den Diskussionen auf der ECF wird häufig die positiv veränderte Lage in der deutschen Wissenschaft zitiert. Nicht zuletzt bietet das Land Studierenden bis zu einem Jahr nach dem Abschluss ein Bleiberecht – das ist weltweit spitze.

Deutsche Reformen und Finanzen stimmen

Die Reformen und Maßnahmen können die fast 4.000 Besucher der Messe natürlich nicht genau benennen. Eine gute Atmosphäre gegenüber Deutschland ist aber überall in der Halle spürbar. An den Ständen, in vertieften Einzelgesprächen und den Präsentationen zeigt sich, dass die finanziellen Zuwächse auf der anderen Seite des Atlantiks wahrgenommen werden. Lindsay Murrells, Graduate Program Manager im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg, sagt: „Wir sehen viele deutsche Forscherinnen und Forscher, die zurückwollen und die wissen, dass die Forschung in Deutschland vergleichsweise gut ausgestattet ist.“ Das DKFZ ist erstmals mit einem Stand auf der ECF und äußert sich „sehr zufrieden“. Am DKFZ-Stand gab es verschiedene Stellenofferten für alle Karrierestufen. Die Mehrheit der Besucher hat sich zwar für Nachwuchsgruppenleiter-, Postdoc- und PhD-Stellen interessiert, viele Studenten haben sich aber auch nach Angeboten für Auslandspraktika erkundigt.

Die DKFZ-Linie, mit der ECF-Präsenz anschließend zu Initiativ-Bewerbungen anzuregen und dadurch die Marketing-Bemühungen einzulösen, wird auch vom Fraunhofer MOEZ, Leipzig, bestätigt. Daniel W. Bloemers, Strategiebeauftragter im MOEZ, erklärt: „Initiativ- Bewerbungen kommen in hohem Maße herein.“ Mit dem internationalen Marketing auf der ECF lenke das MOEZ den Blick auch auf die Themen Politische Wissenschaft, Wirtschaft und Technologiemanagement innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft, die insgesamt eher für Technologie stehe. Interessant sei eine Beobachtung 2014 – so Bloemers –, dass zunehmend Nachwuchskräfte in den USA, die aus Lateinamerika sowie anderen Ländern kommen, nach einer Graduierung beispielsweise am MIT die nächste Qualifikation in Europa oder Deutschland anstrebten. Barbara Schray ergänzt. Sie vertritt das Internationale Personalmarketing der RWTH Aachen. „Nach meinem Eindruck sind in 2014 nicht signifikant weniger Amerikanerinnen oder Amerikaner an einer Postdoc-Phase in Europa oder Deutschland interessiert als beispielsweise im Vorjahr. Allerdings ist das Messepublikum insgesamt sehr international und es zeigte sich erneut wie global die wissenschaftliche Karriere inzwischen ist.“

Strukturierte Karrierewege

Strukturell sind aber gerade den deutschen Hochschulen die Hände gebunden. Die gute finanzielle Ausstattung der außeruniversitären Forschung gibt es dort nur selten. Zudem fehlen noch international vergleichbare Karrierewege. Krista Schölzig, Koordinatorin Graduiertenakademie für Technologie und Innovation an der Technischen Universität Hamburg- Harburg (TUHH), kommt auf der ECF „mit hochqualifizierten Nachwuchskräften ins Gespräch“. Sie kennt aber auch die Pausen, die beim Thema eines planbaren Nachwuchsweges in der Wissenschaft plötzlich entstehen. „Die deutsche Junior-Professur ohne Tenure Track ist keine Perspektive für amerikanische Interessenten.“ Was motiviere also Wissenschaftler, nach Deutschland zu gehen, fragt Krista Schölzig gleichzeitig. Es sei eine Mischung von Gründen, bei der auch die Angebote der Graduierten- oder Professional Schools eine immer wichtigere Rolle spielten. An der TUHH werde seit 2013 eine solche Akademie aufgebaut. Fähigkeiten im generellen Management sowie im speziellen Wissenschaftsmanagement würden den rund 600 Promovierenden vermittelt und als Profilelement international kommuniziert.

Internationale Erfolge beginnen auf dem heimischen Campus. Davon ist Arnim Heinemann, Leiter des International Office der Universität Bayreuth, überzeugt. Er erlebt 2014 eine sehr gute ECF. Aber er geht auch weite und neue Wege. „Alle Professoren, deren Interessen wir hier an den drei Tagen vertreten und nach Nachwuchs Ausschau halten, sind sozusagen Stand-by – wir haben uns vorher eng abgestimmt“, erklärt er. Trotz Zeitverschiebung sendet Heinemann Lebensläufe, die er im Gespräch am Stand erhält, sofort nach Bayreuth. Die Wissenschaftler reagierten schnell. Bei einem Bayreuther „Go“ führt er ein zweites Gespräch mit der Kandidatin oder dem Kandidaten. Er greift den Wissenschaftlern fern der Uni nicht vor – bei ihnen liegt die letzte Entscheidung. Aber durch diese Stufen im Prozess klären sich die gegenseitigen Erwartungen. „Und vielleicht geht dann alles ganz rasch und eine ECF-Messe hat sich wieder gelohnt“, sagt Heinemann und vertieft sich erneut in die Personalgewinnung.

 

Diesen Beitrag und das Schwerpunktthema „Interessenvertretung der Wissenschaft" finden Sie der aktuellen Ausgabe von WISSENSCHAFTSMANAGEMENT.

Bild: Thomas Stallkamp/pixelio