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Innovationsrendite-Formel und Innovationsrendite-Kalkulator

news

Gerhard Hube

Innovationen

Innovationsrendite-Formel und Innovationsrendite-Kalkulator

Entwicklung einer Bewertungsmethode für Innovationsideen beziehungsweise -projekten

Die Diskussion über die große Bedeutung und hohe Wirksamkeit von Innovation für das Überleben von Unternehmen (Maaß/May-Strobl 2016, 1), insbesondere im mittelständischen Bereich (Kaschny et al. 2015, 15) und sogar für Gesellschaften als Ganzes wird sowohl aktuell als auch seit einigen Jahrzehnten intensiv diskutiert (OECD 2018, 3). Aufbauend auf der ersten Arbeit zur Innovationsstatusformel (Hube 2022, 208–227), in der die „Aggregatzustände“ „War“ und „Ist“ einer Innovation behandelt wurden, soll nun daran anknüpfend der Aggregatzustand des „Werden“ als zukünftiges Potenzial von Innovationsideen beziehungsweise -projekten analysiert werden.

Foto: privat

Diese Entwicklung hin zu erfolgreichen Lösungen am Markt ist eine große Herausforderung und im Ergebnis zeigen sich hier nach wie vor sehr niedrige Erfolgsquoten (Kapitel 1.1). Als eine der Ursachen wird in der Erfolgsfaktorenforschung die mangelhafte Qualität bei der Bewertung und Selektion von Innovationsideen beziehungsweise -projekten identifiziert (Kapitel 1.2). Es bedarf einer neuen Bewertungsmethodik, deren Entwicklung als Zielsetzung dieser Arbeit angesehen werden kann (Kapitel 1.3). Abschließend werden die Anforderungen an die neue Bewertungsmethodik definiert, um eine möglichst wirksame und anwendungsnahe Methodik entwickeln zu können (Kapitel 1.4).

Case: Einführung

1. Ausgangssituation und Motivation
„Innovationen ähneln eben doch oft mehr einem Glücksspiel als einer Investition“ (Hauschildt et al. 2016, 403)

1.1 Die drei Aggregatzustände von Innovationen und die niedrige Erfolgsquote von Innovationsideen
Innovationen können grundsätzlich die drei „Aggregatzustände“ „war“, „ist“ und „werden“ einnehmen. Betrachtet man zum Beispiel das erste Smartphone von Apple, so war das 2007 eine Innovation bestehend aus Neuartigkeit und einer nutzenstiftenden Umsetzung. Betrachtet man das Smartphone aus heutiger Sicht ist der Nutzen daraus zwar sowohl für die Nutzer als auch die Unternehmen wie Apple enorm gestiegen, aber es liegt keine Neuartigkeit mehr vor, weshalb das Smartphone im „ist“ keine Innovation mehr darstellt (Hube 2022, 213). Der dritte Aggregatzustand betrifft die Zukunft, also die Frage ob eine Innovationsidee oder -projekt eine Innovation werden kann und welches Potenzial in der Idee oder dem Projekt tatsächlich steckt. Man könnte sich aus Sicht von Apple etwa fragen welches Potenzial die Idee der „Vision pro“ als neuer Produktansatz für Virtual Reality (VR) besitzt (Fäcknitz 2023). Mit Hilfe dieser Dreiteilung kann grundsätzlich eine klare Abgrenzung zwischen Innovation und Nicht-Innovation getroffen werden und damit häufig auch das Problem eines unzureichenden Innovationsverständnisses umgangen werden, das zu folgenschweren Fehlentscheidungen in Unternehmen führen kann (Hube 2022, 210). Wenn also erst einmal Klarheit über den aktuellen Status herrscht, analog einer Art „Innovations-TÜV“ (Hube 2022, 214), kann im nächsten Schritt versucht werden, das Potenzial der Innovationsideen oder -projekte zu analysieren, um die Ideen und Projekte mit dem höchsten Potenzial in Angriff zu nehmen.
(…)
1.2 Mangelhafte Qualität bei der Bewertung von Innovationsideen und -projekten
Aus der Erfolgsfaktorenforschung kommen sehr interessante Hinweise zur Ursachenanalyse der niedrigen Erfolgsquote von Innovationsideen. In diesem Forschungsbereich wird schon seit längerem versucht, Korrelationen zwischen dem Markterfolg und den dazu führenden Erfolgsfaktoren herzustellen (Vahs/Brem 2013, 69). Dabei kann zwischen den Erfolgsfaktoren, die sich auf den Prozess- und die Ausführungsqualität beziehen (etwa technische oder marktbezogene Aktivitäten) und denjenigen, die sich auf das Produkt und das Produktumfeld beziehen (etwa Synergien in den Bereichen Technik und Marketing) unterschieden werden.

