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Forschungsorganisationen versus Hochschulen. Wer ist eher Ideenschmiede?

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Linn Petersen

AUSGRÜNDUNGEN

Forschungsorganisationen versus Hochschulen. Wer ist eher Ideenschmiede?

Die RWTH Aachen verweist die Technischen Universitäten München und Dresden auf die Plätze

Ausgründungen öffentlicher Wissenschaftseinrichtungen, sogenannte Spin-offs, sind ein Dauerbrenner. Es geht dabei um Unternehmensgründungen, bei denen Hochschulen oder Forschungseinrichtungen direkt oder indirekt beteiligt sind. Studierende und junge Wissenschaftler entwickeln immer häufiger eine Geschäftsidee und erproben das Unternehmertum. Die Zahlen der letzten Jahre zeigen den Trend: Es gibt immer mehr Firmen, die von Studierenden, Absolventen oder Wissenschaftlern aus Hochschulen heraus gestartet werden. Bei einer eigenen Geschäftsidee unterstützten die meisten Forschungseinrichtungen die Kreativen wie beispielsweise bei der Startfinanzierung, die beantragt werden muss. Neben der guten Geschäftsidee, dem Businessplan und der Finanzierung spielt die Rechtsform eine entscheidende Rolle. Wissenschaftsmanagement hat die Zahlen 2012 aktuell abgefragt.

Zum Hintergrund: Der Stifterverband erstellt im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie einen Gründungsradar. Dieses Instrument untersucht, welche Hochschule in Deutschland die besten Startbedingungen für Existenzgründungen von Studierenden und Wissenschaftlern bietet. Das Ziel der Studie ist, die Rahmenbedingungen und Hilfen, die Hochschulen Gründern anbieten, zu beleuchten. Ebenso werden die Ausgründungsstrategien der Einrichtungen gegenübergestellt. Auch Empfehlungen an die Wissenschaftsförderer und die Politik, wie zukünftig eine Förderung aussehen könnte, werden erwartet. Die Auswertung des Radars steht für Oktober 2013 an.

Vorab geben die aktuellen Vergleichszahlen hinsichtlich der Ausgründungen aus Forschungsorganisationen und Hochschulen einen Anhaltspunkt, welcher Organisationstyp im Beispieljahr 2012 dynamischer war. Im Wintersemester 2012/2013 wurden insgesamt 427 Hochschulen in Deutschland gezählt: Deshalb wird eine Auswahl an Hochschulen – die neun Technischen Universitäten, die in der Interessenvereinigung TU9 organisiert sind – mit den vier großen deutschen Forschungseinrichtungen verglichen.

Zu den Forschungsorganisationen gehört die Max-Planck Gesellschaft (MPG) mit der Max-Planck-Innovation (MI), die Fraunhofer-Gesellschaft (FhG), die Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren und die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried-Wilhelm-Leibniz (WGL). Unter die TU9 fallen die RWTH Aachen, die Technischen Universitäten Berlin, Braunschweig, Darmstadt, Dresden und München, die Universitäten Hannover und Stuttgart sowie das Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Ausgründungen der Forschungsorganisationen
Rückblick: Die MI betreut im MPG-Verbund zurzeit rund 1.190 Erfindungen und 16 Firmenbeteiligungen. Jedes Jahr kommen durchschnittlich 150 neue Projekte dazu. Seit 1979 hat die MI etwa 3.400 Erfindungen begleitet und ungefähr 2.000 Verwertungsverträge abgeschlossen. Bereits seit 1990 wurden ungefähr 100 Ausgründungen begleitet. Der Gesamterlös für die Erfinder beläuft sich bislang auf etwa 280 Millionen Euro. Die FhG hat eine spezialisierte Gruppe für die Ausgründungsprojekte ähnlich der MI, die Fraunhofer Venture. Seit ihrer Gründung 1999 hat die Fraunhofer Venture über 400 Ausgründungsprojekte begleitet sowie über 150 Spin-offs auf den Weg gebracht. Ebenso findet ein Know-how Transfer mit über 5.200 Patentfamilien statt. Die Helmholtz-Gemeinschaft hat bislang jährlich um die 400 neue Patente angemeldet, ebenso erfolgten von 2005 bis 2012 aus Helmholtz-Zentren 80 Ausgründungen. Für die Ausgründungen der 86 Institute der WGL übernimmt die Beratungsstelle Leibniz X – Science2market die Betreuung. Seit 1990 wurden aus 38 Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft mindestens 123 innovative Unternehmen gegründet. Diese Unternehmen haben etwa 1.600 neue Arbeitsplätze geschaffen und einen geschätzten Jahresumsatz von über 150 Millionen Euro.

Universitäten liegen vorn
Im Jahr 2012 sind beispielsweise aus den 18 Helmholtz-Zentren neun High-Tech-Ausgründungen entstanden, im Jahr zuvor waren es 14. Zahlen für 2013 liegen noch nicht vor. Im Schnitt werden laut Helmholtz-Darstellung rund zehn Gründungen pro Jahr erreicht. Bei den TU9 sehen die Zahlen anders aus: Die Innovationskraft der RWTH Aachen drückt sich auch in der hohen Zahl von 1.250 Existenzgründungen in den letzten 20 Jahren aus. Damit hat die RWTH Aachen eigenen Angaben zufolge rund 30.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Zahl der Ausgründungen liegt bei 63 im Jahr 2012. Die TU Braunschweig hat für den Zeitraum 2012 bis Anfang 2013 insgesamt 17 Neugründungen verbuchen können. Die TU Darmstadt hat seit 2012 dagegen fünf Ausgründungen weniger begleitet und gefördert: Es sind zwölf Spin-offs. An der TU Dresden gab es im letzten Jahr um die 20 bis 25 Ausgründungen, genauere Zahlen sind zurzeit nicht bekannt. Im Jahr 2012 hat die TU München um die 35 Unternehmungsgründungen verbucht. Die Universität Hannover hat jedes Jahr ungefähr circa fünf Ausgründungen erreicht; genaue Angaben für 2012 bis 2013 gibt es nicht. Bei der Universität Stuttgart wurden von 2012 bis 2013 ungefähr 15 Unternehmen gegründet. Im Jahr 2012 wurden vom KIT ungefähr 18 Ausgründungen verzeichnet.

Es zeigt sich also einmal eine hohe Diskrepanz innerhalb der Gruppe der Hochschulen – und zum anderen ein großer Unterschied zwischen den Hochschulen und den außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Die RWTH Aachen hat alleine mehr Ausgründungen im Jahr 2012 als die vier großen Wissenschaftsorganisationen zusammen. Diese Zahlen lassen natürlich die Fragen der Vergleichbarkeit und der unterschiedlichen Rahmenbedingungen offen. Sicher ist aber, dass dieses Thema ein wichtiges Feld für Wissenschaftsmanagement und Politik bleibt. Ein über alle Institutionen hinweg höherer Output an innovativen Spin-offs sollte für alle Akteure ein Ziel sein.

 

Foto: Kurt Michel/pixelio