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Angewandte Wissenschaften im Aufwind

news

Interview mit Britta Schumacher, UAS7-Büro New York

Brückenprogramme

Angewandte Wissenschaften im Aufwind

HRK-Votum: Hilfe für die nationale und internationale Reputation

Aus dem Senat der HRK-Hochschulrektorenkonferenz kommt Unterstützung: Die Fachhochschulen (FH) in Deutschland – die sich zunehmend Universities of Applied Sciences (UAS) nennen – sollen nach HRK-Forderung Mittel erhalten, um eigene Förderprogramme zum Aufbau von Nachwuchs-Professorenstellen einrichten zu können. Postdocs von Universitäten könnten so auf eine Teilzeitstelle an die FH wechseln und gleichzeitig in einem Unternehmen beruflich qualifiziert werden beziehungsweise dort anwendungsorientiert forschen, sagte Andreas Zaby, Präsident der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) und Vorsitzender des bundesweiten Hochschulverbundes UAS7 gegenüber dem Tagespiegel, Berlin. Gefragt seien drei- bis sechsjährige Brückenprogramme. Ebenso notwendig seien spezielle Promotionskollegs und hochschuldidaktische Qualifizierungen für hochqualifizierte Berufspraktiker. Im Interview mit Wissenschaftsmanagement beschreibt Britta Schumacher, Direktorin des UAS7-Büros in New York, die Chancen, die sich durch das HRK-Signal aus ihrer USA-Erfahrung ergeben.

Bild: pixabay

Brückenprogramme zur Gewinnung von Nachwuchskräften und zunehmende Attraktivität des FH-Modells – „Eine FH-Professur bietet Strukturen, unter denen man Karriere und Familie oft einfacher unter einen Hut bekommt.“ Bild: pixabay

 

Inwieweit unterstützt die jüngste HRK-Forderung Ihre Arbeit in Nordamerika?

Das ist auch aus dem transatlantischen Blickwinkel eine positive Entwicklung. Wir werben ja auch hier in Nordamerika für die Fachhochschulprofessur. Unsere Zielgruppen sind sowohl deutsche Wissenschaftler, die derzeit in den USA beschäftigt sind als auch nordamerikanische Wissenschaftler, die wir mit dem Angebot „FH-Professur“ erst nach Deutschland holen wollen. Wenn es bei den Beratungsgesprächen dann aber um die Frage der Qualifikationen geht, stolpern viele über die erforderliche Industrie- und Unternehmenserfahrung. Viele junge Wissenschaftler haben zwar veröffentlicht, geforscht und/oder gelehrt, aber die konkrete Industrieerfahrung von drei bis fünf Jahren fehlt sehr häufig. Die Option auf eine FH-Professur kann dann oft nur im Kontext eines Langzeitprojekts gedacht werden, weil viele erst noch entsprechende Praxiserfahrung sammeln müssen, bevor über eine Bewerbung überhaupt nachgedacht werden kann. Das verunsichert und dämmt den Enthusiasmus. Wenn die FH nun eigene Programme zur Gewinnung von Nachwuchskräften aufziehen, die international ausgerichtete Zugangswege für junge Nachwuchswissenschaftler eröffnen, dann würde das ein ganz neues Angebotsspektrum für unsere Beratung hier schaffen, sowohl für potenzielle Rückkehrer aus Deutschland als auch für nordamerikanische Wissenschaftler. Nicht zuletzt aber auch für hochqualifizierte Kräfte aus der Wirtschaft.

Welchen Bekanntheitsgrad hat das FH-Modell unter jungen Nachwuchskräften in Deutschland bisher erreicht?

Fachhochschulen, beziehungsweise Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) haben in Deutschland einen hohen Bekanntheitsgrad, schließlich sind sie ja gegenüber den Universitäten in der Mehrzahl und spezialisieren sich auf anwendungs- und praxisorientierte Forschung und Lehre. Bei öffentlichen und wissenschaftspolitischen Debatten über Karrierewege als Professorin oder Professor steht allerdings immer noch die Universitätskarriere im Mittelpunkt, was erstaunlich ist, da mittlerweile über 40 Prozent aller Professor in Deutschland an einer FH oder HAW angestellt sind (1). Im selben Zuge ist vielen promovierten Nachwuchskräften die Option einer Professur an einer FH oder HAW einfach noch nicht hinreichend bekannt, obwohl das Interesse allgemein sehr hoch ist. Genau das stellen wir von UAS7 seit einigen Jahren auch immer wieder auf der jährlichen GAIN-Konferenz für rückkehrwillige deutsche Wissenschaftler aus Nordamerika fest. Auch 2016 haben wir dort (gemeinsam mit der Hochschulallianz für den Mittelstand, HAfM) einen Workshop zum Thema „Karriere als Professor/in an einer HAW/FH“ angeboten, der auf großes Interesse stieß. Dennoch wird auch deutlich, dass viele dieser Wissenschaftler (mit Ausnahmen) oft zunächst an eine klassische Unikarriere denken. Neben den bereits angesprochenen Brückenprogrammen ist demnach auch in Deutschland kontinuierliche Aufklärungs- und Informationsarbeit (ähnlich wie bei der GAIN) wichtig, um eine FH-Professur und die damit verbundenen Vorteile nachhaltig präsent zu machen.