Betrachtet man nun die Faktoren, die vom Unternehmen beeinflusst werden können, so wird die große Bedeutung einer frühzeitigen, sorgfältigen und umfassenden Bewertung von Innovationsideen und -projekten deutlich. Kleinschmitt et al. ermittelten in ihrer Studie von 1996, die „Ausführungsqualität der Vor-Aktivitäten“ als einen von acht Erfolgsfaktoren für erfolgreiche Innovation (Kleinschmitt et al. 1996, 10). Nach einer branchenübergreifenden Studie von Jaruzelski et al. kontrollieren überdurchschnittlich erfolgreiche Unternehmen ihre Innovationsideen und -projekte bereits früh und streng im Innovationsprozess (Jaruzelski et al. 2018). Auch in einer weiteren Studie kommen sie zu dem Ergebnis. dass eine gut fundierte Bewertung und Selektion der richtigen Innovationsideen als ein wichtiger Erfolgsfaktor anzusehen ist (Janovski et al. 2016, 48).
(…)
1.3 Die Rolle der Intuition bei der Bewertung von Innovationsideen und -projekten
„Die Vorstellung, Innovationen unabhängig von Einzelinteressen „objektiv“ beurteilen zu können, ist ein Irrglaube“. (Kerka et al. 2007a, 281)

Auch wenn in den bisherigen Ansätzen zur Bewertung von Innovationsideen möglichst sachlich und mit Hilfe objektiver Kriterien argumentiert wird, ist es nicht realistisch, dass eine objektive und faktenbasierte Bewertung von Innovationsideen überhaupt möglich ist (Adam 2012, 247). Die Beurteilung von Neuartigkeit und Eignung einer Idee scheint objektiv kaum möglich zu sein und wird in hohem Maße von der intuitiven Natur des Menschen beeinflusst (Adarves-Yorno et al. 2005, 4; Pratt/Zeckenhauser 1987, 153). Insbesondere in der frühen Innovationsphase, wo spekulative Überlegungen und „weiche“ Argumente überwiegen, ist es das unternehmerische „Fingerspitzengefühl“, das bei einer Einschätzung überwiegt (Vahs 2013, 317). In einer Studie von 2007 gaben 38 Prozent der Befragten an, bei der Vorselektion von Innovationsideen intuitiv nach „Bauchgefühl“ zu entscheiden (Kerka et al. 2007, 291).
(…)


Case: Beschreibung

2. Zielsetzung und Anforderungen
In der praktischen Anwendung werden entweder zu selten Methoden zur Beurteilung und Bewertung von Innovationsideen eingesetzt oder es wird zu häufig nur auf einzelne finanzwirtschaftliche Kennzahlen geschaut. Deshalb soll in dieser Arbeit eine Methodik erarbeitet werden, die eine einfache und anwendungsnahe, aber möglichst aussagekräftige Bewertung ermöglicht. Es soll eine Hilfestellung für Lehre und Praxis sein, die das mögliche Nutzen-Potenzial einer Innovationsidee oder eines bereits existierenden Projektes unter der Berücksichtigung des voraussichtlichen Aufwandes ermittelt.

In diesem Kapitel sollen die Anforderungen an eine Bewertungsmethodik weiter konkretisiert werden, um sie dann in Kapitel 3 mit bekannten und verwendeten Ansätzen und Methoden aus der Literatur zu kontrastieren. In den Kapiteln 4 und 5 wird die Methodik entwickelt und in Kapitel 6 in ein anwendungsnahes Tool umgesetzt, das auch entsprechende Auswertungen und Interpretationsunterstützung liefert. In Kapitel 7 wird die Methodik im Rahmen von Expertenbefragungen evaluiert und das Kapitel 8 schließt mit einem Fazit sowie einem Ausblick auf weitere mögliche Forschungsaktivitäten.
(…)


Case: Bewertung

3. Übersicht und Beurteilung von Methoden zur Bewertung von Innovationsideen und -projekten
In den vergangenen Jahrzehnten wurde eine Vielzahl von Methoden entwickelt, welche zur Bewertung von Ideen herangezogen werden können (Poh/Ang/Bai 2001, 63, Souder/Mandakovic 1986, 36) In Kapitel 3.1 werden einige Klassifizierungen dieser Methoden vorgestellt, bevor in Kapitel 3.2 auf deren Eignung im Verlauf des Innovationsprozesses eingegangen wird. In Kapitel 3.3 werden die Verfahren dann hinsichtlich der Anforderungen aus Kapitel 2 kritisch beurteilt und Empfehlungen für die zu entwickelnde Methodik abgeleitet.

3.1 Klassifizierung der Methoden
Aufgrund der hohen Vielfältigkeit der Methoden zur Bewertung sind auch die Vorschläge zur Klassifizierung mitunter sehr unterschiedlich und reichen von einer Zweiteilung bis hin zu einer Vielzahl von Kategorien (Sandau 2009, 63). Pleschak/Sabisch nehmen beispielsweise eine Zweiteilung der Bewertungsverfahren in ein- beziehungsweise mehrdimensionale Verfahren vor. Alle finanzwirtschaftlichen quantitativen Verfahren sind damit den eindimensionalen Verfahren zugeordnet, während alle qualitativen und semiquantitativen Verfahren den mehrdimensionalen Verfahren zugeordnet sind (Pleschak/Sabisch 1996, 178).

Mit dieser Kategorisierung wird verdeutlicht, dass mit quantitativen Verfahren der Investitionsrechnung nur eine Zielsetzung abgebildet wird, nämlich die finanzwirtschaftlich- monetäre.

Häufig wird wie bei Heesen eine Dreiteilung in „Qualitative Methoden“, „Quantitative Methoden“ und als „Zwitter“ die „semiquantitativen Methoden“ als dritte Kategorie verwendet (Heesen 2009, 107; Granig 2007, 78; Vahs/Brem 2013, 321; Specht et al. 2002, 216).
(…)
3.2 Eignung der Methoden im Innovationsprozess
Wie in der Beschreibung der verschiedenen Bewertungsmethoden schon angedeutet, sind die Informationsbedürfnisse der Instrumente sehr unterschiedlich. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, sie vom Reifegrad und damit der immer besseren Datenbasis abhängig zu machen (Vahs/Brem 2013, 320). In der Literatur besteht weitestgehend Einigkeit darüber, dass in der frühen Phase eher qualitative Methoden verwendet werden sollten und erst im späteren Verlauf die quantitativen sinnvoll und aussagekräftig sind (Roterberg 2018, 271). Dazwischen werden sowohl bereits zu einem frühen Stadium als auch bis hin zur Markteinführung die semi-quantitativen Methoden empfohlen (Hessen 2009, 133; Abele 2013, 10; Granig 2007, 78; Vahs/Brem 2013, 321; Bürgel et al. 1996, 107). In der folgenden Abbildung wird diese unterschiedliche Eignung der Methoden im Innovationsprozess dargestellt.