Was sind die Vorteile? Was macht eine Karriere an einer Fachhochschule so attraktiv?

Zunächst einmal muss man sich bewusst werden, dass es an deutschen FH aktuell einen sehr hohen Bedarf an Nachwuchskräften aus Wirtschaft und Wissenschaft gibt. Die hohe Nachfrage umfasst nahezu alle Fachbereiche, besonders aber die Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften, beziehungsweise die MINT-Fächer. Vor allem sind hier auch Frauen stark nachgefragt, da sie an Fachhochschulen häufig unterrepräsentiert sind. Diese Fülle an Jobangeboten ist an sich natürlich schon ein sehr großer Vorteil, weil junge Wissenschaftler hier quasi „umworben“ werden (2). Das schafft Mut und Enthusiasmus. Zudem bietet eine FH-Professur sehr oft feste und unbefristete Stellen, die mit einer Verbeamtung einhergehen. Das ist vor allem für diejenigen attraktiv, die einen sicheren und planbaren Lebensweg einschlagen möchten, um zum Beispiel wissenschaftliche Karriere und Familie unter einen Hut zu bekommen. Bei den (oft befristeten) Unistellen oder auch in der freien Wirtschaft stellt dies oft eine große Hürde da. Hinzu kommt aber auch, dass eine Professur an der FH häufig individuell gestaltbar ist. Auch wenn der Fokus zunächst auf der Lehre liegt (und Spaß und Leidenschaft an der Lehre muss man mitbringen), lässt sich ein Teil des Lehrdeputats mit der Zeit durch Forschungs-und Drittmittelprojekte ersetzen. Gerade im Bereich „Internationalisierung“ fällt mir immer wieder auf, wie Professoren und Professorinnen ihrer Arbeit an der FH eine ganz individuelle Note verleihen, zum Beispiel durch die Gründung internationaler Forschungsinstitute, dem Aufbau bilateraler Hochschulpartnerschaften, der Organisation internationaler Fachkonferenzen und Exkursionen sowie durch Publikationen und Forschungsanträge mit internationalen Kollegen – all das ist unglaublich spannend und an einer (von der Größe her) überschaubaren FH relativ unkompliziert und unbürokratisch umzusetzen.

Zurück zu den geplanten Programmen – wie könnten diese denn konkret aussehen und was für einen Anreiz hätten sie zum Beispiel für rückkehrwillige deutsche Wissenschaftler aus Nordamerika?

Nach dem gemeinsamen Workshop auf der GAIN-Tagung und nach Bekanntwerden der Empfehlung des Wissenschaftsrates und dem Entschluss der Hochschulrektorenkonferenz hat UAS7 gemeinsam mit der Hochschulallianz für den Mittelstand (HAfM) konkrete Vorschläge für derartige Programme unterbreitet. Ein Vorschlag ist unter anderem die Einführung eines „Professional Tenure Track“ (3), wobei Wissenschaftler nach ihrer Promotion für rund drei Jahre an einem Unternehmen angestellt sind, um dort ein (mit Hochschule und Unternehmen geplantes) Forschungsprojekt zu erarbeiten. Neben der zeitgleich stattfindenden Lehre an der Hochschule könnte so die für eine FH-Professur nötige Berufserfahrung gesammelt und der wissenschaftliche Nachwuchs optimal für eine bereits zu Anfang definierte Stellenausschreibung vorbereitet werden. Die beiden Hochschulallianzen sprechen sich zudem für kooperative Promotionskollegs aus (4). Diese wiederum zielen auf die Gruppe der bereits beruflich erfolgreichen Personen, um sie an den Hochschulen über anwendungsorientierte Forschungsprojekte und hochschuldidaktische Kurse wissenschaftlich zu qualifizieren. Derartige Programmoptionen würden auch für die Arbeit hier in Nordamerika eine große Hilfe sein. Nicht nur würden sie das Programmangebot erweitern, sondern sie würden genau die professionellen Lücken füllen, die Nachwuchskräfte in unseren Beratungsgesprächen oft benennen: mangelnde Berufserfahrung (im Falle der Nachwuchswissenschaftler) oder mangelnde wissenschaftliche Qualifikationen (im Falle der Nachwuchskräfte aus der freien Wirtschaft). Für rückkehrwillige deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Nordamerika, die ich hier berate, wären das sicherlich überzeugende Argumente für eine FH-Professur in Deutschland. Ob dieselben Angebote aber auch für meist englischsprachige nordamerikanische Wissenschaftler und Nachwuchskräfte überzeugend sein können, hängt davon ab, wie international diese Programme (vor allem in der Zusammenarbeit mit Unternehmen) letztlich aufbaut werden können.

Die Fragen stellte die Redaktion Wissenschaftsmanagement

Dr. Britta Schumacher
leitet das New Yorker Verbindungsbüro der UAS7, ein strategisches Bündnis von sieben führenden Fachhochschulen Deutschlands.

Quellen:
(1) http://www.uas7.de/fileadmin/Dateien/UAS7_wissenschaftlicher_Nachwuchs.pdf
(2) http://www.tagesspiegel.de/wissen/fachhochschulen-als-professorin-umworb...
(3) http://www.hochschulallianz.de/fileadmin/dateien/Positionspaper_Professi...
(4) http://uas7.de/24-10-2016.175.0.html

Bild: pixabay