Die große Einsatzbreite der semiquantitativen Verfahren wird in der Praxis bestätigt und liegt neben der einfachen Anwendung in der Möglichkeit auch monetäre Größen zu berücksichtigen (Scherer 1995, 62).
(…)
3.3 Kritische Beurteilung der Methoden
In diesem Kapitel sollen die verschiedenen Methoden zur Bewertung von Innovationsideen beziehungsweise -projekten auf ihre Tauglichkeit analysiert werden. Dazu werden in den nächsten Kapiteln die drei Kategorien von Bewertungsinstrumenten überblicksartig hinsichtlich ihrer grundsätzlichen Vor- und Nachteile beschrieben. Eine detaillierte Bewertung der verschiedenen einzelnen Instrumente finden sich etwa bei Adam oder Heesen (Adam 2012, 257–290; Heesen 2009, 116–134).
(…)


Case: Ergebnis

4. Entwicklung einer Innovations-Rendite-Formel
Im Folgenden soll auf Basis der Überlegungen der vorherigen Kapitel ein neues Bewertungsverfahren mit entsprechenden Bewertungskriterien entwickelt werden. Dazu wird zunächst die Grundidee der Innovationsrendite, die eine Kombination aus quantitativer und semiquantitativer Methodik darstellt, vorgestellt, um die Anforderungen aus Kapitel 2 zu erfüllen (Kapitel 4.1). Anschließend werden die in der Literatur vorhandenen Formeln für eine Innovationsrentabilität vorgestellt und auf Eignung für diese Arbeit überprüft (Kapitel 4.2).

4.1 Grundidee einer Innovationsrendite
Wie bereits herausgearbeitet wurde, könnten durch eine Kombination von semiquantitativen Methoden mit quantitativen Methoden nahezu alle Anforderungen an die neue Methodik erfüllt werden. Um das zukünftige Potenzial einer Innovationsidee beziehungsweise eines Innovationsprojekts zu bewerten, soll die grundsätzliche Formel für die Rentabilität verwendet werden. Da sich Rentabilitäten immer aus dem Verhältnis eines Outputs zu einem Input ergeben, müssen sowohl Nutzen als auch Aufwand berücksichtigt werden. Damit wird der Anforderung nach einer zwingenden Berücksichtigung von Aufwand und Nutzen gefolgt. Rentabilitätsvergleichsrechnungen sind außerdem verständlich und haben eine klare Aussagekraft (Heesen 2009, 130; Vahs/Brem 2013, 321).
(…)


Case: Fazit

Ziel dieser Arbeit ist es, einen Beitrag zu einer verbesserten Bewertung von Innovationsideen beziehungsweise -projekten zu leisten, um im besten Fall die Erfolgsquote von Innovationen auf dem Weg von der Idee zu einem Markterfolg zu erhöhen. Damit knüpft diese Arbeit direkt an die Überlegungen und Lösungsvorschläge zur besseren Beurteilung und Unterscheidung von Innovationen im „Ist“ an. (Hube 2022, 208–227). Wenn also mit Hilfe der Innovationsstatusformel und des Innovationsprüfstandes Klarheit über den Ist-Zustand der Ideen und Projekte im Unternehmen herrscht, können diese mit Hilfe der in dieser Arbeit entwickelten Innovationsrenditeformel und dem Innovations-Rendite-Kalkulator auf ihre Rendite in der Zukunft eingeschätzt werden. Damit soll eine Hilfestellung bei der Auswahl der Ideen und Projekte mit dem besten Verhältnis von Nutzen und Aufwand an die Hand gegeben werden. (…) Anknüpfend an die Ausführung im ersten Kapitel könnte man also aus Sicht von Apple versuchen, eine Rendite für die „Vision pro“ als Produkt im Bereich der VR zu ermitteln, nachdem das Smartphone nach der Innovationsstatusformel aus heutiger Sicht keine Innovation mehr ist.

 

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Prof. Dr. Gerhard Hube ist seit dem Jahr 2010 Professor für „Strategisches Innovationsmanagement“ an der Technischen Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt und verantwortlich für den Masterstudiengang „Integriertes Innovationsmanagement“.